Kindo: Es war einmal…
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… ein international zusammengewürfeltes Team aus engagierten, jungen Leuten, die ein Familiennetzwerk aus der Taufe gehoben haben. Kindo ist aus den Kinderschuhen heraus und nun ein ernstzunehmender Mitspieler im Bereich der partikularen Social Networks geworden. Partikular deshalb, weil Kindo nicht alle ansprechen will, sondern nur Familien(mitglieder).
Ein erstes Zusammentreffen mit diesem Blog, letztes Jahr im November, stand unter keinem guten Stern (vgl. Kindo can do?!). Allerdings hat dieser Ausgangspunkt eine durchaus interessante Begegnung erst möglich gemacht. Die Macher von Kindo haben den Kopf nicht in den Sand gesteckt, sondern sich erklärt (vgl. Interview mit Mario F. Ruckh Mitte November 2007) und (mir) gezeigt, dass dort mehr als nur heiße Luft herkommt. Anfängliche Skepsis wich einer zufriedenstellenden Akzeptanz meinerseits.
Kindo ist konzipiert für das Hier und Jetzt, es will, wie bereits im Interview aus 07 anklang, die innerfamiliäre Kommunikation stärken. Anfang Februar, am Geburtstag meiner Großmutter und dem einer Ex-Freundin, wurde eine Pressemitteilung herausgegeben, die eindeutig anzeigte: Kindo wird erwachsen, denn Kindo ist interessant für Investoren. Die von den Skype-Entwicklern gegründete Investorengesellschaft Ambient Sound Investments (ASI) hat Kapital zugeschossen. “Die estische Firma wird Kindo finanziell und beratend zur Seite stehen und die Expansion des schnell wachsenden Familiennetzwerkes unterstützen” (PR-Mitteilung vom 07.02.2008, pdf).
Monetarisierung von Social Networks braucht Geduld
Ivestoren alleine machen jedoch nicht glücklich. Man kann unheimlich viel Geld haben und es ebenso schnell wieder verlieren. Erste kleinere Social Networks geraten ins Straucheln, und selbst die großen (z. B. Facebook) kommen ins Gerede, weil sie fast nicht profitabel sind. Nun erhält Kindo eine neue Finanzspritze, ist das ein gutes Zeichen? Mario F. Ruckh, Presseverantwortlicher von Kindo ist der Auffassung, dass Social Networks Schwierigkeiten haben, ihren Besucherstrom in Bare Münze zu verwandeln. Dennoch sieht er weder einen Abwärtstrend bei den Großen, noch zweifelt er an der prinzipiellen finanziellen Tauglichkeit von Social Networks. Ruckh zu Sajonara: “Facebook hat in 2007 gewaltige Umsätze und erstmals auch Profit gemacht und ihre Werbeplattform ist erst im Oktober gestartet!” (vgl. dazu Mashable, engl.). Wollte man Ruckhs Meinung zusammenfassen, müsste man einfach davon sprechen, dass es Zeit braucht. “Social Networks“, so Ruckh weiter, “gehören weltweit zu den Nutzerstärksten Seiten (4 von den Top 10 in Alexa sind SNs), haben die höchsten Verweildauern ihrer Nutzer auf ihren Seiten und verfügen über die umfangreichsten Nutzerdaten (z. B. für zielgerichtete Werbung). Die Monetarisierung dieser Werte wird mit einer Etablierung des Segments immer einfacher und lukrativer werden.”
Namen sind Schall und Rauch
Skype, last.fm, Ricardo.de, Myblog.de – Namen und Firmen, bei denen die Investoren in Kindo in irgendeiner Form involviert waren oder noch sind. Man sollte auf den ersten Blick davon ausgehen, dass diese einen Riecher dafür haben, sich auskennen, oder wie man es sonst paraphrasieren mag. Nicht jede Firma und nicht jeder Name ist indes immer ausschließlich als Aushängeschild zu betrachten. Wir wissen, dass die Skype-Entwickler mit Joost derzeit noch nicht allzu großen Erfolg haben und der Name Holtzbrinck beispielsweise steht nicht partout für einen potenten Kunden/Investor, der über viel Knowhow verfügt. Wenn man sich bei der Betrachtung der Entwicklung Zeit nehmen soll, dann darf man das auch bei der Beobachtung von Investoren und deren Investments. Gleichwie sind eben die Investoren in Kindo nicht irgendwelche namenlosen Gestalten, sondern kennen sich (mehr oder weniger gut) aus. Wissen sie also, was sie tun? Ruckh zu Sajonara: “Unsere Investoren haben große Erfahrung in der Branche auch auf Unternehmerseite gesammelt und haben erfolgreiche Internet Startups mitgeformt, nicht nur in solche investiert. Und natürlich öffnen solche erstklassigen Leute wichtige Türen zu wichtigen Partnern und Verbündeten.”
Produktivität hilft durch unruhige Gewässer
Wir benötigen Geduld, um die Investoren in Kindo wertzuschätzen und die Investoren brauchen ebenso Geduld, weil das Verständnis auf Seiten der Nutzer für eine Monetarisierung ihrer Daten noch fehlt. Bleibt die Frage, ob die Nutzer jemals so viel Verständnis dafür aufbringen werden? Die Nutzungszeiten sind enorm, aber die Frage der Produktivität wird in meinen Augen zunehmend wichtiger werden. Netzwerke wie StudiVZ haben bislang kaum nennenswerte Produktivitätskennzahlen schaffen können. Kindo bietet in seiner bisherigen Form die Möglichkeit Stammbäume zu erschaffen und untereinander zu kommunizieren. – Ein Vorteil von solchen Netzwerken ist die Visualisierung von dem Wissen, was implizit in den Verbindungen der Mitglieder verschlüsselt steckt. Aber auch diese Information verliert an Reiz, wenn man damit nicht auch noch kreativ werden kann. Die Ergonomie von Kindo ist gut. Die Anmeldung geht schnell über die Bühne. Aber im Bereich der Produktivität ist noch viel Spielraum geboten. Als Soziales Netzwerk ist Kindo jedoch ein Teil des Ganzen, und am Horizont des ganzen Geschehens zeichnet sich mehr oder minder stark eine Blase ab, wie wir sie vom Dotcom-Sterben her kennen. Ruckh gibt gegenüber Sajonara zu verstehen, dass Kindo Bedarf an Kommunikation erkennt und ihn (noch?) nicht gedeckt sieht. Dazu bietet es eigenes Potenzial, die Bedürfnisse problemorientiert zu lösen: “Es ist der allzu menschliche Wunsch“, so Ruckh, “nach Kontakt mit verwandten und vertrauten Menschen, ein steigender Bedarf an modernen Kommunikations- und Austauschmedien innerhalb von Familien und unsere langfristige Perspektive auf diese Bedürfnisse optimal eingehen zu können.”
Kindo ist mittendrin in der Kommunikation, statt nur bei der Ahnenforschung dabei
Wo sieht sich Kindo selbst in der ganzen Web 2.0-Manege platziert? Mario Ruckh gab uns eine ausführlichere Antwort und beschreibt die Position Kindos wie folgt: “Kindo ist das internationale Netzwerk für die lebende Familie. Diese Positionierung haben wir von Anfang an verfolgt und bis auf kleine Verschiebungen in der Betonung werden wir das auch beibehalten.
Die Abgrenzung gegenüber Freundes- und Geschäftsnetzwerken fällt relativ einfach, man möchte mit Verwandten keine anonyme Geschäftsbeziehung und benötigt auch keine Profilierung wie mit Gleichaltrigen.
Innerhalb der Familiennetzwerke ist Kindo eben nicht – wie die meisten anderen – in erster Linie für Ahnenforschung gedacht, sondern für den Austausch und Kontakt mit den lebenden Verwandten. Und wir sind ein modernes und internationales Netzwerk mit einer globalen Marke, was in einer globalisierten Welt sicherlich auch einen Vorteil bedeutet.”
Kindo konkurriert und strebt den anderen Long Tail an
Konkurrenz geht Kindo nicht aus dem Weg. Jeder, der mit einer Idee oder einem Produkt im Web auftritt, setzt sich notgedrungen der Konkurrenz aus. Doch wie erfährt Kindo die Konkurrenz? “Es gibt Web 1.0 Firmen, die im weitesten Sinne unsere Konkurrenten sind, von denen wir einige Dinge lernen können und hoffen, dass diese nicht offen genug sind, um unsere zahlreichen Vorteile zu erkennen oder zu adaptieren“, gibt Ruckh offen zu. Und er führt aus, wo sich die Konkurrenz lokal verortet und wie man ihr zuvor kommen mag: “Direkte Konkurrenten gibt es hauptsächlich im US-amerikanischen, dem deutschen und spanischen Markt, in vielen anderen Märkten (wie zum Beispiel der Türkei) ist das Angebot von Kindo noch einzigartig und wir gehen davon aus durch schnelles Wachstum und hohe Nutzerzahlen dort die Eintrittsbarrieren für ernsthafte Konkurrenten zu erhöhen (wie u. a. Mike Butcher in seinem Artikel auf Techcrunch erkannt hat).”
Der Massenmarkt ist von vielen, recht offenen Netzwerken belegt (Facebook, MySpace und Co.). Eine Strategie, um dennoch erfolgreich sein zu können, wäre, den Long Tail anzuvisieren. Doch mit Familien als Zielgruppe hat Kindo nicht gerade eine besondere Nische angesprochen, im Gegenteil: “Kindo ist ein Dienst der sich an Familien auf der ganzen Welt richtet, also eine breite Masse an Nutzern anvisiert“, bekennt Ruckh. Weiter erklärt er uns aber, dass damit nun auch Personen angesprochen werden, die vorher das Internet nur wenig genutzt haben. “Vielleicht“, erläutert Ruckh, “könnte man also viele Nutzer, die bisher wenig Zeit im Netz verbracht haben (verglichen mit den wenigen die ständig online sind) als Long Tail sehen; für mich macht der Begriff in anderen Zusammenhängen allerdings mehr Sinn.”
Des Pudels Kern: der soziale Graph
Seit dem Interview im November letzten Jahres sind einige Monate ins Land gezogen. Zeit, in der viel passiert sein kann. Leider ist der Social Graph eines Netzwerks sein Kapital und die meisten Netzwerke geben über ihre Nutzerzahlen erst dann Auskunft, wenn sie halbwegs kompetitiv sind. Ruckh versichert uns enthusiastisch, dass sich etwas verändert hat: “Aber sicher!“, meint er. Doch über konkrete Zahlen erfahren wir leider nichts. “Solche weltweite Daten über Verwandtschaftsbeziehungen sind unglaublich interessant und bei einem so schnell wachsenden Netzwerk wie Kindo natürlich ständig in Bewegung.” Eine durchaus strategische Antwort. Doch Ruckh stellt uns in Aussicht, dass sich in dieser Frage bald etwas ergeben könnte: “Wir werden möglicherweise in nicht allzu ferner Zukunft genauere Charakteristika des Kindo Netzwerkes veröffentlichen, natürlich hochagreggiert und 100% anonym.”
Ist Kindo gekommen, um zu bleiben?!
Wenn es nach Mario Ruckh geht, lassen die bisherigen Investments in Kindo nur diesen Schluss zu: “Ich denke an dem Netzwerk an Investoren und Unterstützern, das wir bereits haben, kann man sehen, dass Kindo ‘gekommen ist um zu bleiben.’” Meine natürliche Skepsis gebietet mir, diese Einschätzung nicht einfach nur hinzunehmen. Die Macher von Kindo haben mich, nach anfänglichen Diskrepanzen, zumindest überzeugt, dass es ihnen ernst ist. Doch wohin führt der Weg? Kindo wird internationalisiert, hat Seiten in anderen Sprachen eröffnet. “Zu den acht Sprachen in denen wir im Oktober an den Start gingen“, informiert Ruckh, “sind weitere sechs dazu gekommen. Darunter solche interessanten Sprachen wie Russisch, Türkisch, Chinesisch oder Arabisch.” Allerdings birgt eine Internationalisierung alleine noch keinen Gewinn an Funktionalität, vor allem dann nicht, wenn, wie im Falle von StudiVZ, die Vernetzung der einzelnen Seiten untereinander nicht vorgesehen ist. Da Kindo bereit ist, aus den Fehlern anderer zu lernen, dürften sie an diesem Punkt eine andere Strategie fahren.
Kindo wirbt zwar mit dem Investment, doch als Außenstehender ist es schwer, zu entscheiden, was die Investition wirklich für eine Tragweite entwickeln kann. Wie lange Kindo von dem Geld zehren kann, und welchen Spielraum es dem Start-Up bietet, dazu wollte/konnte Ruckh sich nicht äußern. Eines will Ruckh allerdings, und möchte Kindo: überzeugen. “Wir haben“, lobt Ruckh sein Netzwerk, “als erstes Familiennetzwerk eine Funktion für Familiennachrichten entwickelt, und auch unsere Familienstatistiken sind in der Form noch einzigartig. Wir werden uns weiterhin auf Funktionen konzentrieren die an die lebende Verwandtschaft gerichtet sind, auch wenn wir die Ahnenforschung natürlich als ein ‘verwandtes’ und aktuell populäres Feld für Innovationen sehen.” Ob Kindo damit Erfolg haben, und um wirklich entscheiden zu können, ob Kindo gekommen ist, um zu bleiben, bleibt wiederum nur eines: Geduld.
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Tags Facebook, Holtzbrinck, Kindo, last.fm, Myblog.de, MySpace, Ricardo.de, Ruckh, skype, Social-Network, StudiVZ, Web-2.0
Kategorie Media · Autor Alexander Trust · 1 Kommentar

September 23, 2008 · 2:18 pm
[...] schon lange?! Im Web 2.0 tut sich wieder was. Das Familiennetzwerk Kindo, über das Sajonara schon berichtete und auch ein Interview mit einem der Verantwortlichen führte – es geht jetzt [...]