[Trigami-Review] – Wir schreiben die Zeit, da die klassische Form von Printanzeigen und Fernsehspots nicht mehr als einzig gangbarer Weg zur Werbung und Vermarktung angesehen werden kann. Werbung wird aktiv und sucht sich seine Kanäle. Nun hat sich die smaboo GmbH aus der Schweiz der Vermarktung von Werbefläche verschrieben, und zwar (derzeit) von Werbefläche auf den Habseligkeiten von Hinz und Kunz.
Laptopwerbung, die dokumentiert werden muss
Die ersten Kampagnen von smaboo erlauben es, den eigenen Notebook zum Werbeträger umzufunktionieren. Einfach die Werbefolie, die via Umschlag ins Haus flattert auf den Desktopdeckel geklebt, ins nächste Café oder an die Hochschule gesetzt und (derzeit) ein kleines Taschengeld dazu verdient.
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Eine Kampagne von debitel, die über drei Monate lief, brachte den TeilnehmerInnen 75 Euronen ein. Natürlich muss das ganze auch dokumentiert werden via Fotoapparat. Die Bilder müssen, meist zu Beginn, am Ende und während der Aktion (im Zweiwochenrhytmus) als Legitimation an smaboo geschickt werden. Die Auszahlung erfolgt via Paypal oder eine anzugebende Bankverbindung.
Wer hat den Längeren (bietet das beste Umfeld)?
Nicht ganz unwichtig zur Vermarktung sind Zusatzinformationen über die jeweiligen wandelnden Litfasssäulen. So hat man die Möglichkeit im smaboo-Profil seine StudiVZ-Profilseite ebenso zu verlinken wie das Pendant auf Xing. Für Werbekunden sind diese Informationen mitunter hilfreich, zu entscheiden, ob ihre Kampagne von Person X gemeistert werden kann. Selbstredend sind das keine Pflichtangaben, doch Akteure, die über einen großen Freundeskreis bei StudiVZ verfügen, werden – so meine nicht ganz unrealistische Einschätzung – für Werbekunden attraktiver sein. Wir fühlen uns erinnert an ein Wort, dass im Kontext des Webs eine neue Bedeutung bekam: Schwanzvergleich.
Augenblicklich ist smaboo dabei, Kampagnen zu verwirklichen, bei denen die Nutzer ihren Laptopdeckel als Werbefläche vermarkten. Doch smaboo will mehr: “smaboo ist eine Online-Plattform, auf der Personen ihr direktes Umfeld vermarkten [...]. Unsere Mitglieder transportieren nicht nur klassische Werbebotschaften, sondern repräsentieren auch Marken oder Produkte in der Zielgruppe – ‘Embedded Branding’ eben bzw. ‘Werbung mit der Zielgruppe in der Zielgruppe’” (smaboo). Ein paar Zahlen gefällig? Ein Blogeintrag dokumentiert das erst kurze Geschäft von smaboo.
Invitation-only – nur auf Einladung
Über 1000 Nutzer sind bereits angemeldet (vgl. smaboo-Blog) – ein harter Kern, der im Augenblick stetig und nicht rasant weiterwachsen soll. Man möchte Nutzern und Werbern die Möglichkeit bieten, das Potenzial auszuschöpfen. Derzeit ist smaboo noch “invitation-only”, d. h. man kann nur dorthin eingeladen werden. Ich selbst bin als agent akkreditiert und habe 10 Einladungscodes erhalten, von denen ich bereits zwei an die Männer gebracht habe. Vincent Vallo und der Stoibär wollten mitmachen und sind nun dabei. Die Zielgruppe von smaboo ist derzeit ebenfalls limitiert auf Studenten und Studentinnen, die willig sind, ihre elektronischen Notizbücher zu bekleben.
Werbung, aber wie?!
Ich teile die Kritik von Selbständig im Netz nicht, dass diese Art von Werbung einen Überraschungseffekt benötigt und nicht zu häufig vorkommen muss. Ich glaube eher, dass das Gegenteil der Fall ist. Je mehr Laptops mit derselben Werbung in der Gegend herumstehen, desto augenfälliger die Kampagne. Schwierig auch der Gedanke, smaboo im Bereich von b2b einzusetzen, Konferenzteilnehmer dazu zu bewegen. Schlipsträger sind sich wahrscheinlich eher zu schade, für andere Schau zu laufen, noch dazu sie wahrscheinlich mehr als genug Geld verdienen, als dass der Aufwand mit Fotolegitimation sich für sie lohnen würde. Auf aktuellen Meetings von z. B. Daimler Chrysler ist den Konferenzteilnehmern untersagt Mobiltelefone mit eingebauter Kamera in den Sitzungssaal mitzunehmen. Zu groß die Angst, es könnte etwas an die Außenwelt dringen, das nicht nach außen dringen soll. Telefone werden also vor dem Eintritt einkassiert und können hinterher wieder abgeholt werden. Weiter Beiträge aus der Blogosphäre zu smaboo finden sich bei wasdassoll und rene-ade.
smaboos Ergonomie
Wesentliche Kritik wird es an dieser Stelle nicht geben, da im Prinzip wenig gegen das Konzept, wie es bislang betrieben wird, eingewandt werden kann. Von mir zumindest nicht. Ich kann mich damit anfreunden, wenn Leute gerne ihr Umfeld vermarkten möchten. Es gibt Häuserwände, die von Eigentümern für Werbung vermietet werden. Mancher fährt dort draußen mit einem Voiture herum, das eindeutig eine Marke bewirbt (ein Mobilfunker oder ein Alcopop-Hersteller dürften derzeit relevanter Beispiele darstellen); entweder man identifiziert sich mit derlei werberelevanter Prostitution, oder eben nicht. Ich könnte mir vorstellen, dass smaboo demnächst auch T-Shirts drucken lässt, die wir zur gegebener Zeit zur Schau stellen.
Wenn es etwas zu kritisieren gibt, dann die Bedienung der Webseite, allerdings nur in Maßen. Ich habe kein allzugroßes Display auf meinem 13 Zoll Macbook. Die Untermenüs zur Navigation fallen darauf mitunter recht klein aus, obgleich meine Bildschirmaufflösung sich nicht in astronomischen Höhen befindet. Ansonsten ist die Seite nicht überfrachtet mit Informationen. Bei der Erstellung des persönlichen Profils fehlt mir als Student mein eigener Studiengang. Ich studiere Sprachwissenschaft, Literaturgeschichte und Soziologie. Allerdings finde ich allerhöchsten Soziale Arbeit vor. Von Germanistik oder anderen Sprachen ist in der Auswahlliste wenig zu finden. Zumal mir der Kanon an Studiengängen auch recht “schweiz”lastig vorkommt. Einige der Bezeichnungen für Studiengänge habe ich noch eher selten gehört. Schön wäre, wenn der Nutzer zumindest eine eigene Alternative eintragen könnte, anstatt sich überhaupt nicht in der Liste wiederzufinden. Überlegen könnten die Schweizer sich ebenso, ob es sinnvoll ist, Bewerbungen für Kampagnen nicht mittels Formularen in der Webseite selbst zu realisieren, wie dies beispielsweise bei Trigami geschieht.
Kampagne ist nicht gleich Kampagne
Einen Vorschlag zur Güte würde ich außerdem anbringen wollen. Nutzt das Potential aus und kreiert passende Werbekampagnen mit den Werbern zusammen. Wer seinen Laptopdeckel schon zur Verfügung stellt, der tut das umso lieber, je schicker die Folie sich anmutet. Natürlich stürzen sich auch viele Fliegen auf Mist, um mal ein wenig metaphorisch zu tönen
, doch würde mir selbst eine lustige oder attraktive Folie wesentlich besser gefallen, als beispielsweise ein 0815-Aufkleber. smaboo hat bislang drei Kampagnen durchgeführt, bzw. läuft die letzte noch. Ein Beispiel, wie man als Werber nicht auftreten sollte ist Hitflip. Meines Erachtens ist diese Kampagne wenig kreativ, und ein Laptopdeckel wird mit so einer Folie nicht glücklich. Wie bei so vielem sind aber ja Geschmäcker durchaus verschieden.
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