Veröffentlicht am 21. Februar 2008 von Alexander Trust
Es könnte zur Gewohnheit werden, dem Erotikspam dieser Welt auf den Grund zu gehen. Ich hab das schon ein Mal getan, und bin in der Folge dazu aufgefordert worden, den Artikel zu löschen. Ein gewisser Herr G. – Internetunternehmer -, und Leute, aus seinem Dunstkreis, hatten mir mit einer Abmahnung gedroht, wenn ich den Artikel nicht rechtzeitig löschen würde. Rufschädigung und Geschäftsschädigung wollte man mir nachsagen. Aus den Fehlern von damals habe ich gelernt und sammle heute alle Informationen, die mir später als Beweise dienen können. Zudem werde ich die Namen der Betroffenen Personen nicht ausschreiben, sondern nur mittels Initialen andeuten. Außerdem werde ich nicht vorschnell und überspitzt Schuldzuweisungen notieren. Zunächst einmal geht es mir nur darum, die Informationen zusammen zu tragen. Die entsprechenden Personen wurden von mir per Email informiert und um Stellungnahme, bzw. Aufklärung gebeten.

Screenshot der Email von marita@kotzbox.de
Der Fall Marita
20. Februar 2008. In meinem privaten Postfach liegt ein Email, das eindeutig als Erotikspam identifiziert werden kann. Es stammt von… Marita. Der standardisierte Autotext der Email, zwei Weiterleitungsadressen auf eine Webseite und der Absender bieten erste Anhaltspunkte, dass es sich um Spam handeln könnte. Auffallend ist, die Email kommt von marita@kotzbox.de – sie ist aber an dieselbe Adresse geschickt worden. Offenbar hat jemand unter dieser Emailadresse eine Mailingliste mit vielen potenziellen, unschuldigen Opfern als Empfänger eingerichtet. Unter dem URL www.kotzbox.de findet sich eine Plesk-Mitteilung, dass bislang keine Webseite eingerichtet wurde. Was bedeutet das in Bezug auf die Emailadresse? Nun, da man immer in dubio pro reo sagen sollte gibt es zwei Möglichkeiten, sonst wäre wahrscheinlich nur eine anzunehmen. Entweder ist der Administrator von kotzbox.de ein Opfer, und sein Mailserver wird wegen einer Sicherheitslücke fremdgesteuert. Oder aber, der Administrator der Webseite hat auf jeden Fall etwas mit dieser Sache zu tun.
Der Administrator kommt aus München und ist gar Inhaber einer Internetfirma. Ihm ging eine Email zu mit der Bitte um Stellungnahme, warum von einer Emailadresse einer von ihm registrierten Domain Erotikspam verschickt werden würde.
Die Weiterleitungsdomains
lo.to und scriptbase.de mussten für den Webauftritt herhalten, den Marita uns präsentieren möchte. Unter http://www.lo.to wird man mit Google Adsense und sogar mit Layerads begrüßt. Ich hätte indes spontan keinen deutschen Webauftritt dahinter vermutet – so kann man sich irren. http://www.scriptbase.de kommt mit Bannern daher, und ist durchaus mit einigen Affiliate-Links ausgerüstet. Im Impressum der Seite wird man dennoch darüber informiert, dass es sich um eine “rein private” Seite ohne gewerbliche Absichten handele. Ein wenig skuril muten derlei semiprofessionelle Webauftritte ja immer auch an, doch bin ich der Auffassung, dass sie den Erotikspammern lediglich als Trittbrett dienen und die Betreiber von lo.to und scriptbase.de nicht weiter involviert sind.
Die Webseite
Wenn wir auf eine der beiden Weiterleitungsadressen klicken, gelangen wir auf eine Webseite nach Schema F. Viele der Erotikspammer sind wenig begabt im Gestalten von Webseiten. Drei Buttons, die eine Navigation erlauben: Marita, Du, Ich. Auf jeder der drei Seiten ein Foto eines australischen Nacktmodels. Marita ist also nicht Marita. Im Hintergrund hängt ein Papier mit englischen Notizen. Marita trägt eine Kette mit einem R um den Hals. Neben dem Foto findet sich jeweils ein kleiner Text, der anregen soll, damit man am Ende auf der dritten Seite, bereit ist, via Webformular eine Kurznachricht zu verschicken. Außerdem findet sich auf der Seite noch ein Werbebanner im Skyscraperformat. Es handelt sich dabei um ein Affiliate-Banner, das uns noch beschäftigen wird. Im Firefox öffne ich die Webseiteninformationen und kann über die einzelnen Register durchaus interessante Zusatzinformationen ergattern.

Screenshot Webseiteninformationen (Formularregister)
Während ich mit der Software Paparazzi von dem URL marita.lo.to keinen vernünftigen Screenshot erstellen kann, lässt sich das mit der Webseite auf der die Bilder von Marita gespeichert sind tun. http://www.axde.de/marita/ bietet Zugriff auf dieselben Informationen.

Screenshot von Maritas Seite auf axde.de
Auf www.axde.de finden wir als Startseite lediglich ein Impressum und AGB von einer Limited, für die ein Herr aus Bremen zuständig ist, die ihren Sitz aber eigentlich in Hampshire hat. Laut Angaben der Denic ist die besagte Person auch diejenige, die als Administrator für die Seiten zuständig ist. Die Adressdaten auf axde.de und diejenigen der Denic stimmen indes nicht überein. Laut Routenplaner trennen beide Standorte nur 3,8 Kilometer, zudem sind beide Orte über eine zentral gelegene, große, zweispurige Straße miteinander verbunden.
Strato ist indes als Webhoster angegeben. Würde mich interessieren, wie Strato reagiert, wenn man sie darüber informiert, dass von deren Kunden Erotikspam betrieben wird – eine Email hat den Stratoservice jedenfalls erreicht.
Der arme Affiliate?
Auf der Webseite wird ein Affiliatebanner benutzt, das ein Erotikangebot bewirbt. Für etwaige Opfer eine Klickfalle? Kann man in so einer Sache überhaupt moralisch argumentieren? Was sagt der Betreiber des Affiliateprogramms ADCELL dazu, dass einer seiner Kunden Erotikspam vertreibt? Den Betreiber des Affiliate-Programms ADCELL kann man indes ebenfalls nicht als Verursacher erkennen. Er dient lediglich als Kanal, um Geld zu verdienen. Eine Bitte um Stellungnahme und eine Frage, ob die entsprechende Person, die das Affiliateprogramm nutzt, identisch mit dem Betreiber von axde.de ist, ging via Email an ADCELL.
Die DU-Seite
Klickt der Leser sich durch bis zur DU-Seite, findet er dort ein Webformular, das auf SMS-Chat.de verweist. Dazu später mehr. Es finden sich allerdings noch zwei weitere Links hinter den Worten Fotoalbum und KONTAKT versteckt. Hinter dem Fotoalbum-Link versteckt sich ein Link auf ein Abrechnungsformular von Aconti. Das Schweizer Unternehmen bietet Abrechnungsservices für verschiedene Webinhalte an. Acontis Rolle ist ebenfalls die des missbrauchten Opfers. Einzig könnte man sich fragen, ob der Anbieter sich nicht in der Pflicht sieht, die Dinge zu überprüfen, für die sie ihren Service anbieten. Ein Hinweis auf das Treiben schadet demnach nicht. Wer weiß, wie Aconti dazu steht?!

Screenshot des Aconti-Abrechnungsdialogs
Die DU-Seite hat jedoch nicht nur einen Link auf ein Fotoalbum, sondern auch auf ein Angebot von 777livecams.com. Der angezeigte URL in der Browserzeile – wenn man auf den Link klickt – führt jedoch auf kein Profil. Eher ist zu vermuten, dass es sich hierbei ebenfalls um einen Affiliate-Link handelt (http://www.777livecams.com/?id=A76332&l=bluesky). 777live kommt übrigens aus den Niederlanden. Ich schätze, dass auch 777live nur von J. T. benutzt wird, um seinen Geldbeutel zu füllen. Denn eine, bzw. die Marita gibt es auf 777livecams.com nicht. Nach eine provisorischen Anmeldung dort liefert die Suche nach Marita lediglich zwei Ergebnisse, die nicht passen. Die beiden Damen sind über dreißig und über vierzig. Passt nicht zu den süßen 22, die Marita angeblich alt ist. 272 Suchergebnisse für den Fall “weiblich” und “22″ Jahre jung. Marita (eventuell unter einem Synonym)? Fehlanzeige. Die Suche nach dem Stichwort “bluesky” bleibt ergebnislos. Keine Marita weit und breit. Mag aber auch daran liegen, dass es Marita gar nicht gibt, sondern hier Fotos von einem australischen Nacktmodel missbraucht wurden, um Leute hereinzulegen?! Drei unterschiedliche Einnahmequellen haben wir bis hierhin ja bereits entdeckt: Das Erotikbanner aus dem Affiliateprogramm von ADCELL, das dubiose Fotoalbum, für das man 9,99 Euro zahlen muss, damit man zwei Tage lang Zugriff darauf erhält und den Affiliatelink auf die Livecam-Community.
SMS-Chat (nicht) involviert?!
Auf der DU-Seite, also der letzten, auf der Marita sich vorstellt, ist ebenfalls ein Webformular eingebunden, in dem man seine Mobiltelefonnummer angeben kann, wenn man mit Marita Kontakt via SMS aufnehmen möchte. Das Webformular, und das zeigen die Webseiteninformationen, verweist auf Sms-chat.de. Der Betreiber von SMS-Chat erscheint in den Suchergebnissen im Netz als integrer Geschäftsmann. Indes sind die AGBs von SMS-Chat bereits als ethisch unsauber zu bezeichnen. Unter Punkt 7 heißt es: “Der Teilnehmer erkennt an, dass sich im System Männer als Frauen und Frauen als Männer ausgeben können.” Punkt 8 besagt, dass der Teilnehmer anerkennt, “dass alle Teilnehmer unter mehreren Identitäten das System nutzen können.” So weit, so gut. Denn für den Schindluder, den die Teilnehmer selbst erzeugen, muss SMS-Chat nicht den schwarzen Peter zugeschoben bekommen. Doch unter Punkt 9 heißt es: “Punkte 7 und 8 gelten auch für Teilnehmer, die von der CG Business GmbH zu Ihrer Unterhaltung gestellt und bezahlt werden.” Das System bezahlt also Leute dafür, dass sie andere unterhalten (an der Nase herum führen?). Deutlicher wird da nur noch Punkt 13: “In diesem Chat setzt die CG Business GmbH Betreuer/innen ein, die unter mehreren Identitäten Dialoge führen können. Im System sind diese nicht besonders gekennzeichnet. Ein Dialogpartner kann also ein/e Betreuer/in sein, der sich unter anderen Identität im System befinden kann.”
Starker Tobak, oder? Derlei AGB sind aber bei solchen Diensten der Status Quo. Das alleine ist vielleicht verwerflich, bringt aber den Betreiber der Seiten noch lange nicht in Verbindung mit dem Erotikspam. Es gibt einige Maritas auf SMS-Chat, sogar eine, die 22 Jahre jung ist. Indes passt ihr Profilbild nicht zu der von uns gesuchten. Wo also steckt Marita? Ob uns der Inhaber von axde.de das erklären kann, oder will? Auch er hat, ebenso wie der Betreiber von sms-chat.de die Möglichkeit zur Stellungnahme erhalten.
Und wie ist deine Meinung?
Hab deinen Beitrag zu Marita gelesen!Sind sehr wertvolle Informationen! Zur Aufklärung wegens dem Absender würde ich dich gerne mal in den Thread:
http://wbb.provus.de/thread.php?sid=b83eafd5d7bcc583f87ca84e6d2cce75&postid=4539#post4539
einladen zumindest mal zu lesen! Ich kenne den Schwachmaten,der das verzappt,ist ein Drecksack,der das schon jahrelang betreibt und mich ständig zuspammt!
MfG Holger