14. April 2008

Hochschulen, die in Aktionismus geraten

Eigentlich geht es nur um eine Hochschule – meine eigene. Allerdings kann ich mir gut vorstellen, dass es überall ähnliche Fälle gibt. Ich studiere an der RWTH, und einige dürften mitbekommen haben, dass die RWTH zumindest in einen Exzellenz-Cluster gewählt wurde und somit finanzielle Untersützung in Millionenhöhe erhält.

Studenten erleben den Aufschwung

Nun, zumindest können wir einiges von den finanziellen Hilfen im wahrsten Sinne des Wortes vor Augen geführt bekommen. Die RWTH hat gebaut. Das hat sie wohl vorher schon, und einige der Investitionen stammen von fremden Stiftern – das Geld für manche Renovierung indes stammt aus den Fördermitteln. Ich bin mit Sicherheit kein Architekt und bestimmt werden sich manche Leute etwas dabei gedacht haben, wenn viele der neuen Gebäude und manches alte in neuem “Glas”-Glanz erstrahlen. Ich werde mich bemühen auch Bildmaterial nachzureichen.

Es gibt also neue Uni-Einrichtungen, die ihren Platz finden in niegel nagel neuen Glastempeln. Kein Betonbau, sondern Glas. Ich könnte mir vorstellen, dass das rein energietechnisch durchaus Vorteile haben kann. Aber mit Sicherheit nicht nur. Die Sonneneinstrahlung im Sommer wird Mechanismen nötig machen, die dafür Sorge tragen, Vorträge mit Beamern auch in lichtbestrahlten Räumen ansehen zu können. Wie schaut’s mit Fensterputzen aus? Hat darüber schon mal jemand nachgedacht? Glas wird durchaus schneller schmutzig. So viel Glas, wie wir in nächster Zeit an der RWTH zu erwarten haben und schon bestaunen können – ich bin gespannt, ob man da die “laufenden” Kosten mit eingeplant hat. Mag sein, dass Glas schön ausschaut… Wenn hier aber nur Designer ihre Utopien verwirklichen wollten, nun dann geht das bestimmt nicht auf Dauer gut. Zumal eines der Gebäude, bereits in der ersten Woche nach Fertigstellung und Eröffnung einen Glasschaden vorzuweisen hatte.

Dinge, die dafür liegen bleiben und andere nicht vollendet werden

Das Behinderten-Referat an der RWTH haust hingegen noch in einem nicht ganz so modernen Gebäude. Und der absurde Zynismus dabei ist, dass Rollstuhlfahrer das Gebäude nicht erreichen können. Spontane Einkehr beim Behindertenreferat ist so nicht möglich. Ohne vorherige Anmeldung geht gar nichts. Mag sein, dass sich da auch was tut, aber das ist mein Stand der Dinge, und der kann natürlich auch schon wieder veraltet sein. Und ebenso veraltet sind die Öffnungszeiten der angegliederten Institutsbibliotheken. Warum? Nun, weil die Hochschule dank eines Geldtopfs am Ende des akademischen Regenbogens in Aktionismus verfällt. Nicht die Ladenschlusszeiten werden verlängert, aber immerhin die Ausleihzeiten in den Hochschulbibliotheken.

Und weiter? Nun, zunächst werden die Öffnungszeiten ausgeweitet, dann werden neue Mitarbeiter eingestellt. Alles im letzten Semester geschehen. Und weiter? Nun, dann werden Verträge von Mitarbeitern auslaufen gelassen und nicht verlängert. Und weiter? Nun, dann werden die Öffnungszeiten mancher Institutsbibliotheken wie die der Romanistik wieder nach unten korrigiert. Warum? Offenbar, weil zwar vorschnell Wege beschritten wurden, die  Mittel indes nicht dafür ausreichen. Soll noch mal eine sagen, dass das nichts mit Aktionismus zu tun hat. Man fühlt sich daran erinnert, wie die Ressorts von Städten und Kommunen um Verkehrsbudgets streiten, nur um hinterher unsinnige Brücken halb aufzubauen, festzustellen, das kein Geld mehr da ist.

Ich lasse mich gerne korrigieren, aber ich zweifle zumindest ein bisschen viel, dass solche Aktionen mit Nachhaltigkeit zu tun haben. Wichtig wäre es doch aber, die Ressource Bildung auf Langfristigkeit anzulegen und nicht aus einer Hochschule ein Designprojekt werden zu lassen, das dann hinterher wie einige Landesbanken vor die Wand läuft, weil man sich verspekuliert hat.

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Kategorie Glocal, Science · Autor Alexander Trust · Keine Kommentare


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