Bewegt ganz Deutschland – wirklich?!
Wie oft lese ich derartige einleitende Zeilen zu Nachrichtenartikeln. Ehrlich gesagt, auch wenn sie in Leitmedien stehen, bringt mich das nicht zur selben Einsicht, die uns dort diktiert wird. Dieselben heißen übrigens ganz willkürlich so, weil sie von ganz vielen Leuten gekauft werden. Dass damit allerdings nicht selten eine eher homogene Zielgruppe angesprochen wird, die vielleicht mit den Lesern oder Hörern oder Guckern eines anderen Leitmediums wenig zu tun haben.
Die Einschaltquoten von Wetten Dass?? oder die Übertragungen von Länderspielen laden dazu ein, zu sagen, wir sprechen hier so viele Leute an, dass wir von jedem Typ vielleicht mal jemanden erreichen. Es geht hier um das Stichwort Repräsentativität. Über das wurde schon viel geschrieben, auch in diesem Blog. Es geht um Hartz-IV-Schnorrer, es geht um kleine Kinder, die verschwinden, es geht um Urlauber, die in einem Flugzeug abstürzen, solche, die irgendwo jenseits von Jericho entführt werden… – Man könnte die Liste der Dinge, die die ganze Nation bewegen noch unendlich länger werden lassen.
Mir persönlich geht diese permanente Relativierung gegen den Strich. Mit derlei Floskel um sich zu werfen nivelliert unser eigenes Verständnis für Dinge, die wirklich wichtig sind. Und zudem kann man die Welt nicht verändern, wenn man sich jedes einzelne Schicksal anschaut. Es sterben täglich Abertausende Menschen, das hindert keinen von uns daran, sich nachts im Bett herum zu drehen. Diese Art von Journalismus, der sich Floskeln bedient, und sie damit zur Bedeutungslosikeit verkommen lässt – ich mag ihn nicht!!!
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Tags Floskel, Journalismus, Repräsentativität
Kategorie Media · Autor Alexander Trust · Keine Kommentare
