Yigg, (k)eine Alternative mehr?!
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In Amerika fing es einst an, mit der sozialen Indizierung des Web (weiß jemand, wann genau der erste Social Bookmark Dienst die Pforten öffnete?). Dann schwappte der Trend herüber, und wie eigentlich überall, wurden und werden Dinge abgekupfert. Mittlerweile haben wir in Deutschland eine mehr oder weniger gereifte Auswahl an Diensten für den Austausch von sozialen Lesezeichen. Einer davon ist Yigg, der sich schon dem Namen nach an einem US-Vorbild, nämlich DIGG, orientierte.
Die Hamster von Yigg haben nun vor kurzem einen Relaunch ihrer Plattform durchgeführt, ein neues Layout durfte her und sollte überall gut ankommen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man es nicht allen Recht machen kann. Doch Yigg setzte sich offenbar in die Nesseln, wo es nur ging. Ergonomie ist mit eines der wichtigsten Elemente, die eine Webseite bieten muss, um von den Nutzern akzeptiert zu werden. Während Optik eine Geschmacksfrage ist, kann man für die Ergonomie objektivierbare Kriterien angeben. Doch Yigg hat(te) wohl in diesem Bereich nachgelassen.
Frank Helmschrott hat mit als erster sein Statement zu den Verschlimmbesserungen bei Yigg abgegeben. Klicks auf die Headlines der News in der Übersicht führten nicht wie gewohnt zur Quelle, sondern zunächst zu einer Detailseite – “da waren die PI-Zahlen wohl zu gering”, so Franks Unterstellung. Den direkten Link zur Quelle hingegen musste man erstmal suchen (vgl ebd.).
Eine Meta-Ebene, die Yigg hier eingeführt hatte, die aber bei Technorati und vielen anderen ebenfalls vorhanden ist. Für den Webseitenbetreiber, wie Frank richtig schreibt, ein Zuwachs an PIs (Seitenzugriffen). Für den Nutzer ist dies jedoch in der Regel ein Ärgernis, weil er länger als nötig von der Information, die er eigentlich erwartet fortgehalten wird.
Das URL-Format von Yigg hat sich verändert, drum, so die Erfahrung von Frank, wurden wegen der schlecht umgesetzten Umleitung Verweise auf alte Artikel mitunter zu ganz anderen Ergebnissen geleitet. Noch ein Schlag ins Gesicht von Nutzern und Lesern. Allerdings sollen und werden derlei Bugs von den Betreibern stetig versucht auszumerzen.
Optik ist Geschmacksache…
Wie bereits angemerkt, kann man über Geschmäcker streiten. Der Meinung ist auch Philipp von 20undso. Dennoch vergleicht Philipp, seines Zeichens selbst Gründer einer Web 2.0 Dienstleistung, das neue Layout von Yigg mit einem “10 Dollar Template“. Besonders harsch mit der Optik geht auch der Schreiber von Anwälte in Vulkane werfen ins Gericht, nennt es Rütli-Design und kann sich die Stellenausschreibung von Yigg wie folgt vorstellen:
Führende deutsche Social News Community sucht arbeitslosen Bauschlosser zwecks Erstellung eines Templates. Erfahrungen im Sackhüfen, Eierlauf und Seilspringen von Vorteil.
Natürlich sind Designer keine besseren Menschen, aber sie haben ein gewisses Gespür fürs Thema. Drum ist’s wohl nicht wirklich prickelnd, wenn auch solche sich zu Wort melden und negativ übers neue Orangene schreiben. Allerdings wird von Seiten Yigg versucht, auch auf ihn und andere zuzugehen (vgl. Kommentar im verlinkten Beitrag).
… Funktionalität nicht
Neben der URL-Umleitung und der hinzugefügten Ebene, die es verhinderte, direkt zum eigentlichen Webbeitrag gelinkt zu werden, gibt/gab es noch weitere Unstimmigkeiten in der Funktionalität, die von Seiten der Blogger angesprochen wurden. Titel von Nachrichten, so der Yigg-Blogg, können nämlich jetzt wieder angeklickt werden, ohne auf die Meta-Ebene geschickt zu werden.
Auf der Blogwiese beispielsweise wurde eine fehlerhafte Suchfunktion angesprochen, und von einem der Kommentatoren dankenderweise auch gleich auf die Mehrfachzählung bei der Bewertung der Artikel eingegangen. Alles mehr oder weniger Schnee von gestern.
Sozial oder nicht, das ist hier die Frage
Marcel hat versucht mit seinem Beitrag eine Diskussion darum anzuzetteln, ob Social Bookmarking-Dienste in Deutschland überhaupt angenommen werden. Einige Kommentare sind schon zusammengekommen, allerdings haben die wenigsten davon sich explizit auf seine Frage konzentriert.
Wie sieht’s bei euch aus? Nutzt ihr YiGG oder gar Digg? Und generell: Bringen solche Webdienste überhaupt was?
Noch die beste Antwort, wenngleich sie nicht jedem gefallen mag, hat Rafael gegeben, als er meinte, dass die Akzeptanz von sozialen Webdiensten in Deutschland auch an der Mentalität und der Zusammensetzung der deutschen Blogosphäre krankt. Ich würde so weit gehen, zu sagen, dass die Partizipationsfähigkeit in ihr stark begrenzt ist, auch deshalb, weil wir es mit vielen Eigenbrötlern zu tun haben. Auf jeden Fall, so weiß Unterneuntupfing satirisch zu berichten, hat(te) Yigg vor allem mit verbrämten SEOs zu tun.
Button weg! – Vernetzung futsch?
Der Yigg-Button hatte den Neustart nicht überlebt. Manche Blogger, die nicht mit HTML und Co. in der Wiege groß geworden sind, ärgerte das, bzw. stellte sie vor Probleme und bereitete ihnen Enttäuschung. Gemutmaßt wurde zudem, ob dieser Schritt nicht ebenfalls ein Rückschritt sei, da man sich damit selbst einer möglichen Multiplikator-Instanz beraube.
Es verwundert bei der ganzen Kritik nicht, dass die Yigg-Startseite (nicht nur) zum Zeitpunkt des Neustarts voll von Nachrichteneinlieferungen war, die von den Misstönen gegenüber dem neuen Yigg sprachen. Allerdings sind die Betreiber fleißig, und so heißt es nun schon wieder, dass die Yigg-Buttons in der Blogosphäre all überall ihren gewohnten Dienst täten.
Basales Umdenken erforderlich?
Deutschlands Flaggschiff-Blogger, Robert Basic, sah die Welt von Yigg trotz der vielen Kritiker in der Blogosphäre nicht gefährdet. Doch auch er forderte von den Betreibern von Yigg ein Umdenken.
Das Einzige, was man Yigg vorwerfen kann, dass es ihnen immer noch nicht gelungen ist, eine GUI für die Massen hinzustellen, die so simpel ist, dass sie der letzte Blindfisch und DAU versteht. Doch es ist nicht nur die Bedienung. Meine Annahme ist, dass man durch ein BILD-artiges Zusammenstellen (sich als Analogie vom Layout und den Kategorien her vorstellen) einer Art Tageszeitung oW mehr Menschen für Yigg interessieren könnte, die es gerne kompakter und visueller haben wollen, statt sich wie gehabt bei Digg/Yigg durchzuklicken und vertikal zu scrollen, bis man endlich seine Message gefunden hat. Da ist redaktionelle Aggregation imho gefordert.
Es sind also basale (grundlegende) Konzepte zu überdenken. Ähnlich wie manches Social Network an zu viel unübersichtlichem Klickibunti und einer wenig durchdachten Navigation schwer zu tragen hat, so dürfen auch die Portale zur sozialen Nachrichten-Aggregation sich nicht davon freisprechen, das Rad zumindest neu erfinden zu wollen.
Es führt kein Weg daran vorbei, sich Gedanken zu machen, darüber, wie man den Nutzer zufriedenstellt und gleichzeitig ein Optimum an Ergonomie anbietet. Vielleicht sollten sie jemanden fragen, der sich damit auskennt. In der Politik ist es usus, dass man sich bei Fachleuten informiert. Es gibt im akademischen Feld ebenfalls Forschungszweige die sich mit Usability-Testing beschäftigen. – Sie haben es bereits getan, geben sie selbst zu Protokoll, und was der Nutzer derzeit erlebe, sei die Phase der Umgewöhnung. Wird die neue Oberfläche erst einmal akzeptiert werden, so sind sich die Macher sicher, wird der Nutzenfaktor höher sein als bei der vorherigen Version.
Was bleibt?
Ein bitterer Nachgeschmack bleibt auf alle Fälle erhalten. Denn immerhin sind die allermeisten der Bugs – und sogar die Layer-Ads – behoben und Yigg steuert in Sachen Funktionalität wieder auf altes Terrain zu. Hat die Blogosphäre zu früh losgeschlagen? Wenn es nach einem Kumpel von mir geht, der uns Blogger eher mit Skepsis gegenübersteht, haben wir gar nicht das Recht dazu, uns derart zu Wort zu melden, wie wir es tun. Wir nehmen uns zu viel heraus, ist die Ansicht, die er wohl mit noch einigen anderen teilen wird.
Und doch: Wenn niemand Alarm schlägt, wohin geht dann der Weg, wenn’s brennt?! Die Leute von Yigg jedenfalls gehen konstruktiv mit der Kritik um, bitten jedoch um Geduld. Gut ist, wenn diejenigen, die zuerst mit Kritik nicht gegeizt haben, zumindest einen zweiten Blick riskieren, und der ganzen Sache eine zweite Chance einräumen. Fair geht vor. Zumal die neue Version von den Betreibern explizit als Open Beta angekündigt wurde, und die Nachbesserungen bereits zu dem Zeitpunkt in Aussicht gestellt wurden.
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Tags Digg, Social-Bookmarks, Web-2.0, Yigg
Kategorie Media · Autor Alexander Trust · 5 Kommentare

July 4, 2008 · 3:50 pm
Hallo Alexander,
danke für Deinen Beitrag, der diese Woche des YiGG Relaunchs gut zusammenfasst. Ohne nochmals auf die Kritik im einzelnen einzugehen, die meist völlig berechtigt war und uns hautsächlich in ihrer Heftigkeit überrascht hat, gebe ich Dir recht, dass es das Ziel sein muss, eine nutzergenerierte Site anzubieten, die von vielen Leuten bedient werden kann. Dieses Ziel haben wir (auch) vor Augen und gerade deswegen die Nutzerführung komplett geändert.
Die Navigation sollte jetzt auch von weniger erfahrenen Internetnutzern genutzt und verstanden werden können. Das Nachrichten-Einstellen ist einfacher geworden und wenn wir alle Templates optimiert haben, sollte die Bedienbarkeit von YiGG deutlich besser als vorher sein.
Zum Punkt: “Wenn es nach einem Kumpel von mir geht, der uns Blogger eher mit Skepsis gegenübersteht, haben wir gar nicht das Recht dazu, uns derart zu Wort zu melden, wie wir es tun. Wir nehmen uns zu viel heraus, ist die Ansicht, die er wohl mit noch einigen anderen teilen wird.” Hier teile ich Deine Ansicht – gerade die Reaktion hat uns sehr viel gebracht – wir haben viele Verbesserungsvorschläge erhalten und gesammelt, um sie für die laufende Optimierung zu nutzen. Daher ist die Relaunch Woche zwar heftig, aber sehr lehrreich gewesen.
Beste Grüsse vom YiGG-Team
July 4, 2008 · 3:55 pm
Weiterhin frohes Schaffen.
July 6, 2008 · 1:14 am
yup, ich schließe mich an. hoffen, wir dass YIGG dran arbeitet.
interessant hingegen ist die frage, ob, wie und warum (nicht) deutsche intenet nutzer so eine plattform nutzen. ich glaube auch, dass es in dtl diesbezüglich deutliche unterschiede gibt …
July 6, 2008 · 11:35 am
Wir machen viel klein, klein und vor allem allein. Zumindest hab ich das in meiner Schulzeit schon erlebt, dass Gruppenarbeiten dazu verführt haben, jeder sein eigenes zu tun, an der Hochschule in Teilen auch. Lustig war, als ich vor 2 1/2 Jahren ein Referat vorbereiten wollte und zum ersten Treffen kam. Von uns 4en hatte “jeder” ein eigenes Thesenpapier vorbereitet, was man dem anderen quasi aufs Auge drücken wollte. Ich kann mich da also nicht freisprechen. Ich hab aber eher schlechte Erfahrungen gemacht, allerdings in den letzten Jahren umgekehrt eher positive. Nur prägen einen die zuerst gemacht Erfahrungen halt viel stärker.
Solche Dienste werden in Deutschland erst noch ankommen müssen. Egal wo wir in der Geschichte hingucken, wir sind Nachzügler oder sogar Ablehner. Ich meine nicht das Tamagotchi. Aber man schaue sich die Kolonialisierung an oder die europäische Literaturgeschichte. Man wird viele Beispiele finden für einen deutschen Weg oder eine Extrawurst der Deutschen.
Das mein ich nicht per se negativ.
July 31, 2008 · 6:30 pm
[...] – bookmarked by 1 members originally found by jasoncartwright on July 16, 2008 Yigg, (k)eine Alternative mehr?! http://www.sajonara.de/2008/07/03/yigg-keine-alternative-mehr/ – bookmarked by 2 members [...]