17. October 2008

Haben Stefan Niggemeier und John McCain etwas gemeinsam?!

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Ich glaube ja. ;) Darf ich auch versuchen zu erklären, warum? Ich bin heute von Frederic auf einen Beitrag im Blog von Stefan Niggemeier gestoßen worden. Die Thematik ist schnell erklärt: Bei Popstars auf Pro Sieben hat ein 16-jähriges Mädchen mitgeteilt bekommen, dass ihre Mutter gestorben ist. Nun schwappen mediale Wogen auf, die den Tod offenbar nicht im TV thematisiert haben wollen. Herr Niggemeier ist, soweit ich das verstehe, einer derjenigen, die das persönlich übertrieben finden und die Kritik einer Kollegin anprangert.

Warum wähle ich das Jargon der BILD-Zeitung für meine Überschrift? Nun, weil ich weiß, dass Herr Niggemeier damit herzlich wenig anfangen kann. – Frederic kommentierte heute im Beitrag von Niggemeier. Frederics Meinung nach, könne man einer 16-Jährigen eine derartige Inszenierung des Todes ihrer Mutter im TV nicht antun. Meine Meinung ist das nicht. Der Tod der Mutter ist ein ungewollter und nicht vorhersehbarer Schicksalsschlag gewesen. Gleichwie strebte das Mädchen in die Öffentlichkeit, wollte also dorthin, wo alle Augen auf sie gerichtet sind. Das wird sie im Augenblick des Todes (ihrer Mutter) auch aushalten müssen. Geht anderen Personen des öffentlichen Lebens genauso.

Nun schickte ich mich an, Frederics Kommentar bei Herrn Niggemeier zu beantworten. Inhaltlich in etwa so, wie ich es hier erklärt habe, nur eben mit ganz anderen Worten. Es vergingen kaum Minuten, da war mein Kommentar allerdings gelöscht. Stefan Niggemeier versteht keine Polemik. Das ist nicht sein Niveau. (Dazu später noch ausführlicher.) Das Wort “Austro-Fascho”, mit dem ich Jörg Haider bezeichnete, gefiel ihm nicht, ebensowenig wohl eine Wendung, die ich wahrscheinlich kein zweites Mal so hinbekommen werde. Ich versuche es trotzdem. Ungefähr werde ich also formuliert haben, dass der Austro-Fascho mit knapp 2 Promille im Blut, doppelt so schnell fuhr als die Polizei es erlaubt hätte, bei seiner Flucht aus einem Schwulenlokal. Ich brachte noch Roland Kochs Mutter mit ins Spiel, einzig, weil Roland Koch eine Person ist, die Frederic sehr gut kennt, als JU-Mitglied, das bereits ein Interview mit ihm geführt hat.

Frederic und ich kennen uns. Politisch bin ich selten seiner Meinung. ;) Ich bin also erstaunt über Herrn Niggemeiers Zensur, aber noch erstaunter über seine Begründung:

Ich möchte nur auf dem Niveau Ihres Kommentars nicht diskutieren.

Noch ehe überhaupt die Diskussion hätte beginnen können, schob Stefan Niggemeier ihr einen Riegel vor, und verbot natürlich somit auch, dass andere sich an meiner Polemik reiben könnten. Wie ich dann natürlich kommentierend erwiderte, dass es einfacher sei, mit dem Strom zu schwimmen. Die Aussage von Stefan Niggemeier, mein Kommentar sei nicht ein Niveau, auf dem er diskutieren wollen würde, ist “von oben herab”. Genauso, wie John McCain Obama als “Diesen Da” betitelte und mit dem Finger auf ihn zeigte. Der Vergleich im Titel hat zumindest hier seine Erklärung, ob die Sachlage dem Vergleich standhält ist weniger wichtig.

Was mich jedoch stört, dass es Leute gibt, die mit solchen Automatismen und Floskeln meinen, sie könnten sich nach unten hin abschotten. Das trifft man in der Schichte der Bildungsbürger an, bei den Akademikern, usf. – Lieschen Müller, der Talkshowgast, oder Ütschla Menat, der leider nur gebrochen Deutsch spricht. Immer werden sie aus Diskussionen verbannt und haben kein Mitspracherecht, nur weil es ihnen am (sprachlichen) Register desjenigen ermangelt, mit dem sie aber gerade gerne diskutieren wollen würden. Im Gegensatz zu Lieschen und Ütschla bin ich aber jemand, der sich als Fisch im Register-Wasser eines Niggemeier frei bewegen kann. Ich spreche, wenn ich möchte, seine Sprache. Umso mehr ärgert es mich, dass so getan wird, als wäre in dem Fall die Wortwahl das Argument. Es gibt Personen, die finden natürlich nicht die richtigen Worte, und dürfen diese dann ihre Stimme im öffentlichen Diskurs gar nicht mehr erheben, werden diese abgeurteilt, weil wir, die wir’s können nicht als gutes Beispiel voran gehen können, und sie trotzdem in den Diskurs zu integrieren versuchen?!

Warum zum Geier werden so viele Leute abgeurteilt, und in Schubladen gesteckt? Das verstehe ich nicht. Und ich finde es schade, dass ein BILD-Gegner wie Herr Niggemeier, sich derart konservativ gebärden muss. Es gibt übrigens genug Studien, die Sprache als Mittel der sozialen Schließung erkannt haben. Aber gerade diejenigen, die über mehr Sprachkompetenz verfügen, sollten in meinen Augen diejenigen sein, die anderen unter die Arme greifen. Wäre ich Lieschen oder Ütschla und hätte bei Herrn Niggemeier kommentiert, hätte ich nicht entsprechend dem Niveau von Herrn Niggemeier antworten können und wäre wohlmöglich dauerhaft zur persona non grata geworden.

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Kategorie Media · Autor Alexander Trust · 8 Kommentare


8 Kommentare

  1. Kommentar von stefan niggemeier
    October 17, 2008 · 11:00 pm

    - ich hafte juristisch für Ihren kommentar bei mir. wenn die familie von herrn haider der meinung ist, “austro-fascho” sei eine unzulässige schmähkritik, kann sie nicht nur gegen Sie, sondern auch gegen mich vorgehen.

    - ich habe keinen kommentar von lieschen oder ütschla gelöscht, sondern Ihren. Sie irren sich, wenn Sie glauben, von dem einen auf das andere schließen zu können.

    - und hier haben Sie Ihren kommentar zurück:

    “@Frederic: Tja, so sind die Menschen. Ehrlich gesagt ist das das Schicksal des öffentlichen Lebens. Wenn in der BILD-Zeitung steht, dass die Mutter von Roland Koch jämmerlich krepiert ist, oder der Alpen-Fascho mit Blut im Alkohol doppelt so schnell wie erlaubt die Flucht aus einer Schwulenbar angetreten hat… jetzt halb Österreich Wachs für Kerzen sammelt, und aber die Familienmitglieder angesprochen werden… sagen sie Mal… sind sie nicht diejenigen, welche…??? Das Mädchen wollte Popstar werden, wenn sie das mit 16 versucht, ja mei. Ist das doch ihr Bier. Dass ihre Mutter verstirbt, ist ein Schicksalsschlag, den schon andere Promis miterlebt haben, auch junge Promis, für die das völlig unerwartet kam. Ich weiß nicht, warum man für dieses Mädchen aus deutschen Landen da ne Ausnahme machen sollte.”

  2. Kommentar von T.
    October 18, 2008 · 2:40 am

    Dieser Blog ist ein Vorzeigeobjekt. Ein Vorzeigeobjekt derer, die belegen wollen, daß die Qualität in Blogs unerträglich ist. Wer einen Fuß auf die Straße setzt, der muß auch damit leben, wenn er überfahren wird, das scheint Ihre Logik zu sein. Zu mehr reicht wohl nicht. Argumente wie “Ist doch ihr Bier” könnten von einem Fascho stammen. Auch einem Deutschen.

  3. Kommentar von Cornelius
    October 18, 2008 · 9:37 am

    “Alpen-Fascho” hätte auch ich nicht durchgehen lassen. Schreiben Sie es doch auf eine Pappe und stellen sich damit vor den Wappensaal des Landhaushofes, wo Jörg Haider heute aufgebahrt ist.

  4. Kommentar von Alexander Trust
    October 18, 2008 · 12:12 pm

    Nun, Cornelius, warum sollte ich? Mir ist egal, ob dieses Menschlein noch da ist oder nicht. Ich hab ihn nur als Beispiel benutzt, für diejenigen, die sterben, im öffentlichen Leben stehen und Leute drumherum oder sie selbst dann von dem medialen Rummel eingeholt werden. Das zu realisieren ist hoffentlich nicht zu viel verlangt. ;)

  5. Kommentar von Hilmar Steinhauer
    October 20, 2008 · 1:14 pm

    @ T:
    Argumente wie “Ist doch ihr Bier” können von Menschen jeglicher politischer Gesinnung kommen.
    Sie sind so generisch, dass ein versuchter Rückschluss auf eine eventuelle dahinterstehende politische Gesinnung nur ein Versuch sein kann von der eigenen Argumentlosigkeit abzulenken.

    Vielleicht versuchst Du Dich mal mit einer Qualitätserhöhung dieses Blogs und erklärst uns, warum es nicht die Sache des Mädels ist, ob sie den Tod ihrer Mutter in der Show thematisieren lässt?

  6. Kommentar von Alexander Trust
    October 20, 2008 · 1:21 pm

    Also ich bin der Meinung, dass man das nicht durch Grabenkämpfe und Diskussionen endgültig wird entscheiden können. Diskussionen um das Thema sind ein Stimmungsbild. Mehr auch nicht. Niggemeier hat in seinem Blog nur ein Ventil geschaffen, in dem gerade dann herrlich auf einer Ebene diskutiert wird, die am Ende nicht mehr ist als Smalltalk und sei es auf noch so hohem sprachlichen Niveau, dass er ja selbst anscheinend voraussetzt. Den Kommentar, den Herr Niggemeier mir “zurückgegeben” hat. Ich steh noch heute zu diesen Worte und “check” im Übrigen gar nicht, warum das in irgendeiner Form als Schmähkritik ausgelegt werden kann. Haider hat doch eine rechte, nationalistische Gesinnung zur Schau getragen.

    Der Fall des Mädchens war nur ein Aufreger für Niggemeier. Bzw. die Reaktion einer Journalistenkollegin. Da geht’s doch im Prinzip nur darum, ihre Vorgehensweise an den bloggischen Pranger zu stellen. Wenn er mit ihr hätte diskutieren wollen, hätte er ihr wahrscheinlich einen Brief geschrieben. Aber so kann er erkennen, wie die Blogbesucher denken und wird sich bestätigt fühlen. Ob die Kollegin das mitbekommt ist wieder ne andere Sache.

  7. Kommentar von Hilmar Steinhauer
    October 20, 2008 · 1:49 pm

    Der Kontext macht die Musik, ausserdem hat alleine der Begriff “Alpen-Fascho” schon ordentlich Schmähpotential. Das ist ungefähr so, als würdest Du einen Schwulen als Schwucke bezeichnen, und selbst wenn der das selber täte, könnte es aus Deinem Mund immer noch als Schmähung verstanden werden. Mit solchen Äusserungen ist in der Öffentlichkeit erhöhte Vorsicht geboten, und da kann ich Stefans Vorgehen durchaus nachvollziehen.

  8. Kommentar von Alexander Trust
    October 20, 2008 · 9:47 pm

    Nun, Vorsicht ist geboten. Aber er fand die Bezeichnung eben auch nicht auf seinem Niveau. Ob er das bei solchen und anderen Vokabeln in Zeitschriften wie Titanic genauso sagen würde?

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