StudiVZ contra Facebook
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Oder doch eher umgekehrt? Facebook verklagt StudiVZ im kalifornischen San Jose, weil diese das amerikanische Social Network kopiert haben sollen. StudiVZ seinerseits richtet in Stuttgart eine Feststellungsklage in Richtung Mark Zuckerberg. Das deutsche Gericht soll prüfen, dass die Vorwürfe der Amerikaner haltlos seien.
Die Samwer-Krähen
So zumindest der Gedanke von Holtzbrinck. Bereits im März 2007 berichtete Sajonara darüber, dass mit dem Einstieg der Samwer-Gebrüder bei Facebook einiges drunter und drüber gegangen sei, bzw. noch gehen könnte. In den ersten Finanzierungsrunden bei StudiVZ waren nämlich die Samwer-Brüder es, die das Netzwerk groß gemacht haben. Mittlerweile sind sie mit einer Sperrminorität – ja, das Wort gibt es wirklich – an Facebook beteiligt, zumindest aber haben sie einen für unsereins Batzen Geld ausgegeben, um die Vermarktung von Facebook in Deutschland betreiben zu dürfen.
Ehssan und die Medien
Es muss bestimmt merkwürdig sein für Ehssan Dariani, seines Zeichens Business Angel, mitzubekommen, wie verlottert doch das kapitalistische Treiben auf Entrepreneursseite ist. Wenn ich auch sonst keine Anglizismen scheue, bin ich stark dafür, dass man Unternehmer von Entrepreneuren trennt.
Natürlich sei StudiVZ an Facebook angelehnt gewesen, gab Dariani in der F.A.S. zum Besten (vgl. auch FAZ.net). Er hat schon damals (Stalking Videos auf Parties und in der Berliner U-Bahn, nazistil Geburtstagseinladung) nicht gewusst, wie man mit Medien umgeht, und ist heute keinen Deut klüger. So einen Satz kann ein Richter ihm im Mund umdrehen und gegen Holtzbrinck verwenden. Ob die ihn dann gleichsam vor den Kadi ziehen, und Geld zurück verlangen, das StudiVZ demnächst an Facebook bezahlen könnte?
Screenshots vom StudiVZ im Facebook-Blau
Was für Ehssan so natürlich wirkt, ist für manch anderen unterste Schublade. Es gab und gibt im WWW Seiten, auf denen Screenshots abgelegt sind, die zeigen, wie StudiVZs erste Fehlermeldungen in Facebook-Blau schimmerten, oder die Ausgabe von Fehlermeldungen zeigte eine Ordnerstruktur mit Hinweisen zu Facebook. Aber gerade davon will Dariani heute nichts mehr wissen, StudiVZ sei rot, und Facebook blau. Eine Verwechslung nicht möglich.
Dariani bei Aufenthalt in USA inspiriert
Der Grund, warum StudiVZ in seinen ersten Tag allerdings doch auch oft blau war, lag daran, dass StudiVZ Mitbegründer Dariani Facebook immitieren wollte. Nach seinem Aufenthalt in den USA war er dort mit dem Social Network in Berührung gekommen und sichtlich davon angetan. Er suchte sich Leute, die das Konzept Facebook nach Deutschland bringen helfen. Er hat nicht darüber nachgedacht, was er da eigentlich in die Öffentlichkeit trägt. StudiVZ-Fehlermeldungen mit Facebook-Blau?! Ob er an Gedächtnisschwund leidet? Oder vergessen hat, Holtzbrinck davon zu unterrichten.
Inkompetenz auf Seiten der neuen Eigner
Die Damen und Herren dort haben sich nur leider in manchen Interviews in den Tagen der Übernahme selbst nicht mit Ruhm bekleckert. Wir erinnern uns noch genau an die großspurigen Töne eines Konstantin Urban, der im Januar 2007 derart davon überzeugt gewesen ist, StudiVZ sei “sicher”, dass er prompt einige Zeit später eines Besseren belehrt wurde.
Selbst programmiert?!
Mit einem allerdings könnte Dariani Recht behalten. Die Seite hinter StudiVZ musste man selbst programmieren. Dass dies geschah – daran dürften alle, die StudiVZ läger schon beobachten, keine Zweifel haben. Die ganzen Sicherheitslücken und Ausfallpannen sind seinerzeit der (dilletantischen) Programmiererei zu schulden gewesen. Oder? Nicht ganz. Während der Code für das Backend von den Machern neu programmiert werden musste, sind die Verknüpfungen für das Frontend allesamt schon dagewesen. Würde mich nicht wundern, wenn die CSS-Klassen und Bezeichner im HTML-Code in jenen Tagen nicht umbenannt wurden, sondern Überbleibsel aus der Facebook-Kopiererei blieben.
Entscheidungsgrundlage
Und nun wiegelt man ab. Man könnte auch sagen, man lügt dreist. Eins ist klar. Im Bereich der Textarbeit gelten folgende Regeln: Es darf zitiert werden. Allerdings – schon eine nicht autorisierte Übersetzung kann einem als Verstoß gegen das Urheberrecht ausgelegt werden. Da StudiVZ in den Anfängen eindeutig übersetzt hat, wird es schwer, sich von den Vorwürfen gänzlich freizusprechen. Doch – um mal in anderen Kategorien zu sprechen – während die Alliierten sich jetzt gegen Deutschland wenden, könnte uns demnächst noch ein Revival des Kalten Krieges bevorstehen. Denn Russland (vgl. Screenshot) scheint noch nichts davon gehört zu haben, dass man Plagiarismus zumindest vertuschen sollte, damit er nicht auffällt.
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Kategorie Media · Autor Alexander Trust · 1 Kommentar


August 14, 2008 · 5:39 pm
Also meiner Meinung nach sollten sie beide Portale einstellen! Seit Beginn des sogenannten web 2.0 lammetieren Blogger unentwegt quer über die Welt von der Gefahr des Überwachungsstaates, vom Recht auf Datenschutz, vom “Gläsernen Menschen” etc. etc. nur um in nächsten click schön brav auf eines dieser Portale zu gehen und freiwillig so Dinge anzugeben wie: Name, Adresse, Geburtsdatum, besuchte Schule, besuchte Uni, besuchte Kurse, Telefonnummern, email Adressen usw. Und als Bonus gibt man noch alle Freunde und Bekannte an die bei sich ebenfalls eine derartige Glaspolitur anwenden. Denn anmelden kann man sich bei derartigem auch mit Phantasienamen und erfundenen Mailadressen und hat vollen Einblick. Also, beide verklagen!