1. March 2008

Ray Kurzweil: vom langen Leben zum ewigen Leben

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Wenn es nach Ray(mond) Kurzweil (vgl. Wikipedia) geht, dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis wir ewig leben werden. Vorbei sein können dann all die Bemühungen, sich ein “workaround” für den Tod auszudenken. Vorbei die Zeit(en), in denen wir Religion, die Vorstellung von der Wiedergeburt oder metaphysische Deutungshorizonte benötigten.

Ray Kurzweil kannte ich bis vor kurzem überhaupt nicht. Dann bemerkte ich einen Verweis in einem medientheoretisch-ästhetischen Aufsatz von Lev Manovich über diese zeitgenössische Person und informierte mich. Ray Kurzweil schien interessant genug, um ihn auf eine Liste von Leuten zu setzen, denen meine Neugier sich gerne noch ausgiebiger widmen wollen würde. Und als käme der Zufall ins Spiel, gab es im Feuilleton der FAZ ein Interview mit Kurzweil um Leben und Tod. ;)
Kurzweil ist dafür bekannt, Prophet zu sein. Nun, damit ist er nicht alleine auf dieser Welt. Es gibt sie, diese Personen, die mit einem Gemisch aus Wissen, Phantasie und Empathie einen prognostischen Blick in die Zukunft wagen können, ohne sich sicher sein zu können, ob das, was sie von sich geben auch eintreffen wird. Der Romancier Jules Vernes war zweifelsohne auch so ein Mensch, dessen Ideen von Science-Fiction und Gesellschaftsszenarien immer mal wieder zur Realisation gekommen sind. Kurzweil ist in meinen Augen eine Art Reinkarnation Vernes, und drum erstaunen mich seine Aussagen im FAZ-Interview nicht im Geringsten. Einzig schreibt Kurzweil Sachbücher und keine Belletristik, doch dürfte sein geistiger Horizont ähnlich divers sein wie derjenige Vernes’.
Wie Rivva zeigt, haben den Beitrag im Feuilleton durchaus einige Mitglieder der Blogosphäre wahrgenommen, allerdings hat kaum jemand sich wirklich dazu geäußert. Prognosen sind, auch im akademischen Feld selbst, umstritten. Mathematische Modelle können das empirische Leben nur bedingt vorhersagen. Zu komplex die vielen Variablen. Unter sich nicht verändernden Umgebungsbedingungen ist es durchaus realistisch, das Eintreffen einer Prognose zu akzeptieren, wenn diese auf Modellen beruht, die sich bewährt haben. In jeder Sekunde allerdings verändern sich die Rahmenbedingungen unserer Gesellschaft. Kurzweil ist dennoch überzeugt, und natürlich geben ihm vergangene Prognosen in Teilen Recht, dass es so kommen wird (kann?), wie er und seine Forschungsgruppe es analysiert(en).

2045, so Kurzweil, wird die künstliche Intelligenz die menschliche überholt haben (vgl. Interview). Er hat seine eigenen Krankheiten und seinen Gesundheitszustand nicht herkömmlich betrachtet, sondern als Wissenschaftler und Ingenieur. Kurzweil gibt an, mit der Umstellung seines Lebensstils und mit Nahrungsergänzungsmitteln seine Diabetes Typ II in den Griff bekommen zu haben, er sei symptomfrei. Wenn ihm das Leben nichts einstens noch ein Schnippchen schlagen wird, könnte Kurzweil tatsächlich weiterhin mit einer gewissen stoischen Naivität in die Zukunft blicken. Man muss einen gewissen Grad an Stoizität mitbringen, wenn man Ideen aussitzen möchte – Ruhe, Geduld, sich nicht vom Weg abbringen lassen.

Es ist die Frage, wie ich finde, ob wir überhaupt ewig leben wollen und ob wir erleben möchten, wie wir von der künstlichen Intelligenz versklavt werden. Kurzweil (ver)folgt mit seiner Prognose den Faden spezifischer Utopien, wie sie in Filmen wie Judge Dredd beispielsweise auf der Kinoleinwand um Akzeptanz bei den Akteuren buhlen. Vielleicht ist es am Ende tatsächlich nicht die Frage, ob eine Prognose eintrifft, sondern lediglich, ob man eine Utopie tatsächlich wie eine Religion interpretieren muss, und sie am Ende zu einer Selffulfilling Prophecy werden. Wenn nur genügend Kräfte an der Idee der Utopie glauben und daran arbeiten, ist es wahrscheinlich(er), dass diese sich eines Tages realisiert, oder?!

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Kategorie Media, Science · Autor Alexander Trust · 4 Kommentare


4 Kommentare

  1. Pingback von Willst du denn ewig leben? | A GRIM DRAFT
    March 1, 2008 · 5:55 pm

    [...] Probleme kämen zwar auf uns zu… Doch ich habe nur dieses eine Leben ~ Ray Kurzweil: vom langen Leben zum ewigen Leben ~ Werden wir ewig leben, Mister Kurzweil? Saturday, March 1, 2008 | at 5:55 [...]

  2. Pingback von Was, wenn wir uns an die Simulation gewöhnen?! - Sajonara.de - Internetmagazin
    March 5, 2008 · 3:15 pm

    [...] selbst erfüllen können, weil wir so viel Energie darauf verwenden, sie eintreten zu lassen (vgl. dazu auch diesen Artikel). Vieles in unserer Welt ist eine Frage des Glaubens und der Gewöhnung, auch weit weg von Sphären [...]

  3. Pingback von DER MISANTHROP » Blog Archiv » Werden wir ewig leben?
    March 18, 2008 · 11:08 pm

    [...] Probleme kämen zwar auf uns zu… Doch ich habe nur dieses eine Leben ~ Ray Kurzweil: vom langen Leben zum ewigen Leben ~ Werden wir ewig leben, Mister Kurzweil? « Pandoras Büchse [...]

  4. Pingback von ars libertatis - über die kunst, frei zu sein » Blog Archiv » Werden wir ewig leben?
    December 11, 2008 · 6:10 pm

    [...] Probleme kämen zwar auf uns zu… Doch ich habe nur dieses eine Leben ~ Ray Kurzweil: vom langen Leben zum ewigen Leben ~ Werden wir ewig leben, Mister Kurzweil? « Statt Impfungen nun EpidemienWikipedia vs. [...]

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