22. May 2008

Rotlicht VZ keine Grauzone

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Die Damen und Herren haben sich umbenannt. Warum, weiß keiner so genau. Immerhin sind sie nun schon eine Weile nicht mehr unter Rotlicht VZ bekannt sondern unter Rotlichtverzeichnis. Wir Deutschen ahnen, dass die trickreichen Nachbarn Ihre Namensumbenennung vorgenommen haben, um einem Streit mit Holtzbrinck aus dem Weg zu gehen – denn die wären mit Sicherheit eine Nummer zu groß für die Alpenrepublikaner, die harmlose Leute wie Ratten zum Speck locken wollen.

Es gibt schon eine Vielzahl von Leuten, die sich bemerkbar gemacht hat – Opfer, wenn man so will. Und doch: Rotlicht agiert(e) nicht immer nur in einer Grauzone. Wir alle, die wir keine Juristen sind, wollen und können und dürfen gar keine Rechtsberatung abgeben, jedenfalls hier in der Republik, sonst hagelt’s für uns Strafen, weil der Berufsstand sich angegangen fühlt. Ich selbst hatte Rotlicht auf den Zahn gefühlt und geschaut, wer sich dahinter verbirgt. Sehr zwielichtig insgesamt, das Dickicht, aus dem dieses Unternehmen irgendwie heraus agiert.

Ich möchte nicht den Spielverderber spielen, doch wenn ich mir einige Kommentare bei Stevie-O ansehe, dann gibt es dort Leute, die den Sachverhalt viel zu sehr auf die leichte Schulter nehmen. Wenn man unerwünscht Werbung kriegt und daraufhin in eine Art Kostenfalle getappt ist, dann wird man das ruhigen Gewissens zur Kenntnis geben können, selbst wenn man vereidigt würde und nicht lügen dürfte. Doch manche Kommentare lesen sich derart flappsig, dass man das Gefühl bekommt, manchen Leuten geht ein Unrechtsbewusstsein ab.

RotlichtVZ-ScreenshotUnwissenheit, so heißt schon ein Sprichwort, schützt vor Strafe nicht. Das gilt im Prinzip für uns alle. Wenn mancher dort zum Besten gibt, er habe wissentlich “die falsche Adresse” angegeben, dann sollte er den Webmaster darum bitten, den Kommentar zu löschen und direkt mit Google und anderen in Verbindung treten, um dieses eigene Zeugnis des Unrechts aus den Archiven des Web zu löschen. Wie naiv – tschuldigt für die harschen Worte – können manche Leute sein. Wenn die Steuerfahndung euch auf der Spur wäre, würdet ihr dann im Web freiwillig zum Besten geben, dass ihr eine Putzfrau “schwarz” anstellt?!

Was die AG hinter Rotlicht getan hat oder nicht – das rechtfertigt keineswegs die Erschleichung von Services unter falschem Namen. In Deutschland gibt es sogar einen Paragraphen im StGB, der das unter Strafe stellt, der sich “Computerbetrug” schimpft. Die haben ja nur meine IP, lese ich dort. Ich habe extra eine falsche Adresse angegeben, folgt stehenden Fußes. – Ob so ein Kommentar von jemandem kommt, der eine weiße Weste haben kann?!

Versteht mich nicht falsch, mir liegt fern, den Opfern eins Auszuwischen, weil sie darauf hereingefallen sind. Ich würde gerne dabei behilflich sein, Aufklärung zu betreiben. Wohlgemerkt nur diese. Wenn Rotlicht genug Muße hat, wird sie auch ordentliche Rechtsmittel einlegen und sich auf die Suche nach den Leuten begeben, die wissentlich den Service – auf Deutsch gesagt – “bescheißen” wollten. Erinnert sich noch jemand an die Zeit Ende der 90er Jahre? Erste Flatrates für Analog-Modems kamen in Mode. Aber die hatten es schwer auf dem Markt. In derselben Zeit sprossen Firmen aus dem Boden, die Internet by Call angeboten haben. Man konnte, wenn man wollte, sich mit falschen Adresse- und Bankdaten einwählen. Das haben auch viele Leute getan. Einzig hat das nicht rechtfertigt, dass sie sich einen kostenpflichtigen Service erschlichen haben. Hier wird der Paragraph wieder strapaziert, den ich oben bereits erwähnte.

Einige der Firmen, die immensen Schaden genommen und ihr operatives Geschäfts aufgeben mussten, haben nachträglich Gerichtsverfahren angestrengt, bzw. sind anwaltlich zum Teil auch gerichtlich dagegen vorgegangen. Vater Staat hat sich in diesem Fall ebenfalls eingeschaltet. Weil es sich nicht nur um eine Zivilsache, sondern eben auch um eine Strafsache handelt. Es kam damals durchaus vor, dass, wegen des hohen Bearbeitungsaufwands, manche Verfahren sich unnötig in die Länge gezogen haben. Wurde bspw. 1999 eine IP-Adresse geloggt, bekamen manche Computerbetrüger erst in 2001 Post von ihrer ansässigen Polizeidienststelle und wurden zur Vernehmung eingeladen. Die Strafsachen wurden in den meisten Fällen mit einem drohenden Fingerzeig der Staatsanwaltschaft beigelegt. Dabei blieb es dann bei einer Ermahnung oder eine Geldbuße wurde fällig – indes konnten sich viele glücklich schätzen, dass kein Eintrag in der Strafakte folgte.

Warum ich das hier aufs Tapet bringe? Nun, weil ich denke, dass ich manchen Leuten ins Gewissen reden möchte. Es ist eines, wenn Rotlicht (Beweise fehlen ja) Spammails verschickt und Leute übers Ohr gehauen haben könnte. Aber die Tatsache, dass es dort welche gibt, die einfach eine falsche Adresse angeben und trotzdem darauf aus waren/sind, irgendetwas mit Rotlicht anzufangen, zeigt, dass wir auf diesem Bereich nicht wirklich sensibilisiert sind. Wir haben kein Unrechtsbewusstsein dafür, dass wir eine falsche Identität vorspiegeln. Ich kann das nicht entscheiden, aber mein gesunder Menschenverstand sagt mir, dass man zum einen solche Dinge nicht gekonnt auf die leichte Schulter nehmen sollte. Zum anderen ist es naiv aber eventuell sogar gefährlich, derart damit im Netz rumzuprahlen, dass man eine falsche Adresse angegeben hat.

Ich bin gespannt und beobachte die Dinge weiterhin. Viele Nutzer haben bereits eine zweite Mahnung von Rotlicht erhalten und während eben manche sich übers Ohr gehauen fühlen, gibt es andere, die mit ihren Worten selbst dafür sorgen, dass man ihnen die Opferrolle nicht so ganz abnehmen mag.

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Kategorie Glocal, Media · Autor · 4 Kommentare


4 Kommentare

  1. Kommentar von Stevie-O
    May 23, 2008 · 5:20 pm

    Würden die Kosten bei der Anmeldung gut sichtbar (z.B. in großer Schrift neben dem Anmeldebutton und ohne die in manchen Browsern unleserliche Darstellung (siehe Screenshot)) angebracht sein, hätte sich mit Sicherheit so gut wie keiner dort angemeldet. Da dies (vermutlich bewusst) nicht gemacht wurde, sind Verträge mit der Firma nicht rechtsgültig, wenn man den vielen Quellen (u.a. Verbraucherschutz) im Internet glauben darf.

    Dass Leute falsche Adressangaben machen beruht meiner Meinung nach auf der Tatsache, dass viele ein gesundes Misstrauen gegenüber Seiten haben, die vollständige Adressangaben verlangen.

    Wer von den Kosten weiß und sich trotzdem anmeldet, ist scheinbar einen gültigen Vertrag eingegangen. Und wer dann noch falsche Adressangaben macht, macht sich deiner Aussage nach also wirklich strafbar (wobei die falschen Angaben nur ausfindig gemacht werden können, wenn die der IP-Adresse zugeordnete Adresse bekannt ist, wofür aber ein Staatsanwalt/Gericht nötig ist).

  2. Pingback von Rotlicht war gestern, Kontakte sind heute. | Sajonara.de - Internetmagazin
    June 30, 2008 · 2:48 pm

    [...] der Insolvenz geschoben haben, mögen die Leser sich erinnern. Stevie O und Sajonara (1, 2, 3) haben drüber berichtet. Glück für die Betroffenen im Falle RotlichtVZ, dass [...]

  3. Kommentar von raik
    June 22, 2009 · 4:34 pm

    Hallo!
    Soweit so gut! Leider hab ich mit dieser Firma nun doch handfeste Probleme: Ich bin auf die selbe Weise auf diese Falle geraten wie die meisten anderen, ich hab nie auf die Rechnungen und Mahnungen reagiert, wie empfohlen. Dann tauchten Schreiben von UNIVERSUM-Inkasso auf, ich weiter nicht regiert. Dann hab ich feststellen müssen, dass ich von denen nen negativen Schufa-Eintrag habe!! Und nun ist guter Rat teuer. Hab das bei der Schufa kritisiert, da kam die Antwort, die Inkassofirma halte an den Forderungen (Inzwischen rund 222 Euro) fest und die Voraussetzungen für die Eintragung lägen auch vor. Ich hab nie ne Schuldanerkenntnis gemacht noch hab ich nen Gerichtstitel oder Mahnbescheid bekommen! Und was nun???

    lg
    raik

  4. Kommentar von Alexander Trust
    June 22, 2009 · 5:18 pm

    Verbraucherzentrale in deiner Nähe. Zur Not einen Anwalt einschalten. Es kann sein, dass auch da dir die Verbraucherzentrale Rat gibt. Denn wenn du Recht hast, dann gibt es da ein gravierendes System-Problem bei der Schufa. Am Ende könnte jeder kommen und dir negative Einträge bescheren, oder aber irgendwo ist etwas schief gelaufen.

    Ich würde mir alle Mails ausdrucken und damit mal zu einer Verbraucherzentrale gehen.

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