GEZ: Subtile Gebührenerhöhung in 2013?
{7}Die Ministerpräsidenten der Länder, so heißt es neuerlich, arbeiteten schwer an einem Konzept zur Umsetzung einer Haushaltsgebühr für Rundfunk- und Fernsehteilnehmer. Die Berichterstattung zu diesem Thema bleibt schwammig (vgl. z. B. Onlinekosten.de). Wohl auch deshalb, weil bislang wenig vorhanden ist, was man Otto Normalverbraucher mitteilen möchte – oder?
Die Haushaltsgebühr steht aber noch in den Sternen. In einem Interview mit der Volksstimme gab ein CDU-Politiker lediglich im Konjunktiv zum Besten, dass es 2013 so weit sein “könnte”. Von einer eventuell eh schon geplanten Gebührenerhöhung ab 2009 abgesehen – die Aussagen von Rainer Rauba im Interview lassen auch Spekulationen darüber zu, dass die Haushaltsgebühr selbst eine Art Gebührenerhöhung darstellen wird. Denn es ist die Rede von Problemfällen. Wie wird umzugehen sein mit Haushalten, die sich die Haushaltsgebühr nicht leisten werden können? Rainer Rauba ist zuversichtlich, dass die Verantwortlichen für diese Frage eine Antwort werden finden können.
Persönlich ist eine Haushaltsgebühr zunächst einmal zu begrüßen. Gleichwie finde ich es problematisch, sollte man hier immer noch einen Pauschalbetrag einfordern. Es muss ein differenziertes Haushaltsgebührenmodell geben. Ein Einpersonenhaushalt muss natürlich weniger bezahlen, als ein Mehrpersonenhaushalt. Der Grundbeitrag sollte außerdem niedriger liegen als derzeit. Ich kann mir nämlich kaum vorstellen, dass Alleinerziehende und/oder Single-Haushalte, z. B. Studenten (auch WGs oder Pärchen) in der Lage sein werden, eine Haushaltsgebühr zu entrichten, die sich an einem Idealfall hat ausrechnen lassen. Unterstellen wir einfach mal eine Familie, in der beide Eltern berufstätig sind. Oder unterstellen wir einfach mal das durchschnittliche Einkommen von 3800 und ein Paar zerquetschen Euro, wie es vor kurzem errechnet wurde. Wenn ein Studi sich 300 Euro nebenher verdient, das große Glück hat, dass die Eltern die Studiengebühren finanzieren, dann wird so ein Betrag trotzdem schwer auf ihm oder ihr lasten. Noch härter wird es all diejenigen treffen, die statt jetzt etwa 51 Euro im Quartal dann 30 Euro im Monat berappen mögen. So ein Betrag erscheint mir nicht übertrieben, wenn die Gier in den Augen der Medienbetreiber glänzt.
Heutzutage ist es ja schon lange nicht mehr die Frage danach, ob der Bürger sich für den Rundfunk entscheidet, er wird bestraft, wenn er es nicht tut. Darum, und, weil man grundsätzlich die Lebensverhältnisse besser in den Blick nehmen muss, ist die Forderung nach einer bedarfsgerechten, weil nutzungsorientierten Gebühr (vgl. auch den Kommentar von Bernd Staudte). Dass 2013 dann alle Haushalte zahlen müssen, sollte nicht nur den jetzigen Schwarzsehern die Sorgenfalten auf die Stirn treiben. Wenn es dann keine Rundfunkgebührenbefreiung geben sollte, wird die GEZ-Gebühr schlussendlich noch zur Schuldenfalle werden.
Es ist müßig, darüber zu reden, dass der öffentlich-rechtlich Rundfunk die Gebühren über die Haushaltsgebühr auch plant einzutreiben, da sie mit Mehreinnahmen rechnen, die es ermöglichen würden, wieder ohne Werbung auszukommen. Dieses Selbstverständnis der Medienmachenden macht mich wütend und traurig zugleich. Ist es nicht notwendig, auch danach zu sehen, was eigentlich der Bürger an Angebot benötigt? Öffentlich-rechtlicher Rundfunk ist im Programmangebot schon derart unüberschaubar geworden, dass der Nutzer sich die Frage stellen darf, ob nicht umgekehrt er nur noch als Arbeitstier herhalten darf dafür, dass andere ihre Ideen verwirklichen können. Staatsfernsehen bedeutet für mich jedenfalls keine Diktatur, schon gar nicht in einer Demokratie.
Wir müssen ja nicht arbeiten gehen, nur damit wir GEZ-Gebühren bezahlen können, sondern wir sollten arbeiten gehen, um unser Leben zu gestalten und falls es dann unserem Wunsch entspricht, lieber ein Mal im Jahr in Urlaub zu fahren, oder an Weihnachten die Familie zum Essen auszuführen, als bislang gute 200 Euro an die Gebühren-Einzugszentrale zu überweisen. Das ist eine total perfide Logik. Die Gebühren werden immer weiter erhöht, und niemand stellt in Frage, ob das so überhaupt sein darf. Öffentlich-rechtlicher Rundfunk hatte auch einen Bildungsauftrag, nur, indem ständig an der Gebührenschraube gedreht wird, macht man auch auf diesem Weg Bildung zu einem Luxusgut.
Hinzufügen zu del.icio.us, Mr. Wong, LinkARENA, SEOigg
Tags CDU, Erhöhung, Gebühr, GEZ, Rainer Rauba, Rundfunk
Kategorie Glocal, Media, Politics · Autor Alexander Trust · 7 Kommentare

May 28, 2008 · 4:37 pm
Es muß richtig heißen “Subtile Gebührenerhöhung 2013 ?”. “In+Jahr” ist ein Anglizismus…
May 28, 2008 · 4:48 pm
So what? Außer Deutschtümelei und Pedanterie lese ich aus dem Kommentar leider nix heraus. Aber lass einem Germanistikstudenten gerne die sprachliche Freiheit, die die Sprache selbst ihm gibt. Ich finde solche Kommentare echt flach. “Richtig” ist eine synchrone Kategorie. Was du heute als richtig bezeichnest, kann sich morgen schon überlebt haben. Schon mal was von Sprachwandel gehört? Wenn du was gegen Anglizismen hast – nun, dann würde ich dir empfehlen bau dir ne Zeitmaschine in Richtung Antike und frag Herodot, ob nicht auch er sich Frevel erlaubte, Lehnwörter und -wendungen in die ach so heilige Muttersprache zu integrieren.
May 28, 2008 · 5:06 pm
Ja genau, Sprachen entwickeln sich natürlich und von selbst. Das ist eine romantische Sicht der Dinge, sagt dir ein Linguistikstudent. Was das Wort “richtig” betrifft, gebe ich dir Recht, sagen wir so: Ich wollte darauf hinweisen, daß du doch bitte so schreiben solltest, daß dich die anderen Sprachteilnehmer des Hochdeutschen auch verstehen.
Außerdem hat dies mehr mit Amerikanisierung als mit Deutschtümelei zu tun. Und ich glaube auch nicht, daß du gerne in den “Servicepoint” gehst oder einen “cofee to go” trinkst.
War wohl wirklich ein flacher Kommentar, aber das ändert nichts am Inhalt.
May 28, 2008 · 5:28 pm
Ich habe nicht gesagt, dass sie sich “natürlich” entwickeln. Sondern wir haben alle etwas damit am Hut. Man spricht manchmal von Invisible-Hand-Prozessen, aber… wenn man große Multiplikatoren sich anguckt, wie Massenmedien, dann wird Sprachwandel, bzw. dann kann Sprachwandel in der heutigen Zeit “natürlich” auch gesteuert werden. Ich finde es großartig, dass die Sprache uns die Möglichkeit an die Hand gibt, zwischen umsonst und kostenlos zu unterscheiden oder zwischen demselben und dem gleichen. Aber schon das sind zwei Beispiele, die eine Menge Probleme aufwerfen, weil nämlich auch hier die dt. Sprache, wie alle anderen überhaupt, nicht vollständig in sich schlüssig ist.
Sag mir, warum sollte ich so schreiben, dass mich die Teilnehmer des Hochdeutschen auch verstehen? Ich glaube nicht, dass sie es nicht tun. Ich weiß natürlich, dass es einige gibt, die sich daran stoßen. Du bist bestimmt nicht der Einzige und nicht der Letzte deiner Art.
Also, da ich keinen Kaffee trinke, ist mir das wurscht. Und ja, ich habe natürlich nichts dagegen, dass man Servicepoint sagt oder Coffee to go. Wir sagen auch Garage und sprechen vom Auto. Wobei ich manchmal gerne auch Voiture sage. Ich bin froh darüber, dass Sprachen mir Wörter an die Hand geben, und ich halte nicht viel davon, sie in ein künstliches Gefängnis zu sperren. Weißt, der Duden oder die Grammatiken sind immer erst ex post entstanden. Huch… hab ich doch glatt zwei lateinische Wörter benutzt. Das dürfte ich doch deiner Logik nach zur Folge auch nicht? Aber warum sagen die Briten und Amis Kindergarden und wieso Sauerkraut? Du weißt sehr gut, dass es das Hochdeutsche, von dem du sprichst, hier gar nicht so lange schon gibt. Und das auf dem Gebiet, das heute die BRD ausmacht, es keine gemeinsame Volkssprache gab, oder? Was machst du denn dann mit einem Goethe, einem Grillparzer oder ach so vielen anderen? Schon die haben Wörter benutzt, die sie sich aus anderen Sprachen geliehen haben. Setzt du diese Literatur dann als der deutschen Sprache Feind auf einen Index? Du drehst dich im Kreis, wenn du anfängst nach den Ursprüngen der Wörter zu suchen. Ähnlich übrigens, wie wenn man versucht, die Nationalität eines Menschen an Grenzen im eigenen Kopf festzumachen. Wenn ein Italiener mit einer Türkin ein Kind zeugt, das in Amerika geboren wird – seine Eltern waren Polen und Deutsche, er aber ist irgendwann Italiener geworden, vom Pass her. Und bei ihr kannst du dir natürlich genauso viel Variation vorstellen. Also… wenn du solche mannigfaltigen Mutationen auch für die Sprache annimmst und das kannst du ja meinetwegen auch Schwarz auf Weiß nachlesen, wenn du sprachgeschichtliche Forschungen anstellst. Streng genommen gibt es dann gar keine (hoch)”deutschen” Wörter. Es gibt sie vielleicht heute, weil es heute Deutschland gibt, aber die Germanen haben zum Teil noch ganz anders gesprochen. Schau dir nur das Althochdeutsche an und du wirst so viele Ähnlichkeiten mit dem heutigen Englisch und Niederländisch finden, dass ein Anglizismus eigentlich schon als tugendhafte Rückkehr zu den Wurzeln des Hochdeutschen angesehen werden muss.
Zum “Inhalt” meines Blogbeitrags hast du übrigens nichts gesagt.
May 28, 2008 · 5:50 pm
Mit Kindergarden, ex post usw hast du natürlich Recht, darum geht es mir aber nicht. Erwartungsgemäß wird man dann immer in die “Deutschtümelei”-Ecke gesteckt, auch wenn ich eher gegen Anglizismen als für das Deutsche bin. Du hast mit deinem “in 2013″ auch “Glück”, daß du trotzdem verstanden wirst, aber weißt du was ein Service Point ist?
Für mich sind Anglizismen die Ausläufer einer amerikanisierten/kapitalisierten Welt, die der eine oder andere Deutsche sich gerne zu eigen macht (oder es zumindest versucht), um etwas von dem ideologisierten Konstrukt “Amerika” auf sich zu vereinen. Eine Kategorie hier heißt “glocal”, ich nehme also an, daß dir der Globalisierungs/Amerikanisierungsdiskurs nicht völlig fremd ist.
Der Inhalt von deinem Beitrag ist für mich insofern nicht von Belang, da ich kurioserweise alsbald nach England gehen werde.
Aber um dir trotzdem Kurzweil zu bieten, hier ein Anglizismen-Bonbon (!):”…jeder muss im job permanently seine intangible assets mit high risk neu relaunchen und seine skills so posten, dass die benefits alle ratings sprengen, damit der cash-flow stimmt. Wichtig ist corporate-identity, die mit perfect customizing und eye catchern jedes Jahr geupgedatet wird.”
Na, was ist damit?
May 28, 2008 · 6:26 pm
Dir geht’s also vor allen Dingen um einen Anti-Amerikanismus? Und warum genau zieht es dich dann nach England?
Weißt, ich finde es gut, dass du einen Standpunkt hast – besser als Opportunisten oder Leute, die gar nicht wissen, was sie wollen. Aber ich glaube, dass du vielen Leuten Unrecht tust, wenn du von der Verwendung mancher Wörter direkt auf ihre ideologische Prägung schließt. Ein Großteil derer, die du dann über einen Kamm scherst sind, na ja, in meinen Augen zu naiv, um überhaupt die ideologische Tragweite der Verwendung von Game Boy oder dergleichen überhaupt zu erkennen. Für die ist ein Game Boy einfach ein Ding, dass Ihnen den Alltag ein wenig “bunter” gestaltet.
Es gibt McDonalds auch in Russland und es gibt ihn auch in arabischen Ländern. Aber vor allem gibt es, trotz Anglizismen in der dt. Sprache eine gänzlich anders gewachsene Kultur. Das ist ein Bollwerk, das sich nicht ad hoc umkrempeln lässt.
Den Satz, den du zitiert hast: Wenn er nicht echt ist, ist er ein sehr überspitztes Beispiel. Wenn er “echt” ist, dann hat ihn “eine” Person gesprochen oder geschrieben und mir ist klar, dass z. B. Börsenmakler in einem ganz anderen Umfeld agieren. Wir haben hier in Zentraleuropa eine ganz andere Medienlandschaft als in USA. Natürlich gibt es auch Formate von drüben, die uns hier erfreuen, aber die Populärkultur von drüben hat ja in ihrer eingedeutschten Fassung gar nicht mehr so viel von der ideologischen Wirkung. Meinst, ein Klinsmann, weil er jetzt beim FC Bayern Methoden aus USA testet, wird bei denen die gänzlich andere Fußballkultur eliminieren können?
Wir sollten jedenfalls vorsichtig sein, wenn wir annehmen, dass sich sofort jeder als Anhänger eines Amerikanismus outet, wenn er Anglizismen verwendet oder gar Fast Food ist. Wir verwenden sie ja auch, weil sie auf Akzeptanz stoßen. Marken können sich nicht etablieren, wenn die Leute sie nicht akzeptieren. Und das ganze Gezerre in der Europa- und UN-Politik zeigt doch, dass hier durchaus andere Sitten herrschen. Microsoft hat sich bestimmt gewundert, dass die EU-Kommission etwas anprangert, wonach in den USA kein Hahn kräht. Microsoft ist übrigens auch jemand, der in seinen Whitepapern zur Lokalisierung explizit sagt, man muss “upgedated” anstatt “geupdated” sagen – wobei, vielleicht war’s auch genau anders herum. Aber da geht’s auch um Kohärenz, damit alle Anwendungen gleich übersetzt werden. Welche Mensch auf der Straße und wieviele von unseren Entscheidern sprechen so, wie du es zitiert hast? Also ich benutze Anglizismen und bin trotz allem eher amerikakritisch. Ich würde Kanada oder Südamerika für eine potenzielle Auswanderung präferieren.
May 29, 2008 · 9:42 am
Natürlich schere ich damit über einen Kamm, aber es ist doch wohl auch klar, daß der Bäcker von nebenan sich nicht aus freien Stücken für ein “Coffee to go”-Fähnchen entscheidet. Die ideologische Tragweite ist ihnen natürlich nicht bewußt. Es ist doch genau das gleiche mit “Travel and Work in Australia” oder mit Bätschler und Master. Irgendwie machen es alle, aber woher kommt es? Wenn du dann mal an Foucault denkst (Diskurse), wird schnell klar, daß auch dies an ein paar Entscheidern hängt und der Rest ist Erfüllungsgehilfe. Ersteres sind zB die Finanzheinis mit o.g. Beispiel.
Mit Südamerika kann ich nichts anfangen, aber solang du dort nicht Soja anbaust o.ä. kannst du ruhig hin.
Also Kanada wäre auch ne Idee, aber als Englisch-Student geh ich doch lieber nach England