Review – oder die professionalisierte Form persönlicher Meinung

Veröffentlicht am   9. April 2008 von  

In der Wissenschaft wird oft ein Aufwand betrieben, dem Normalverbraucher zu suggerieren, dass dort sehr viel Expertise vorhanden ist. Was hätte die Akademik sonst? Übertrieben ist diese Ansicht natürlich, wenn man bedenkt, dass der Vorsprung durch Wissen genau das Machtmonopol ist, das das Bürgertum dazu befähigte, den Adel abzulösen. Allerdings musste dazu eine Atmosphäre entstehen, die Wissen und Information glaubwürdig den Vorzug gegenüber anderen Einflüssen gab.

Wir vertrauen heute auf Gott und die Welt. Journalisten schreiben und wir bezahlen sie dafür. Im Prinzip ist das nur das Delegieren von Arbeit. Denn immerhin könnten wir selbst uns einem Thema, das uns interessiert widmen und uns ein Bild davon machen, ganz generell betrachtet. Und wir könnten theoretisch auch Computer- oder Videospiele testen, Kinofilme, DVDs, Reisen, Haushaltswaren… – theoretisch. Praktisch können wir nicht überall zur gleichen Zeit sein und wollen unsere Zeit vielleicht für andere Dinge aufwenden.

Und es gibt sie doch…

Seit der Einführung von so genannten Verbraucherwebsites/-portalen im Netz hat sich allerdings gezeigt, dass es durchaus eine Menge unter uns gibt, die bereit sind, ihre Meinung zu Dingen in Worte zu fassen. CIAO ist eines der ersten Verbraucherportale im deutschsprachigen Raum gewesen. Damals hat man neuen Mitgliedern für jeden Review, den Hinz und Kunz schrieben Geld geboten. Und noch heute gibt es bei CIAO ein Credit-System. Mitglider sammeln Bonuspunkte. Besonders aktive Mitglieder heimsen besonders viele Bonuspunkte ein.

CIAO hat damals, Mitte der 90er Jahre etwas getan, was StudiVZ 10 Jahre später tat, ein Konzept aus Amerika kopiert. Viel wichtiger aber ist, dass das Konzept der von Nutzern geschriebenen Reviews durchaus auf Akzeptanz gestoßen ist. Und seit geraumer Zeit können die persönlichen Testberichte sogar bewertet werden. Denn: Man soll es kaum glauben, es wird viel Müll getippt.

Journalist vs. Privatmann

Unterscheidet denn das den Journalisten vom Privatmann? Dass der eine Müll schreibt, und der andere auf jeden Fall einen fundierten Testbericht abliefert, der jedem Kunden alle Zweifel austreiben kann? Mit Sicherheit nicht. Es gibt unheimlich viele Presseorgane, mittlerweile sogar solche, die nur online aktiv sind, die sich dem Testen und Bewerten verschrieben haben, und mitunter kommen durchaus unterschiedliche Bewertungen dabei heraus. Geschmäcker sind eben verschieden, und so nützt es also nichts, blindlings auf einen Testbericht zu vertrauen. Aber kann man dann nicht vollständig auf die journalistische Expertise in manchen Bereichen verzichten und sich lediglich auf die Erfahrungswerte von Gleichgesinnten beziehen? Ich denke, es liegt an jedem selbst.

Wer hat den Längsten…

Manche Redaktion einer Videospielzeitschrift rühmt sich damit, wunderbares Test-Equipment zu besitzen, von Dolby Digital-Receivern über Full-HD-Fernseher mit bester Bildqualität, usf. Von wissenschaftlicher Warte aus gesehen, würden die Ergebnisse eines solchen Testberichts für die Katz sein. Warum? Nun, in der Akademik heißt es, dass Ergebnisse reproduzierbar sein müssen. Und welcher Otto Normal hat schon unheimlich teure Gerätschaften daheim, die alleine schon aus diesem Grund noch ein ganz anderes Spielerlebnis ermöglichen.

Wer kann am schnellsten…

Journalisten haben allerdings einen Vorteil gegenüber Privatleuten. Ihre Institution ist organisiert und hat sich etabliert. Die Spielebranche vertraut auf den Multiplikator-Effekt des Urteils der Spieletester und verteilt eifrig und vor allem frühzeitig die Redaktionen von Spielezeitschriften mit Testexemplaren. Diesem Umstand können Privatverbraucher nur leise, still und heimlich Tribut zollen. Wir selbst können eine Ware erst immer dann testen, wenn wir sie auch kaufen. Stellen wir dann fest, dass sie uns nicht gefällt – tja, dann haben wir immer noch die Möglichkeit, sie wieder zu verkaufen. Es wäre aber blöd, wenn wir dann das Spiel entsprechend selber schlecht bewerteten, weil es sonst wohl niemand mehr kaufen würde.

Wieviel sind persönliche Testberichte also Wert? Und wem bringen Sie etwas? Und vor allem, was bringen Sie uns, im Gegensatz zu professionellen Reviews aus den Redaktionen der schreibenden Zunft?

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