Offen, heißt offen, heißt offen?!

Veröffentlicht am  19. Mai 2008 von  

Man könnte meinen, wenn man von einer Öffnung spricht, meint man auch eine Öffnung damit. In den Weiten des World Wide Web 2.0 hingegen bedeutet eine Öffnung manchmal auch eine Schließung. Da stellen Unternehmen sich hin und versprechen uns Portabilität unseres Sozialen Graphen, und am Ende entsteht nur so etwas wie ein Ring von miteinander in wirtschaftlicher Verbindung stehenden Unternehmen, die dem “Kunden” vielmehr nicht eine Öffnung bescheren, sondern einfach das Angebot vervielfachen.

Das Rennen um die Web 2.0-Krone ist in die nächste Runde gegangen. Gewinnen wird derjenige, der die attraktiveren Alternativen anzubieten hat. Open Social und “Connect” sind zwei Wege hin zum Ruhm. Dass es da Leute gibt, die sich auf eine der Seiten schlagen, ist nur normal. Wir fühlen uns erinnert an mediale Kriege wie den der HD-DVD gegen die bluray-Disc. Wir finden aber vor allem Analogien zum Pay-TV und zu Kaufzirkeln, die abgesteckt werden durch Payback- und anderen Karten.

Über Zweinull.cc erfuhren wir, dass Facebook sein eigenes Ding machen möchte, und sich eben nicht die Butter vom Web 2.0-Brot nehmen lassen möchte. “Connect” hat immerhin schon den Social Bookmarking Dienst “Digg” an Land gezogen, um damit auf Mobilitätsfang zu gehen. Open Social indes hat sehr viele Social Networking-Dienste auf seiner Seite versammelt, die eine enorme Streitmacht bilden, um die Ungläubigen zu bekehren und den Abtrünnigen den Garaus zu machen.

Dass Facebook sich außerdem Gedanken über Micropayment macht, zeigt, dass der Vergleich zu Anbietern wie Payback nicht hinkt. – Die Frage, auch wenn es um Geld geht, ist nicht, wer wirklich böse ist. Denn es gibt, wie oben bereits erwähnt, auf jeder Seite Fürsprecher. MySpace bietet Friend Connect an, Facebook schließt jedoch die Pforten für dieses System. Es gibt Leute, die das böse finden (Umair Haque z. B., engl.). Dass aber bislang noch jeder, der wirtschaftliche Interessen verfolgt, eine vollständige Öffnung als Verlust des eigenen Einflusses vermutet, ist ein offenes Geheimnis, seit es Unternehmertum gibt.

Die Zukunft wird zeigen, wer die attraktiveren Seilschaften hat. Und wir können uns bis dahin die Frage stellen, ob es überhaupt darauf ankommt? Bei bluray war es der Druck einiger oder doch nur eines Hollywood-Studios, der dafür gesorgt hat, den Datenträger zum Sieg zu führen. Was aber bieten uns Facebook, MySpace und Co.? Wenn wir sagen können, dass es nur eine Dienstleistung ist, ein Anliegen, eine Sache – wie auch immer wir es formulieren wollten -, könnten wir einen Vergleich zum Kampf zwischen den Datenträgern zulassen.

Wenn diese Analogie allerdings nicht zutrifft, dann ist es egal, was geschieht, und wir werden keinen Sieger sehen, sondern vielmehr nur eine Verfestigung des Web 2.0 zu einer  heterogenen Oberfläche von Social Networks, Dienstleistern und deren Partnern feststellen. Es wird dann kein Hahn danach krähen, und es wird Nutzer der einen Welt geben, und solche, die auf der anderen hausen. Es wird aber auch welche geben, die beide Seiten bereisen werden. Ganz so, wie es Premiere und DF1 gab, oder ganz so, wie manche Leute neben ihrer Payback-Karte auch Kundenkarten von anderen Seilschaftspartnern besitzen und einsetzen. Die Schritte, die jetzt unternommen werden, sind deshalb keineswegs böse, sondern nur Stellschrauben im ökonomischen Getue von Entrepreneuren.

Die Frage, die wir uns als gerne stellen sollten, ist die, womit wir es hier eigentlich zu tun haben? Was ist das Web 2.0 für uns? Ist es ein sozialer Datenträger? Ein mobiles Betriebssystem? Eine kontextbezogene Dienstleistung? Wenn wir das einmal klar gemacht haben, können wir leichter entscheiden, wohin der Weg gehen wird. Und bis dahin kann man meiner Meinung nach keine Konsequenzen aus den bisherigen Entwicklungen ziehen, allerhöchstens im Nebel stochern.

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