18. April 2008

Von “beforzugt” bis “garanty”

Ich habe in den letzten Wochen ja durchaus einige Ebay-Auktionen hier verlinkt, in der Regel als Negativbeispiele für Orthographie und Co. Von Legasthenikern habe ich geschrieben, und solchen, die es sein könnten. Heute dann ist mir wieder eine Auktion mit mehr als einer Handvoll Fehlern untergekommen. Allerdings scheint es so, dass der Pappkamerad durchaus in der Lage ist, seine gesprochenen Worte in einer Weise zu verschriftlichen, wie er eben denkt, dass geschrieben werden müsste.

So viele verschiedene Auktionen bei Ebay gibt es im Bereich der PC- und Videospiele-Kategorien, dass man als potenzieller Käufer, der sie “alle” in den Blick nimmt, durchaus die Überlegung anstellen könnte, welcher Schlag Mensch denn Computer- und Videospieler überhaupt sind? Man könnte Kriminologen wie dem Niedersachsen Dr. Pfeiffer, der sich immer wieder in die Debatte um Killerspiele einmischt, mit der Dokumentation von mehreren Zehntausenden Fällen bei Ebay ein Geschenk unterbreiten.

Hier hätte Pfeiffer noch mehr fadenscheinige, empirische Belege, die er willkürlich zu Argumenten zusammensetzen würde. Videospieler sind nicht gewalttätiger als andere und Videospieler sind vor allem nicht depperter als andere. Bleibt trotzdem das Phänomen zu erklären, warum gerade die Auktionen in diesem Bereich von derart viel  Distanz zur Verkehrssprache in der BRD, Deutsch, geprägt sind?! Die Verkäufer heißen Thomas, Michaela, Susanne, Timo, Dennis… aber auch Metin und Judranka. Und letztere stellen dann mitunter sogar noch die bessere Partie dar.

Ich oute mich jetzt einmal ganz krass – ich finde es voll cool Computer- und/oder Videospiele zu spielen und gleichzeitig eine gewisse Sehnsucht nach Bildung zu verspüren. Drum lasst uns alle ein wenig an der Schraube drehen und die Voraussetzungen entscheidend mit beeinflussen. Wir haben die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen, indem wir ein Stück von unserer Medienkompetenz tradieren. Ich bin mir ganz sicher, dass dann eine Welle auch in die Lager derjenigen Programmierer und Texter schwappen wird, die für die textuelle Gestaltung des Action-RPGs “Folklore” zuständig waren.

Die Übersetzungen sind zum Teil dermaßen weit weg von der Realität, dass sie nicht mehr komisch wirken können. Da kommt man sich bald vor wie in einem von Microsofts intrnen Whitepapers zur Lokalisation von Software – dort heißt es, dass man strikt “gedownloadet” zu übersetzen hat, weil es in MS-Programmen einheitlich zugehen soll, selbst wenn der Rest der bundesrepublikanischen Gesellschaft unwillkürlich lieber downgeloadet sagen würde. Wer wissen möchte, wie Microsoft noch weiteren Einfluss auf unsere Sprache nimmt, sollte sich solche Dokumente einmal genauer angucken – doch das nur nebenbei.

Wir waren gerade dabei, uns zu outen: Wir sind Videospieler mit Hang zum Intellekt. Wer sind wir? Nun, ich bitte um Handzeichen, wenn man euch auch kein X für ein U vormachen kann und ihr trotzdem Spaß am Daddeln habt und vielleicht sogar Kopfrechnen beherrscht. Eine Disziplin, die ganze Generationen von Auszubildenden mit bald schon obsessivem Instinkt lieber den Chef machen lassen.

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