10. October 2008

Chrome: Browser-Zahlenspiele (und PR contra Journalismus)

Wir können von Glück reden, dass Chrome im alten Europa scheinbar nicht so gut bei den Anwendern ankommt. Laut ADTECH ist der Marktanteil des Google-Browsers von anfänglich 1 Prozent kurz nach Einführung auf 0,5 Prozent zurückgegangen. Daumen hoch, Europa!

Ich bin über das Infoportal ZDNet auf die Meldung aufmerksam geworden und der Quelle (ADTECH) nachgegangen. Dabei musste ich feststellen, dass ein Großteil der “Nachricht” auf ZDNet dem Text aus der Pressemitteilung entspricht. Das ist kein wirklich guter Stil, aber für schnelle Neuigkeiten in vielerlei Hinsicht im Journalismus heutzutage Gang und Gäbe.

Persönlich halte ich nicht viel davon, Pressemitteilungen ungefiltert an die Leser weiter zu geben. Das tue ich nur äußerst ungern, gleichwie gibt es Momente, in denen einem die Verantwortung obliegt, darüber zu entscheiden. Im PES-Cup-Blog beispielsweise veröffentliche ich aktuelle Pressemitteilungen von Konami, wenn Sie Pro Evolution Soccer zum Inhalt haben, um den Teilnehmern Informationen zu bieten. Stünden mir mehr Ressourcen zur Verfügung, würde ich natürlich auch das anders handhaben.

Anders handhabe ich den Umgang mit Pressemitteilungen indes in anderen Blogs von mir und darüber hinaus habe ich den Redakteuren bei GamePorts in meiner Funktion als stellv. Chefredakteur ganz klar einen Riegel vorgeschoben, Pressemitteilungen ungefiltert durchzuwinken. Im Fall von Computerspielen könnte man als Leser dann schnell glauben gemacht werden, es gäbe lediglich super tolle Spiele. Welche PR-Agentur oder -Abteilung eines Publishers würde sein eigenes Spiel schlecht schreiben.

Umso wichtiger ist es, solche Informationen abzuklopfen. Bei GamePorts wollen wir Journalismus betreiben, und darum heißt es dort für uns, sich mit den Informationen auseinander zu setzen. Ein Beispiel gefällig? Vor kurzem erhielten wir über einen Presseverteiler ein Mail, das absolut nicht auf unsere Zielgruppe passt. Man fragte in dem Mail an, ob die Redaktion bei Gefallen eine Veröffentlichung in Betracht ziehen könnte. Die Spiele für das Nintendo DS, die allerdings beworben wurden, sie waren an eine Altersklasse bis maximal 12 Jahren gerichtet.

Ich ließ den Pressekontakt natürlich nicht dumm sterben, sondern winkte vorzeitig ab, bekundete aber Interesse an einem Interview. Und zwar kam mir in den Sinn, bei der Agentur nachzuhorchen, wie es sich ganz allgemein mit dieser Sorte von Spielen verhält, ob sie im Vergleich zu anderen Spielen für ältere Zielgruppen ähnlich viel Budget bekämen, und ob das Bewerben solcher Produkte nicht tendenziell schwieriger sei. Dies ist in meinen Augen ein konstruktiver Umgang mit Pressemitteilungen. ;) Einfach nur abtippen kann glaube ich jeder.

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