Wem ist das Interesse an Blogs vorbehalten?!
{2}Gestern habe ich mit einem Kommilitonen gemeinsam einen Vortrag über die Sprache in Weblogs gehalten. Die Resonanz war, wie bei einigen Vorträgen zuvor, eher mau. Ich habe hernach noch mit einigen Leuten gesprochen, die mir meinen eigenen Eindruck bestätigten, dass der Vortrag ein wenig zu lang gewesen sei. Die Krux: die Informationen selbst hätte man kaum kürzen können, lediglich meine Rede.
Davon einmal abgesehen, ist mir zum wiederholten Mal aufgefallen, dass es einer gewissen Affinität bedarf, um derlei Themen auch mit Interesse zu verfolgen.
Der Verein für deutsche Sprache e. V. schlägt vor, den Blogger “Selbstdarsteller im Netz” zu nennen. Das ist etwas verkürzt dargestellt. Vor allem auch, da Blogs zum Teil journalistische Wege beschreiten. Wer aber sind die Leute, die Blogs lesen und die auch ein Interesse für die Blogosphäre mitbringen? Peter hatte im ersten Teil die Daten zur deutschen Blogosphäre vorgetragen und auch ein paar technische Eckdaten erläutert. Welche Layouts sind in Blogs zu finden, wie viele gibt es, ist bloggen schwer? Bloggen ist kinderleicht. Blogs lesen ist es eigentlich nicht minder, dennoch tun sich manche sehr schwer damit. Es hängt wohl auch mit der medialen Sozialisation zusammen. Ein Beispiel, das ich gerne anbringe: Ich saß mit 300 zukünftigen Geisteswissenschaftlern in einem Hörsaal. In 2 1/2 Sitzungen wurde eine Software zur Verwaltung von wissenschaftlicher Literatur, zur Bibliographie, Zitation, etc. pp. vorgestellt. Das Interesse tendierte gegen Null. Die Software – sie erleichtert das Arbeiten mit Periodika und Monographien, Sammelbänden, mit Information. Und dennoch gibt es nicht wenige, auf die das keinen Reiz ausübt.
Muss man sich von dem Gedanken verabschieden, dass man Leute für alles begeistern kann? Wie haben Demagogen es geschafft, den Rattenfänger zu spielen? Wir haben Blogs als Kommunikationsform untersucht und sprachliche Varietäten entdeckt, die bereits in anderen internetbasierten Kommunikationsformen wie Chats, IM oder Foren anzutreffen sind. Außerdem lässt sich festhalten, kommt das Web einfach nicht ohne Anglizismen aus. Während wir bei der Arbeit am Referat beide großes Interesse hatten, konnten wir unseren Zuhöreren das Thema nur teilweise ans Herz legen. Wer in den vergangenen Wochen in dem Seminar saß, hat jedes Mal beobachten können, dass sich immer die üblichen Verdächtigen mit Wortbeiträgen eingeschaltet haben. Wie aber holt man die Übrigen ins Boot? Das ist eine Frage, die Lehrer sich auch stellen mögen. Welche didaktischen Kniffe lassen sich anwenden, um das zu realisieren? Oder muss es so sein, dass man nur mit denen zusammen kommt, die das Interesse teilen?
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Tags Anglizismen, Blog, Didaktik, Neue Medien, Sprachwissenschaft, Weblogs
Kategorie Media, Science · Autor Alexander Trust · 2 Kommentare

June 17, 2008 · 2:42 pm
Sitzen auch Lehramtsstudenten in dem Seminar? Das würde einiges erklären. Meiner Erfahrung nach sind sehr viele Lehramtsstudenten faul und haben keinerlei Interesse am Fach.
Wenn nicht, nun, es gibt sicherlich noch eine andere Gruppierung, die man an den Pranger stellen könnte.
June 17, 2008 · 2:46 pm
Ja, auch solche sitzen darin. Aber das ist zu einfach. Das Seminar ist insofern auch ein Sammelbecken gewesen, weil man den LN mit Klausur und nicht mit Hausarbeit erreicht. Das bevorzugen einige.