19. February 2008

RWTH: Stirbt das Gehirn mit 18?

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RWTH-Aachen LogoAn meiner eigenen Hochschule wird auch geforscht, man soll es kaum glauben. In Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum Jülich soll das der Hochschule angehörende Uniklinikum nun herausgefunden haben, dass das Gehirn des Menschen bereits mit 18 Jahren das Altern/Sterben beginnt.

Ist dem denn wirklich so? Was lässt bei Univ.-Prof. Dr. med. Katrin Amunts aus der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Aachen diesen Schluss zu? Mit bildgebenden Verfahren der Magnetresonanztomographie (kurz MRT) hat man “die Gehirne gesunder Männer zwischen 18 und 51 Jahren” untersucht (vgl. Pressemitteilung). Peter Pieperhoff, ein wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungszentrum Jülich erklärt, dass die “Bildanalysen zeigten, dass bereits bei jungen Erwachsenen in bestimmten Bereichen des Gehirns ein Rückgang des Volumens eintritt” (Pressemitteilung).

Veränderungen sind Veränderungen, sind Veränderungen?

Veränderungen zeigten sich offenbar im Kleinhirn, im Thalamus und in der sensorischen und motorischen Hirnrinde (vgl. dazu Artikel über die Großhirnrinde auf Wikipedia). Nach aktuellem Stand der Forschung koordinieren diese Abteile des Gehirns die Bewegung. “Auch das so genannte präfrontale-limbische System, das komplexe Handlungsabläufe koordiniert, hatte sich bereits bei den jüngsten Studienteilnehmern verändert” (PR-Mitteilung). Beim Autofahren sei dieses System aktiv, denn “Autofahrer müssen kognitive Wahrnehmungen und Motorik kombinieren, indem sie beispielsweise den Verkehr beobachten, die Verkehrszeichen erfassen, gleichzeitig aber auch das Gaspedal und die Bremse betätigen und das Fahrzeug lenken” (Pieperhoff).

Halten wir fest: Das Volumen mancher Regionen im Gehirn ist geschrumpft. Drum gehen die Wissenschaftler davon aus, dass unser Gehirn bereits in jungen Jahren altert/stirbt. Wer eine Rotgrün-Fehlsichtigkeit hat, der gilt auch als von der Norm abweichend, und enstprechend als krank. Mit der Dunkelziffer all derjenigen, die sich nicht auf ihre visuelle Wahrnehmung hin untersuchen lassen, wird mittlerweile von 20% und mehr Akteuren ausgegangen, die rotgrün-fehlsichtig sind. Ist das nun immer noch eine Abart, oder nicht vielleicht einfach nur eine Spielart der Evolution, die mitunter sogar einen Zweck zu erfüllen sucht, den wir nur noch nicht herausgefunden haben.

Gesund ist, was dem Paradigma des Fortschritts entspricht? Höher, schneller, weiter… muss es gehen, ansonsten geht es nicht weiter? Wachstum ist gut – selbst die Ökonomie hat erkannt, dass es richtig und wichtig sein kann, sich gesund zu schrumpfen. Mir fallen spontan zwei Dinge dazu ein: Zum einen kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Abnahme im Volumen gar keine negativen Auswirkungen hat. Zum anderen könnte man jedoch ebenfalls interpretieren, dass es praktische Ursachen dafür gibt, warum gewisse Bereiche im Gehirn zurückgehen. Das muss uns im Umkehrschluss dann keine Sorgenfalten ins Gesicht treiben. Vielmehr würden wir, wenn wir davon ausgehen, dass bei vielen Menschen im Leben, mit Erreichen der Volljährigkeit die Schulzeit zu Ende geht, ein großer Wechsel im Leben vor sich geht. Schulsport ist dann in der Regel nicht mehr und Bewegung Fehlanzeige. Natürlich könnten die “gesunden Männer” aus der Studie allesamt Sportskannonen sein. Allerdings glaube ich, dass der Blick der Wissenschaftler eventuell zu kurz geht. Kann es nicht sein, dass das Gehirn einen Grund hat, warum es das Volumen in den Bereichen verringert? Immerhin hat die Evolution auch gezeigt, dass Zentren im Laufe der Zeit gewachsen sind. Wenn unsere Welt heute andere Anforderungen an uns stellt, werden wir möglicherweise andere Bereiche in unserem Gehirn verwenden als noch vor Jahr(hundert)tausenden.

Mir fallen spontan noch mehr Stöckchen ein, von denen man auf weitere Steinchen im gedanklichen Getriebe stoßen könnte. Diese wirken aber auf mich wenig plausibel, vor allem aber schlecht vermittelbar, drum behalte ich sie für mich. Derartige Ergebnisse von wissenschaftlichen Studien sollten Hinz und Kunz, ihr und ich, sollten wir immer skeptisch hinterfragen und eben nicht einfach für bare Münze nehmen, ohne wenigstens vorher ein Mal den schillernden Taler umgedreht zu haben.

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Kategorie Science · Autor · 5 Kommentare


5 Kommentare

  1. Kommentar von Herr S.
    February 20, 2008 · 9:30 am

    Waren die Probanten zufällig Studentinnen?^^

  2. Kommentar von Andreas F.
    February 27, 2008 · 8:28 pm

    Altersbedingte Veränderungen kann man durchaus als Altern bezeichnen – unabhängig davon, wie die Leistungsfähigkeit davon beeinflusst wird.

    Woher kommt Deine Aversion gegen das Altern?

  3. Kommentar von Alexander Trust
    February 27, 2008 · 8:39 pm

    Die Aussage der Pressemitteilung war pejorativ, negativer Natur. Volumen geht zurück ist gleichbedeutend mit Mangel, mit Verlust. Das ist für mich nicht zwingend der Fall. Volumenverlust, auch im zeitlichen Verlauf kann durchaus Vorteile haben? Weiß man’s? Ich selbst habe keine Aversion gegen das Altern. D. h. noch nicht, wer weiß, wenn ich mal 20 Jahre älter bin, ob ich dann immer noch so denke. *G* Ich fand die Aussage der Pressemitteilung kritikwürdig.

  4. Kommentar von Andreas F.
    February 27, 2008 · 9:11 pm

    Ich würde mich über eine Pressemitteilung a la “Volumen der sog. Rettungsringe verringert sich altersbedingt ab 40 Jahren” durchaus freuen, und hätte keinen einzigen negativen Gedanken an “Mangel” oder “Verlust” :-)

  5. Kommentar von Alexander Trust
    February 27, 2008 · 9:25 pm

    Das ist wohl wahr. Aber die Leutchen haben hier eben davon gesprochen, dass es die Leistungsfähigkeit des Menschen einschränke. Wer weiß, vielleicht wachsen andernorts die Zentren im Hirn. Das Paradigma der 40er und 50er Jahre haben wir ja schon hinter uns gelassen, dass das Gehirn im Alter abstirbt und bis zu X Zellen verliert. Ich kann Dinge ja plausibel erklären wollen und mancher kann sie plausibel finden. Aber Plausibilität ist nicht Wahrheit. Und eigentlich müssen wir uns sowieso davon trennen, Unumstößliches anzunehmen. Mich würde es freuen, wenn vor allem “wissenschaftliche” Pressemitteilung nicht eine verkappte Yellow-Press ansprechen wollten, sondern vielmehr immer auch verlautbaren würden, was man vielleicht alles noch zu bedenken hat. Erkenntnisse gewinnen kann man nämlich auch aus all jenen Faktoren, die durch gewisse Ergebnisse alle “nicht” eintreffen.

    Der Titel der Pressemitteilung war ja “Das Gehirn altert bereits in der Jugend”… in dieser Verwendung wird klar, dass damit etwas Negatives angesprochen werden soll. Es wurde ja gefunden, dass das Volumen über die Zeit sich reduziert – das ist aber ja nicht gleichbedeutend mit Alterung, oder?

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