Weblogs für Künstler – zwischen Aktualität und der eigentlichen Bestimmung?!
Im Web kursiert eine Art Schimpfwort für Weblogs – man nennt sie auch Online-Tagebücher. Diejenigen, die sie derart verfassen, können diese Abwertung in der Regel nicht nachvollziehen. Der Medientheoretiker Lev Manovich behauptet, dass der Computer das Medium der Erinnerung sei. Im Gegensatz beispielsweise zum Film, der das Medium des Sehens sei. Der Computer, mit seinen diversen Möglichkeiten zur Speicherung, erlaubt uns das Erinnern.
Warum also machen wir nicht Gebrauch davon und erinnern uns – und lassen Weblogs (oder noch besser CMS) einen Teil dazu beitragen. Wir speichern Metainformationen en masse. Ich bin der Meinung, das Web bietet auch den Künstlern dieser Welt eine Möglichkeit sich zeitgemäß zu verwirklichen. In einer Diskussion mit Geert Lovink hat Manovich die Kritik geäußert, dass zeitgenössische Künstler keine “eigene” Art hätten, sich auszudrücken und auf die Welt zu reagieren.
Wenn man annimmt, dass wir in einer Zeit leben, in der wir eigentlich genug Fragen gestellt haben, und die Leute auf der Suche nach Lösungen sind, was hindert uns daran, die Lösungen anzugeben? Literatur und Kunst im Allgemeinen hat immer versucht, etwas Besonderes zu sein. Das Verstehen von Kunst und der Genuss ist nur möglich, wenn man über genug kulturelles Kapital (gespeichertes Wissen) verfügt, um es zu interpretieren und zu genießen. Was hindert den Künstler daran, sich zu erklären? Anstatt zu verheimlichen? Ist nicht jetzt der Zeitpunkt gekommen, an dem man gerade dadurch besonders werden kann?
Ich bin einerseits der Meinung, dass Weblogs oder CMS das Medium der Wahl darstellen, für Künstler, sich im Web zu erklären. Zum anderen finde ich es an der Zeit, dass Künstler ihre Kunst erläutern. Warum soll man immer nur aus fremder Feder, post mortem (also nach dem Tod) darüber lesen, was ein Dichter/Maler/Bildhauer/etc. pp sich gedacht hat? – Am Ende stimmt es dann doch nicht. Warum nicht schon zu Lebzeiten in Erfahrung bringen dürfen, warum und wieso ein Werk entstand? Gerade auch weil der Common Sense erodiert, ist es für die Rezeption von Kunst besonders hilfreich, wenn sie erläutert wird. Es gibt viele Aspekte, die darüber hinaus noch interessant sein können, doch stellen wir uns nur ein Mal vor, dass ein Beitrag eines Künstlers nicht nur sein Werk ist, sondern auch ein Beitrag im Netz, der durch Wegweiser (Links) zu Musik, Literatur, etc. pp. erweitert wird, die sein Tun beeinflusst haben.
Ich wäre übrigens sehr dankbar dafür, wenn meine Leser Weblogs oder Internetauftritte von Künstlern kennen, und diese hier im Kommentarbereich hinterließen. Dabei meine ich nicht kommerzielle Webauftritte von Autoren oder Rockbands, auf denen das einzig Interaktive der Bestelllink zu Amazon darstellt. Ich meine Webseiten, die über das Werk und das Leben von “lebenden” Künstlern informieren und ein Eintauchen in die Welt des Künstlers ermöglichen.
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