9. February 2008

Erotik und Geist unter einen Hut bringen

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Kann ein Mensch, der ständig auf Reisen ist, in Gedanken natürlich – kann dieser sich fallen lassen, wie andere dazu in der Lage sind, die den Augenblick genießen und ihren Horizont nie so weit malen, dass sie das Gefühl haben müssen, nicht alles zu überblicken. Es wird philosophisch, vielleicht wird es auch melancholisch.

Es gibt die Rede von Akademikern, die, dadurch, dass sie wissenschaftlich nach dem Sein als Ikone streben, nicht in der Lage sind, zu leben – Fachidioten? Eigentlich gibt es ein Vorurteil, dass es viele Akademiker gibt, die kinderlos bleiben, und oftmals, wenn die Karriere sie zu sehr vereinnahmt, keine Zeit für Familie haben. Das ist mit Sicherheit eine recht entfernte Facette, im Kontext des Themas, Geist und Erotik unter einen Hut zu bringen. Familie zu führen, vor allem erst zu haben, hat nicht eigentlich etwas mit Erotik zu tun.

Die Frage, der ich nachgehen möchte, ist folgende: – Verklären wir sie zunächst noch ein wenig. Warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht. Stellen wir uns Anbandelungen zwischen Männlein und Weiblein vor, meinetwegen, wenn Bedarf besteht, stellen wir uns auch gleichgeschlechtliche Verknüpfungen vor. Frau und Mann, Mann und Frau, Frau und Frau, Mann und Mann. Greifen wir uns ein xbeliebiges Paar heraus. A) ist geistig engagiert und B) ist das nur begrenzt. B) ist passiv. Wann ist das der Fall? Wenn wir uns die gesellschaftliche Zusammensetzung beispielsweise aus soziologischer Perspektive vergegenwärtigten, würden wir von Schichten oder Sphären sprechen. Es gibt bildungsnahe und bildungsferne Schichten. Die einen, die wo was mit Wissen und Information zu tun haben, und solche, die keinen Pfifferling dafür geben würden.

Dann gibt es diejenigen, die a) erotisch unheimlich nach Sinnlichkeit streben und b) solche, die frigide sind. Ich weiß, ich weiß, es gibt keine frigiden Personen, das ist lediglich ein kulturelles Stigma, das niemand tatsächlich auf Dauer tragen muss/kann. Der Erklärbarkeit halber nehmen wir an, es gibt sie doch, diese beiden dichotomen Pole. Es gibt auf jeden Fall solche, die ihrer Libido nachgehen und nachgeben, und solche, die mit anderen Beschäftigungen glücklich werden können.

Wir hätten also die Möglichkeit, vier verschiedene Typen zu charakterisieren. ein A)a)… jemand, der geistig unheimlich intellektuell ist und gleichzeitig ständig nach Ekstase strebt. Wahrscheinlich zählen Künstler zu solchen. Dann gibt es die A)b)… solche, die ihrer Geistigkeit wegen (oder wegen anderer Unannehmlichkeiten) nicht auf die Libido setzen wollen. Nehmen wir frech an, es handele sich hierbei um Lehrer und Beamte. Keine Sorge, ich möchte keine Vorurteile schüren, sondern die Dinge nur möglichst plakativ in Worte fassen. Jeder darf sich zu Wort melden.

Dann gibt es die B)a)-ler, solche also, die sich nicht für die Welt interessieren, allerhöchsten die konsumvermittelte den Konsum, und unheimlich gerne Sex haben. Das sind arme Leute, die in unseren Sphären mit tiefergelegten Autos mit Alufelgen rumdüsen und bei Oliver Geissen vor laufender Kamera überprüfen, ob das nächste entwickelte Spermium (+Eizelle) wirklich von ihnen stammt. In der Folge einer Marketing-/Vermarktungskette landen sie dann in Dokusoaps à là “Wir sind viele”…

Was ist mit den B)b)-lern: Akteure, die schon während der Berufsausbildung den Lehrern die Schuld an den Noten geben und sich am Ende der Ausbildung zu Tode langweilen, weil Lernen was für Spießer ist. Gleichzeitig haben diese B)b)-ler aber außerdem aus irgendwelchen Gründen keinen Bock auf Libido, Erotik, und so fort. Vielleicht hat’s hier an der Aufklärung gemangelt? Wir wissen es nicht genau.

Ich bin der Meinung, dass die Typen A)a) und B)b) wesentlich seltener vorkommen als die Kombination A)b) und B)a) . Es gibt gesellschaftliche Konstellationen, die bei der Sozialisation gerade die Herausbildung der anderen Typen befördern. Wenn man sich nun den Markt der Beziehungswilligen ansieht, stellt man schnell fest, dass die A)a)-ler und B)b)-ler auf gewisse Weise die Arschkarte gezogen haben. Sie werden viel öfter in ihrem Leben mit anderen Typen konfrontiert als ihnen lieb ist.

Meine Ausgangsfrage war ja die nach der Kombination von Erotik und Geist. Der Schwerpunkt, den ich setze, er liegt auf der Bildung. Ich rede vom thematischen Schwerpunkt, nicht von meinem eigenen. ;) Jetzt lässt sich fragen, aus der Perspektive von jemandem, der intellektuell aufgeschlossen ist, ob es denn zu viel verlangt ist, dass er oder sie jemanden trifft, der ebenfalls in der Lage ist, sich selbst zu beschäftigen und durchaus geistige Höhenflüge zu erleben in der Lage ist, und trotzdem ein reges Liebesleben gestalten mag.

Gehen wir von einer Beziehung zwischen Männlein und Weiblein aus. Wenn wir einen A)a)-ler zusammen mit einer A)b)-lerin erleben, ist sie zwar geistig auf der Höhe, kann aber seinen Liebeshunger nicht stillen. Eine weitere Option wäre, dass der A)a)-ler mit einer B)a)-lerin anbandelt. Er hat dann jemanden, der ihn früher oder später langweilt, oder ihm auf die Nerven fällt, weil sie nicht in der Lage ist, sich selbst zu beschäftigen. Sie möchte unterhalten werden, braucht Aufmerksamkeit. Sex alleine kann das nicht ausgleichen. Jedenfalls nicht bei einem A)a)-ler. Wenn er selbst kein intellektueller Turnschuh wäre, würde seine selbstreflexive Ader ihn gar nicht erst dazu verleiten, über diverse Mangelerscheinungen nachzudenken.

Ich bin der Meinung, dass es A)a)-ler und B)b)-ler dort draußen sehr schwer haben. Besonders interessant finde ich aber eben die Frage, wie man “Geist und Erotik” als doppeltes Lottchen miteinander in Verbindung bringen kann. Wo sind all die A)a)-ler, die den anderen dieses Typs das Leben leichter machen. Diskussionen und Streits ins Beziehungen, entstehen oft auf der Folie (dem Torf) von Unterschieden, von unterschiedlichen Erwartungshaltungen. Was machen A)a)-ler, die mit offenen Augen durchs Leben gehen, und trotzdem ernüchtert feststellen müssen, dass es kaum adäquate Partner für sie gibt? Wolle mer sei reinlasse?

Ist das ein ernszunehmendes Problem – also, gibt es diesen Mangel an A)a)-lerInnen wirklich? Oder, ist es nur so, dass die meisten Akademiker sich verbieten über Eros zu sprechen, geschweige denn ihr kulturelles Substrat sie oft mehr darüber nachdenken lässt, wie sie bei anderen ankommen könnten. Vielleicht gibt es dort draußen ja lauter Frösche, die nur unter Libidozweigen geküsst werden müssten, um aus ihrem frigiden Schläfchen zu erwachen?! Wer weiß das schon. Ich kann allerdings kaum erwarten, dass es nun den ein oder anderen meiner Leser dazu treibt, vor uns allen die Hosen auszuziehen, und von seinen oder ihren eigenen Erfahrungen zu berichten. Gehe ich da recht in der Annahme?!

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Kategorie Glocal, Science · Autor · 4 Kommentare


4 Kommentare

  1. Pingback von Aliquid stat pro aliquo - Ansichten eines Clowns
    February 9, 2008 · 2:39 am

    [...] Ein Artikel auf Sajonara, der auch gut hierhin gepasst hätte: “Erotik und Geist unter einen Hut bringen“. [...]

  2. Kommentar von CS
    February 9, 2008 · 2:58 pm

    Du kannst dich ja bei Elitepartner.de anmelden und dort bei der Frage wie wichtig dir Sex ist mit “sehr wichtig” antworten.
    Vielleicht findet man dann auch Typ A)a) ober B)a) und oder B)b) und B)a) und oder B)p) und C)c) zusammen.

  3. Kommentar von el commandante
    February 10, 2008 · 12:27 am

    was ist erotik? vor geistern fürchte ich mich…..ahahahahahahaha

    der bussibär

  4. Kommentar von Alexander Trust
    February 12, 2008 · 1:59 am

    Ich möchte nur mal den iPod Touch testen. Klappt wirklich einwandfrei.

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