16. July 2008

Wandel der Kommunikation

Wenn man im akademischen Feld den Sprachwandel betrachtet, werden einem zum Beispiel solche Phänomene offenbar, die die Wortbedeutung von Mittelhochdeutsch Wib (=ungefähr Weib) zu heute Frau, Fräulein ausmacht – oder wir werden in Lehrbüchern mit einem prototypischen Beispiel vom scheuen Reh drangsaliert. Mir schwant, auch die Kommunikation unterliegt einem Wandel. Ich blogge – wir bloggen. Aber warum tun wir das? Nun, weil wir ein Ventil brauchen, zumindest auf irgendeine Art und Weise kompensieren müssen, was im direkten Umfeld nicht mehr möglich ist. Nachbarschaften veröden auf der einen Seite. Grad dort, wo Wirtschaften verdichten.

Ich stelle mir just die Frage, ob es sinnvoll ist, zu sagen/schreiben, was man denkt? Es gibt zum Beispiel journalistische Formen, in denen man sich ausdrücken könnte. W-Fragen beantworten beispielsweise. Doch unsere Zeit hat offenbar anderes nötig, denn jede Zeit kriegt, was sie verdient. Multimediales Geplapper? Eigentlich ist bloggen mehr. Bloggen ist, sich mitteilen, und zwar auf eine sehr subjektive Art und Weise. Jeder drückt sich so aus, wie sein Bedürfnis nach Aufmerksamkeit es ihm gebietet. Ich glaube kaum, dass es besonders viele Leute gibt, die von Journalisten im Speziellen gelesen werden wollten.

Sprache ist immer auch ein Ausdruck der Persönlichkeit. Sie wird geprägt durch das soziale Umfeld in dem wir uns bewegen. Und wir werden in unserem geistigen Horizont immer schon geprägt durch das, was wir ausdrücken können. Je subtiler unsere Sprache, desto feiner unsere “erfahrene” Wahrnehmung, aber desto komplexer ist sie im Grunde auch. Kann man behaupten, dass der Blog nur von denen dauerhaft verwendet wird, die einen Bedarf anmelden können? Was heißt es eigentlich, sich auf diese immer sehr persönliche und vor allem unterschiedliche Art und Weise auszudrücken?

Wir als Blogger bewegen uns irgendwo zwischen konzeptioneller Mündlichkeit und Schriftlichkeit, also zwischen einem Gespräch von Angesicht zu Angesicht und einem höchst formalisiertem Gesetzestext. Wir sind nicht streng normativ und schreiben kaum immer nur geschwollen. In unseren Texten finden sich umgangssprachliche Floskeln und Wendungen. Je nach Grad an Privatheit, den wir ausdrücken wollen, verändert sich die Sprache. Dabei merken manche von uns gar nicht, wie ihre Texte trotz der privaten, sehr speziellen Schreibe – zumindest potenziell – einer breiten Öffentlichkeit zugänglich sind, viele, von denen wir es nicht gedacht hätten auf unsere geistigen Ergüsse zugreifen könnten. Wer liest, was wir schreiben? Und, warum? Die letzten beiden Fragen erinnern mich an einen Werbespot.

Stellt man sich als Blogger überhaupt die Frage, warum man bloggt? Ich glaube kaum. Echte Blogger – gibt es sowas überhaupt? -, die tun das bestimmt nicht. Die fragen nicht danach, warum sie schreiben, sie schreiben einfach. Der Ton allerdings, er macht die Musik, und der Ton der Blogger zielt irgendwo in eine Mitte. Vielleicht gerade die Mitte, die in der Politik nicht mehr gewürdigt wird? Ich weiß jedenfalls, dass ich dem Impuls gefolgt bin, etwas zu schreiben. Doch eigentlich wollte ich etwa anderes niederschreiben, hab mich aber selbst kasteit. Man kann Energien umlenken. Es geht. Wie weit man damit allerdings auf lange Sicht kommt, wird sich zeigen. Tut, was euch Spaß macht. Denn darin könnt ihr besonders ausgefallene Leistungen zeigen.

Die Überschrift lautet Wandel der Kommunikation. Ich bin der Meinung, dass unsere Zeit sich in eben dem Bereich der Kommunikation nicht mehr mit zu vielen Normen und Regeln auseinander setzen möchte. Wir haben einen Kanal gefunden, in dem wir uns so äußern können, wie uns die Nase gewachsen ist. Beim einen gradlienig, bei anderen schief und krumm. Ich glaube, je länger wir schreiben, desto mehr werden von uns auf der Strecke bleiben, einfach, weil sie Umbrüche in ihrem Leben erfahren, weil sie Schritte tun im Leben. Die Entscheidung zu bloggen, so finde ich, war ein Schritt in meinem Leben. Ich hab mich dazu entschieden, nachdem ich Jahre zuvor eine private Homepage gepflegt habe. Es macht mir Spaß und mein Engagement hat Wurzeln geschlagen. Aber wie erntet man die Früchte? Was, vor allem, sind die Früchte? Ist der Diskurs das Obst der Postmoderne? Philosophisch war’s grad. Irgendwie wird’s das manchmal eben.

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