30. October 2008

Wikipedia: Wissen war nie so billig

Ich kann mir schon vorstellen, warum es bei der Wikipedia Pedanten und Hüter des Wissensgrals en masse gibt. Aber wenn ich sehe, was manche Leute für eine naive Vorstellung haben, dann muss ich meine Ansichten korrigieren. Vor einiger Zeit hat Sven Koslik bei dem Jobportal “Bloggerjobs” eine Anfrage aufgegeben. Herr K. sucht jemanden, der sein Blog wikipedianisiert.

Wir wissen, dass Google Blogs nicht mag. Wir wissen aber auch, dass Google es honoriert, wenn Seiten von Wikipedia verlinkt werden. Wir wissen ebenfalls, dass Wikipedia Blogs nicht als kulturelles Artefakt interpretiert und deshalb in der Regel sofort wieder ausspuckt.

Koslik möchte sein frisches Blog pushen und es ist ihm offenbar 15 Euro wert, dass mixcd auf Wikipedia erscheint. Wie genau, Herr K. wollen sie mir, einem Freund von Blogs, erklären, was an ihrer noch jungen Halde von CD-Schnipseln, die sich kaum von Amazon-Produktseiten unterscheidet, als tradierbares kulturelles Gedankengut durchgehen kann? Ich bin echt erstaunt, dass es Leute gibt, die wirklich so naiv sind, und die vor allem aus der Wikipedia eine Farce machen.

Ich habe nicht versucht, Sajonara als Blog in die Wikipedia zu bekommen, warum auch. Ich habe aber auf meinen Blogs und anderen Seiten im Netz auch Informationen hinterlegt, teils in Form von Seminararbeiten oder aber wissenschaftlichen Exzerpten, Kommentaren, wie auch immer, so dass es durchaus möglich ist, dass einige meiner Informationsschnipsel hin und wieder mal gewürdigt wurden, und man sie in der Wikipedia verlinkte. Wohlgemerkt, irgendjemand hat das getan, den ich nicht kenne. Teils habe ich selbst versucht, bei Artikeln, die ich bearbeitet habe, eigene Dokumente zu verlinken. Aber ich würde jetzt auch nicht auf die Idee kommen, eine Wikipedia-Seite zu meiner Person zu erstellen. Vielleicht ist ja die Person Koslik so viel interessanter als mixcd – und man könnte versuchen, Daten zur Person bei Wikipedia zu erfassen. Na? Wär das nichts?

Ich hab einen Roman veröffentlicht, ein zweiter wird folgen. Ich habe mehr als zwei Romane voll an Informationen im Netz publiziert, im Bereich Gaming, Politik, Wissenschaft, Poetik und anderen mehr. Man kann mich fleißig nennen, was Textproduktion betrifft. Ich schreibe sehr viel. Trotzdem kam mir nie der Gedanke, dass ich Leute dafür bezahlen muss, dass sie über mich schreiben. Den Gedanken finde ich ein wenig mehr als nur merkwürdig, wenn ich ehrlich sein darf. Vielleicht ist Koslik aber ja ein netter Zeitgenosse, und eben wirklich nur naiv. Es gab Zeiten und gibt sie immer mal wieder, in denen ich es auch bin. Z. B., als ich hoffte, die Blogs in Deutschland zählen zu wollen, oder annahm mit gestandeneren Bloggern kooperieren zu können.

Bestimmt sogar ist Koslik nicht zu schlecht für diese Welt. Auf mixcd gibt es beispielsweise (im Augenblick), so weit mir das aufgefallen ist, keine Form von Werbung. Er möchte sich also nicht bereichern, noch nicht jedenfalls. Aber das kann auch daran liegen, dass er derzeit noch nicht viel zu bieten hat, an Informationen, die sich monetarisieren ließen. Seine Anzeige bei Bloggerjobs indes empfinde ich als Aufruf zur übelsten Web-Prostitution.

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Kategorie Media · Autor Alexander Trust · Keine Kommentare


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