Schreiben wir die Klausur auf Englisch?!
Diese Frage stammt von einem Anglistik-Studenten an der RWTH. Mit Sicherheit ist die nachfolgend von mir skizzierte Situation an anderen Hochschulen ähnlich. Wir dürfen uns getrost fragen, WARUM?!
Anglistik der Musterknabe
Dem Fragenden kann positiv geantwortet werden: Ja, wir schreiben die Klausur auf Englisch. Dabei ist es egal, ob derjenige das Auslaufstudienmodell Magister verfolgt, oder auf Lehramt, Bachelor/Master oder sonst wie studiert. Sprechstundentermine in der Anglistik werden in englischer Sprache abgehalten. Das kann als gute Übung fürs Sprechen angesehen werden. Allerdings nur dann, wenn man besonders oft in die Sprechstunde läuft.
Staatsarbeit trotzdem auf Deutsch
Während des Studiums der Anglistik ist also mehr oder weniger alles in englischer Sprache vorzufinden, Vorlesungen und Seminare werden in der Regel auch auf Englisch abgehalten. Kein kleines Dorf widersetzt sich, wohl aber das Land NRW und andere. Wenn in NRW jemand Lehrer werden möchte, muss er am Ende seines Studiums eine Staatsarbeit abgeben, ein Äquivalent zur Diplomarbeit, zur Bachelor- oder Master-Thesis. Diese wird in deutscher Sprache verfasst. Man kann sich die Arbeit auf Englisch anerkennen lassen, muss dann aber damit leben, dass einem als Fremdsprachler die Fehler wie in der Muttersprache angerechnet werden.
Romanisten auf dem Abstellgleis
Spanisch ist zwar in aller Munde, und wird derzeit nicht nur an Deutschlands Schulen gelehrt und gelernt wie einstmals Französisch. Dennoch gibt es für die Romanisten an der RWTH (und anderen Unis im Lande) keine Aussicht auf vernünftige Qualifikation. Eine ehemalige Bekannte von mir klagte darüber, dass sie während der Schulzeit Spanisch lernte, bei einer Lehrerin, die selbst kaum Spanisch sprechen konnte, sich stattdessen mit einigen Schülerinnen über Inhalte aus beliebte Fernsehserien austauschte.
Wir sprechen und schreiben nicht auf Französisch
Mittlerweile weiß ich sogar, warum das so ist. Die gute Frau hat bestimmt an einer deutschen Hochschule auf Lehramt studiert und wurde bei den Romanisten nur stiefmütterlich behandelt. Denn die Veranstaltungen (Seminare und Vorlesungen) werden in der Regel auf Deutsch abgehalten. Es gibt ruhmreiche Ausnahmen, die sind aber kaum der Rede wert. Und bei den Klausuren während des Studiums? Immerhin wird gefordert, 1/3 auf Französisch oder Italienisch oder Spanisch zu schreiben. “Die Meisten”, so eine Dozentin zu einer Studentin in einer Sprechstunde, “nehmen den Anfang, damit sie zwischendrin nicht durcheinander kommen.”
Warum, sag mir warum?
Während die Naturwissenschaften überlegen, Teile ihrer Veranstaltungen in englischer Sprache abzuhalten, und es zu Diskussionen darüber kommt, ob oder ob nicht… gibt es in den Fächern, die sich mit der fremden Sprache selbst beschäftigen, Lehre und Anwendung in der Muttersprache der Lernenden. Das ist eine zugegeben sehr paradoxe Situation. Wir dürfen weiter fragen: WARUM?!
Hinzufügen zu Technorati, del.icio.us, Mr. Wong, LinkARENA, SEOigg
Tags Anglistik, Bildung, Deutsch, Englisch, Französisch, Hochschule, Italienisch, Lehramt, Naturwissenschaften, Romanistik, RWTH, Spanisch, Staatsarbeit
Kategorie Media · Autor Alexander Trust · Keine Kommentare
