28. July 2008

Erzähl das Mal R. M.

Benedikt Köhler hat einen Gastbeitrag auf KoopTech formuliert und darin nur gesagt, was auch andere denken könnten, wenn sie denn ihrem konservativen Blickfeld entsteigen könnten. Neue Medien sind zum Teil noch lange nicht gesellschaftlich institutionalisiert. Wir können annehmen, dass das Internet wie eine Geschwulst ist, das immer neue Wucherungen erhält. Immer neue Kommunikationsformen, die den gesellschaftlichen Alltag überformen und die Beteiligten damit konfrontieren, dass ihr Hier und Jetzt anders strukturiert wird.

Diese Vorgänge geschehen latent und ihre Wirkungen spüren die Akteure immer erst spät und vor allem selten direkt. Wir haben uns Gedanken darüber gemacht, warum wir mit so viel Spam zugemüllt werden, und die Hochschulen haben gerade in großen Teilen erst die Email als Neues Medium ihrer Wahl entdeckt, da ist es überholt. Die Generation, die das semantische Web einstens vielleicht in vollen Zügen wird genießen können, sie kommunizieren derzeit eher über Longtail-Applikationen wie Twitter oder nutzen die Ressourcen von Social Networks.

Dabei stellen diese durchaus ähnliche Kommunikationsformen bereit, wie wir sie schon kannten, verpacken diese aber in einen anderen Kontext, nämlich in einen sozialen. Social Networks sind durchaus ein Ort des Tausches von Information. Ein Hort der Kommunikation sind sie geworden. Auch ihre Zeit – wird ihre Zeit irgendwann abgelaufen sein?! Wenn ich jetzt mit Bestimmtheit Ja sage, könnte mich das Schicksal eines Besseren belehren wollen. Doch Benedikt Köhler hat in den Blick genommen, dass wir mit unseren herkömmlichen Messinstrumenten nicht unbedingt in der Lage sind, das Potenzial von Social Networks und anderen Web X.0-Applikation richtig zu bewerten.

In meinen Augen können die Ausführungen von Benedikt Köhler auch und vielleicht sogar besonders auf akademisch-fruchtbaren Boden fallen. Empirische Studien über den Zusammenhang von Messkriterien und Relevanz von Inhalten (so bspw. auch Werbung) könnten sich der Aufgabe annehmen. Aber es gibt auch einige in der Blogosphäre, die die technischen Möglichkeiten hätten, ordentliche Ergebnisse mittels Umfragen zu erzeugen. Die Datensätze könnten wir der Allgemeinheit zur Verfügung stellen, damit Kaffeesatzlesen auch für Otto-Normal-Blogger möglich würde.

Eines bietet der Beitrag von Benedikt Köhler schon jetzt, er bietet genügend Gedanken, um die konservative Kritiker-Welt ins Wanken zu bringen. Mit Ausführungen wie denen von Benedikt Köhler ließen sich manche Grantler und Ewig-Negativ-Schreiber ins Abseits stellen. Denn wir könnten genauso gut den Fokus auf die positiven Effekte von Web 2.0 und Co. legen und trotzdem manch blutsaugerische Entrepreneurs-Mentalität nicht aus den Augen verlieren. Es ist vielfach zu einfach, der Technik die Schuld in die Schuhe zu schieben, schließlich gibt es Menschen dahinter, die sie benutzen.

Mit den Messaggregaten, die Benedikt Köhler in seinem Beitrag vorstellt, könnten wir erste Schritte unternehmen, um Stellschrauben zu entdecken, an denen sich Ressourcen von Social Media freisetzen lassen können. Wir müssten die Erkenntnisse aus einem Teilbereich nicht autark betrachten, sondern könnten Social Networks verbessern helfen. Doch ich hab schon vor einiger Zeit gesagt, wie schade ich es finde, dass StudiVZ niemals im Sinn hatte, akademische Ressourcen freizusetzen. Alles was man getan hat, ist sie an sich zu binden und nun überlässt man sie wieder sich selbst, weil man lange nicht den zweiten Schritt im Sinn hatte.

Social Networks bieten die Möglichkeit, Handeln auf eine sozialere Ebene zu hieven, und auch eine eingebaute Belohnungsfunktion für Leistung. Die anderen kriegen mit, wenn man etwas leistet. Doch: Wie alles hat natürlich auch das seine zwei Seiten. Aber man kann der zweiten entgegenwirken, indem man ein Klima schafft, dass Ausnahmen von der Regel zulässt.

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Kategorie Media · Autor Alexander Trust · Keine Kommentare


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