Veröffentlicht am 30. Juni 2008 von Alexander Trust
Warum es gut ist, dass wir nicht Europameister geworden sind? Dass kann ich euch sagen. Zumindest glaube ich, dass wir noch nicht reif dafür sind. Nicht wir, die Mannschaft, sondern wir, das Volk. Wir sind Papst, wir waren Ausrichter der WM. Die tolle Stimmung darf sich halten, aber zu viel Patriotismus, ganz ehrlich, muss nicht sein. Vor allem für Generationen, die andere, viel wichtigere Regeln des gemeinsamen Umgangs nicht gelernt haben, weil unsere Vorgänger am falschen Ende gespart haben und Erziehung und Bildung zur “Chefsache” gemacht hatten.
Wir werden an Spielern wie Podolski und Schweinsteiger oder Lahm und anderen mehr noch lange unseren Spaß haben, und auch Erfolge feiern. Aber der Halbfinalsieg und die Erlebnisse hernach haben eines gezeigt: Die neue Identität muss noch wachsen und reifen. Dies neue Selbstbewusstsein muss sich auch gegenüber Demagogen und Rattenfängern bewähren. Ich hab viel Positives erlebt, und gerade diese Pflanze wird schnell überstrapaziert. Ich bin also nicht traurig, dass Deutschland nicht Europameister geworden ist, weil dann meines Erachtens zu viele über die Stränge geschlagen hätten. Und auch aus der Niederlage kann man lernen und wachsen. Verlieren lernen ist schwieriger als gewinnen genießen. Und aus Genuss wird sehr schnell ein Anspruchsdenken, dass mitunter nicht gerechtfertigt ist.
BRD, Deutschland, DFB, Fußball, Nationalmannschaft
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