16. August 2008

Gekommen, dich zu schröpfen

Ich mag diese Stadt. Irgendwie. Sie ist keine richtige Großstadt, sie versprüht – vor allem im Sommer – einen leicht mediteranen Flair. Die Rede ist von Aachen, meinem neuen Wohnort. Richtig glücklich geworden bin ich in dieser Stadt aber mit dem Ordnungsamt nie so richtig. Ich habe in all den Jahren viele viele Knöllchen gesammelt – und die Parksituation in Aachen ist in der Tat nicht die Beste.

Umbau der Hochschule bedingt Parkplatzknappheit

An meiner Hochschule begannen vor einiger Zeit, über ein Jahr ist es schon her, Umbauarbeiten größeren Ausmaßes. Parkplätze wurden umgelegt, andere stillgelegt und zu guter letzt wurden die Parkmöglichkeiten für Studierende drastisch reduziert, zumindest auf Zeit. Nun wohne ich “wieder” in Aachen, wie ich es bis vor einem Jahr schon ein Mal für knapp 5 Jahre getan habe.

Uni im Stadtkern

Die Parkplatzsituation rund um die Hochschule ist stellenweise ein Desaster. Hochschulmitarbeiter dürfen in bestimmten Parkzonen exklusiv parken, und die Studierenden haben im Zuge der Umbauarbeiten den Kürzeren gezogen. Die Stadt Aachen selbst hat aber in der Umgebung der zentralsten Hochschulgebäude kaum zwei Parkplätze auf 20 Quadratkilometer, die nicht parkscheinpflichtig wären. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass die Altstadt, der Stadtkern samt Dom, eben in direkter Nähe zur Uni angesiedelt sind. Man ist vom Hauptgebäude der RWTH in nicht mal 5 Gehminuten am Dom. Ein Campus in der City. Keine schlechte Angelegenheit, wenn man eben von der miserablen Parkplatzsituation absieht.

Bewohnerparken oder nicht – das ist heute die Frage

Vor einem Jahr wohnte ich auf 20 Quadratmetern, an einer Stelle, da es keinen Bewohnerparkausweis zu beantragen gab. Mittlerweile sind es für zwei Personen 75 Quadratmeter geworden und wir haben die Möglichkeit einen solchen Ausweis zu beantragen. Doch, eines nach dem anderen. Ich pendelte also eine Weile, weil ich nicht mehr so häufig an die Uni musste. Dies bedeutete aber auch, dass ich mit dem Auto an die Uni heranfahren musste. Einen Parkschein lösen, bedeutet 2 Euro zu zahlen und dafür maximal 2 Stunden parken zu können. Wenn man, wie ich, Veranstaltungen besuchte, die aufeinander folgten, eine der anderen, blieb einem nicht die Zeit, mal eben den Parkschein zu erneuern.

Knolle die billigste Alternative

Doch das hätte auch nur bedingt Sinn gemacht. Denn wenn man den ganzen Tag über an der Uni blieb, hätte man ordentlich löhnen dürfen. Mehr als 10 Euro auf jeden Fall. Ein Parkhaus in der Stadt hätte 10 Euro Tagesgebühr verlangt. Die potenziell billigste Alternative war die folgende: Einen Parkschein lösen, hoffen, dass die Politessen zu der Zeit vorbeikommen würden, in der dieser seine Gültigkeit behielte. 2 Euro und 5 Euro für die Knolle macht nach Adam Riese 7 Euro. Noch billiger kommt man natürlich davon, wenn man überhaupt erst gar keinen Parkschein löst. Was soll ich sagen, über die Zeit habe ich durchaus bald schon einen dreistelligen Betrag an die Stadtkasse Aachen überweisen dürfen.

Zweitwohnsitzsteuer rechnet(e) sich

Das war immer noch günstiger als zuvor. Denn ich zahlte Zweitwohnsitzsteuer in Aachen, da ich hier nicht mit Hauptwohnsitz gemeldet war. Dies hatte steuerliche Vorteile für meine Großeltern, solange ich noch Kindergeldempfänger gewesen bin. Diese Zeiten sind ebenfalls vorüber, doch damals lohnte sich das Rechenexempel. Denn die Zweitwohnsitzsteuer schlug mit knapp 270 Euro zu Buche. Keine Vergleich zu dem Steuerfreibetrag, den meine Großeltern geltend machen konnten, solange ich noch zu Hause gemeldet gewesen bin.

Die Woche hat 3 Tage

Doch zurück zum Ordnungsamt der Kaiserstadt. Die Damen und Herren Politessen haben schon zu Zeiten, da ich hier wohnte, manchmal ein Auge auf mich geworfen. In der Regel habe ich das Auto ein paar Straßen weiter abgestellt und es erst wieder in Augenschein genommen, da ich am Wochenende nach Hause wollte. Unter der Woche habe ich meistens die Besorgungen zu Fuß erledigt und den Gang zur Uni ebenso. Eine Knolle, so weit waren wir schon, kostet 5 Euro. Nicht so im Wiederholungsfall. Der tritt ein, wenn man am nächsten Tag immer noch an Ort und Platz steht, wo man bereits verwarnt wurde.

Vor vier, fünf Jahren hat es sich einmal zugetragen, dass ich montags den Wagen abstellte, und ihn freitags erst wieder benötigte. Ich hatte allerdings ein eingeschränktes Halterverbot übersehen, in der Nacht, in der ich angekommen war. Und der ordnungsamtliche Gesangsverein, meinte, mir einen Husten zu müssen. Sie kamen von DI bis FR drei Mal dort vorbei, wo ich geparkt hatte und ich erlebte mein blaues Wunder. Mehr als 50 Euro hat mich die Parkerei damals gekostet. Aus Schaden wird man klug!

Citroen C1 im Heuhaufen?!

Denkste, denn nun wohne ich wieder in Aachen, und wir stellen unseren Wagen nicht vor die Haustüre, denn dort ist Parkscheinpflicht. Stattdessen parken wir immer einige Straßenzüge weiter. Ein Bereich der nicht mehr zum Bereich Innenstadt zählt und in dem durchaus geparkt werden kann, ohne dafür zu bezahlen. Aber eben auch nicht überall. Es war diese Woche wieder einer dieser unglückseligen Tage. Wir waren abends unseren großen Einkauf tätigen. Luden die Sachen vor der Wohnung aus, trugen sie in die Wohnung und suchten dann einen Parkplatz etwas weiter weg, spazierten von dort gemütlich in die gemeinsame Wohnung.

Das ist zwei Tage her. Heute dann wollten wir noch vor der Bundesliga-Übertragung unsere Einkäufe erledigen. Wir suchten nach unserem Auto, fanden es aber nicht. Wir dachten, wir hatten vergessen, wo wir es abgestellt hatten. Liefen Block um Block ab… waren eine Stunde zu Fuß beschäftigt viele Straßen abzulaufen. Dann kam uns die Gewissheit, der wagen wurde abgeschleppt oder geklaut. Ich rief bei der örtlichen Polizeidienststelle an – selbstredend nicht über die 110, sondern über eine im Internet recherchierte Telefonnummer der lokalen Polizeidienststelle. Hätte ich die 110 gewählt, müsste ich ein schlechtes Gewissen haben, deswegen, weil ich die Notrufnummer wegen einer Bagatelle in Beschlag genommen hätte.

Gestohlen oder abgeschleppt – das ist hier die Frage?!

Und siehe da. Der Beamte konnte mir weiterhelfen. Können wir nun froh darüber sein, dass die Freunde vom Ordnungsamt den Wagen haben abschleppen lassen und wir eine weitere Dreiviertelstunde zu Fuß unterwegs waren, bis wir den KFZ-Betrieb erreichten, an dem wir das Auto abholen konnten?! Besser als geklaut. Aber unsere Einkäufe dürfen wir auf morgen (Samstag) verschieben und natürlich sind wir mit im Augenblick auch wieder ein wenig bedient. 147 Euro und ein paar Cent, durften wir bezahlen, ehe wir den Wagen wiedererhielten.

Selbst Schuld. Natürlich. Wir haben, so wie ich damals, im eingeschränkten Halterverbot geparkt. Von 7 bis 18 Uhr dürfen Autos dort nicht stehen. Und anders als damals wurde ich diesmal eben abgeschleppt, im Wiederholungsfall. Denn an der Windschutzscheibe fand sich ein gelber Hinweiszettel. Ergo hatte man uns an einem Tag ne Knolle verpasst und am nächsten die Geduld verloren. Schade nur, dass das Halteverbotsschild verdreht ist und wir nach einem anstrengenden Tag nicht mehr die Geduld hatten, darauf zu achten. Es wird uns eine Lehre sein. Der Betrag, den wir heute bezahlten, er wird noch ergänzt werden – wir warten noch auf Post. Die Knolle steht ja noch aus, und eben das Ordnungsgeld, das im Wiederholungsfall angeordnet wird.

Bewohnerparken – jetzt!

Nun hat mich dieser Abend dazu bewogen, mich umzusehen, im Netz. Ich hab mich schlau gemacht, über die Möglichkeiten, wie ich einen Bewohnerparkausweis beantragen könnte. Er kostet mich 30 Euro für 365 Tage. Solange ich Student bin und das Auto auf ein Familienmitglied in einer anderen Stadt zugelassen ist, erfülle ich u. a. (es gibt noch andere Fälle) die Kriterien für die Beantragung eines Ausweises. Demnächst können die Politessen sich die Augen reiben, und nicht noch, wie am Tag des Umzugs vor rund zwei Wochen, eine Knolle an meinem Auto anbringen, weil ich während des Möbelpackens nicht daran gedacht habe, den Parkschein nachzulösen. Hoffentlich wird das in Zukunft der letzte Euro gewesen sein, den ich fürs Falschparken in Aachen bezahlt haben werde. Eins ist deutlich geworden: Ich bin leidensfähig. ;)

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