11. August 2008

Wo I-Dötzchen und Fixer sich die Klinke in die Hand geben

Ich bin umgezogen. Und es ist nicht so, als gäbe es nicht in jeder Stadt, selbst auf manchen Flaniermeilen Orte und Örtchen, da auch Drogenabhängige dort ein Stelldichein geben. Ein wenig grotesk finde ich aber die Situation in meiner neuen, unmittelbaren Wohnumgebung. Nicht weit von unserer neuen Wohnung entfernt findet sich eine Grundschule. Wir hören morgens das Gemurmel von Kinderstimmen und hören die Pausenglocken läuten und die Kleinen auf dem Schulhof toben.

Sobald aber die Abendstunden anbrechen und es dunkel wird, verändert sich die Szenerie jedoch grundlegend. Eine Einrichtung der Caritas, die sich um Drogenabhängige, im weitesten Sinn, kümmert – sie bringt es mit sich, dass des Nachts oder am Abend schonmal düstere Gestalten sich durch die Straßen schlängeln. Man hört Leute schimpfen, fluchen, oder tranceartig vor sich hinsiechen. Aber auch tagsüber begegnen meinen Blicken zugedröhnte Figuren. Ich habe lange genug in einer Einrichtung für Drogen- und Alkoholtherapie gearbeitet – mittlerweile habe ich einen anderen Blick auf meine Umwelt.

Ich persönlich finde es grotesk, wie nah sich diese beiden doch sehr unterschiedlichen sozialen Sphären an dieser Stelle sind, und sich dabei trotzdem nicht in die Quere kommen. Meine Freundin hat beim Treppeputzen schon einmal jemanden dabei beobachtet, wie er hinter der Haustür (draußen) Bewegungen vollführte, die als Silhouette derart anmuteten, dass sie ihn als einen Fixer verrieten. Einige Straßen weiter, sahen wir bei einem Spaziergang auch schon einen leeren Pappbehälter für neue Spritzen herumliegen. Drogenabhängige, vor allem wenn sie dicht sind, sind i. d. R. harmlos. Mich wundert nur, dass den Eltern der Grundschulkinder noch keine Maßnahmen eingefallen sind, wie man die beiden Gruppen voneinander hätte trennen können.

Denn meine eigene Erfahrung hat mich gelehrt, dass die Leute Drogenabhängigen generell eher mit Vorurteilen begegnen. Eine ehemalige Nachbarin wollte ihren Jungen nicht in (m)eine Klinik zur Psychosomatik schicken, zu all den Alkis und Fixern. Die Frau hatte nicht umsonst Berührungsängste mit dieser Klientel, guckt sie doch selbst schon mal zu tief ins Glas und zupft und zerrt dann an anderer Leut’ Gartenblumen. Überall wo ich bislang gewohnt habe und wo ich auch hingekommen bin, habe ich immer Leute angetroffen, die sich durch die bloße Anwesenheit von Drogenabhängigen gestört fühlten. Offenbar ist das in diesem Fall anders. Hier in Aachen, wo I-Dötzchen und Fixer sich die Klinke in die Hand geben.

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