30. June 2008

10. Klasse Aussteiger?!

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Ich nutze einen Beitrag von Yannick Eckl auf Blogschrott, um über Lebensläufe zu sprechen zu kommen. Jeder sollte den Weg gehen, den er für richtig hält, und der ihn oder sie zufrieden sein lässt. Yannick wird die 10te Klasse am Gymnasium noch beenden und dann seine Ausbildung in Berlin beginnen als Marketingkaufmann.

Dass Yannick von seinen Kommentatoren Glückwünsche erhält, sogar solche, dass es eine Auszeichnung sei, in Berlin ausgebildet zu werden, will mir spontan nicht in den Sinn kommen. Der Standort ist eigentlich unwichtig. Viel wichtiger sind (meiner Meinung nach) die Eckdaten der Ausbildung. Wenn Yannick ein nettes Team vorfindet, mit dem er bereits im Vorfeld gearbeitet hat, erscheint es logisch, dass er dort auch seine Ausbildung machen wird. Wenn er die gleiche Ausbildung bei Siemens oder Bayer absolviert hätte, stände das einem Lebenslauf, so ungerecht sich das ausnimmt, tendenziell besser zu Gesicht. Nicht, weil ich das gerne so hätte, sondern weil es in der Wirtschaft einfach so wahrgenommen wird.

Berlin hat für Yannick insofern den Vorteil, dass er von zu Hause fortkommt und damit in jungen Jahren Erfahrungen fürs Leben sammelt. Allerdings vertut er die Möglichkeit, sein Abitur zu machen. Denn Yannick will offenbar nur noch die 10te Klasse abschließen. Wir wissen, dass die bundesrepublikanische Bildungspolitik Hauptschüler aufs Abstellgleis schiebt. Nein, eigentlich ist es unsere Dienstleistungsgesellschaft, die Anforderungen diktiert, die eben mit einer Ausbildung auf der Hauptschule nur rudimentär abgedeckt werden, vor allem, wenn man Hauptschullehrer kennt und deren Probleme bei der Vermittlung von Inhalten. Schließlich kann sich jeder selbst seinen Teil denken. Yannick ist kein Hauptschüler, sondern Gymnasiast, und hat einen Vorteil gegenüber anderen. Verspielt er einen anderen?! Persönlich würde ich Yannick raten, seine Jugend zu nutzen. Das tut er, auf seine Weise. Ob’s nicht trotzdem besser wäre, zuerst sein Abitur zu machen? Bildungsabschlüsse in der Jugend sind recht günstig zu haben, sowohl was die geistigen als auch die ökonomischen Ressourcen anbelangt.

Allerdings bricht Yannick mit seiner Entscheidung auch aus dem Diktat der Gesellschaft aus, die die Leute mehr und mehr dazu zwingt, es “so” und nicht anders zu tun. Ich wünsche Yannick viel Erfolg für die Zukunft, und manchen seiner Kommentatoren ein wenig mehr Horizont. Nichts für Ungut Leute, es geht nicht darum, ihn zu beneiden (auch nicht im positiven Sinne), dass er die Ausbildung erhalten hat, noch dazu in Berlin. Ich habe oben dargestellt, dass Berlin kein Standort-Vorteil ist. Wenn man die Kommentare unter Yannicks Beitrag liest, müsste man glauben, dass manche seiner Leser von sich selbst das Gefühl haben, sie würden nie in der Lage sein, so eine Ausbildung zu bekommen. Ist das wirklich so? Wenn ja, fände ich das sehr schade. Eigentlich müssten sie sich sagen, was Yannick kann, können wir schon lange. Natürlich können wir es nicht alle, aber wir müssen uns eben auch nicht schlechter machen, als wir sind. Wenn Jugendliche anfangen, so eine Position zu vertreten, wie sie sich in den Kommentaren widerspiegelt, bekommt man das Gefühl, dass sie ein Problem mit ihrem Selbstbewusstsein haben. Schade! Macht’s genauso, oder macht’s anders, jeder von euch kann was. ;)

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Kategorie Media · Autor · 8 Kommentare


8 Kommentare

  1. Kommentar von Thomas
    July 2, 2008 · 3:34 pm

    “..Allerdings vertut er die Möglichkeit, sein Abitur zu machen” Das ist in Berlin keinesfalls so! Ich als Urberliner habe mit 27 mein Abi nachgemacht bei elternunabhängigem BaFöG – ohne RÜCKZAHLUNG!!!

    WennDein Freund später den Wunsch verspührt – dann kann er es immernoch machen.

    BE BERLIN!
    Thomas

  2. Kommentar von Alexander Trust
    July 2, 2008 · 3:43 pm

    Klar, kann er das auch später. Aber rein von der Biologie her, sind die jüngeren Jahre diejenigen, in denen einem das Lernen – zumindest von Fakten – nicht sooo schwer fällt wie später. Ein Kumpel von mir hat auch in der Abendschule (nicht in Berlin) sein Fachabi nachgemacht. Alles kein Problem. Aber je älter man wird, desto problematischer ist auch das eigene Verhältnis zum Lernen. Manche lernen gerne ein ganzes Leben, andere sind froh, wenn sie irgendwann in der Schule die letzten drei Kreuze gemacht haben.

  3. Kommentar von Thomas
    July 2, 2008 · 4:20 pm

    Nun ich kenne nicht Dein Alter. schätze aber mal (sorry wenn ich falsch liege) dass Du mittem im Abi oder kurz davor bist.

    Also ich (inzwischen 30ger :D ) wollte in dem Alter Geld verdienen, schickes Auto fahren, arbeiten, was anpacken, … naja aber man wird reifer. Sicher fällt das Lernen in jungen Jahren leichter, aber man lernt das gelernte später besser zu verknüfen – mit dem Leben.

    Soll es jeder für sich entscheiden… ich habe Respekt vor beiden Wegen

  4. Kommentar von Alexander Trust
    July 2, 2008 · 4:31 pm

    Nur, weil ich mich auf Yannick beziehe? Ich werde dieses Jahr 28 und habe bald ausstudiert. ;)

  5. Kommentar von Thomas
    July 2, 2008 · 5:07 pm

    Hoppla – hab ich ja ganz falsch gelegen! :-D

  6. Kommentar von Herbert
    July 3, 2008 · 12:54 pm

    Ich denke nicht unbedingt, dass das Lernen leichter ist, nur weil man Jünger ist. Ich finde es durchaus nicht schlimm, wenn man erst ne Lehre macht und dann vielleicht im Naschluss noch studiert oder das Abi nachholt. Würde er keine Ausbildung beginnen und nach der 10. abgehen, käme die Bundeswehr auf ihn zu oder halt ein Zivi-Posten. Dem Ganzen geht er so zumindest schon einmal drei Jahre lang aus dem Weg.

  7. Kommentar von Alexander Trust
    July 3, 2008 · 1:06 pm

    Klar, ist auch alles kein Thema. Hm, pure Information zu tanken ist in der Pubertät noch ganz nützlich, hinterher geht man mehr und mehr mit dem Wissen um. Es gibt wohl einige Wachstumsphasen, in denen sich der Körper verändert, die Pubertät ist eine, und auch das Gehirn wächst in dieser Phase noch mal, bzw. verändert sich. Zwar wird auch im hohen alter noch Gehirnmasse erzeugt, aber nicht so, dass man jetzt alles damit anstellen könnte. Die wichtigsten Phasen durchlaufen wir im Kleinkind- und Jugendstadium. Zumindest nimmt die Wissenschaft das heutzutage an, ob das in 20 Jahren immer noch so sein wird, who knows it. Aber deshalb halt meine Bedenken, bzw. Frage. Schön fänd ich’s ja, wenn der Angesprochene selbst sich mal äußern würde.

  8. Kommentar von Susi
    July 7, 2008 · 9:22 pm

    Es ist schön das er eine Ausbildung bekommen hat die ihm anscheinden Spaß macht (oder machen wird) aber ich denke auch das die Leser da ein bisschen Übertreiben.

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