Ein Creative Director zum Ende von Lycos
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Im Agenturblog schreibt der ehemalige Creative Director von Lycos Europe zum Niedergang von Lycos. Tschuldigung, dass das an mir vorbei gegangen ist. Aber es ist mit so vielem in unserer Welt, es gibt einfach zu viel Information und zu wenig Zeit, sie aufzusaugen. Mag sein, dass es ein mediales Echo gab. Es ist jedoch nie bei mir angekommen. Das mag einige verwundern, anderen bekannt vorkommen.
Ich finde den Beitrag des Creative Directors gut. Zum Beispiel deshalb, weil er anbietet via Xing oder Kontaktformular Firmen und Privatpersonen die ehemaligen Programmierer von Lycos zu vermitteln, von denen er denkt, dass sie besonders gut seien. Das zeigt, dass jemand durchaus Mitleid hat mit denjenigen, die ihren Job verlieren. Außerdem interessant sind die Gründe, die der ehemalige CD angibt, warum es denn mit Lycos Europe gescheitert sein könnte. Einige, vor allem diejenigen, die von außen kommen, sind offensichtlich. So wie in der Gesellschaft schnell die Globalisierung zum Feind auf den Gemeinplätzen auserkoren wird, hat es hier ebenfalls die Konkurrenz erwischt. Es gibt den Riesen Google und der David Lycos hatte nie eine echte Chance?! War es so? Auch der CD sagt, dass das bestimmt zu einfach gedacht ist.
Er analysiert die Entwicklung, freut sich, dass Projekte wie Lycos iQ entstanden sind – was geschieht eigentlich mit diesen? – und tut außerdem etwas, mit dem ich nicht gerechnet hätte. Er schreibt davon, dass er trotz des Aus’ von Lycos Europe weiter an seinen eigenen Unternehmungen festhalten wird. Das Zugpferd dabei ist offenbar Medpreis.de, ein Preisvergleich für Medikamente. Wenn es wohl aber nicht das einzige Projekt des ehemaligen CDs ist, fällt mir spontan eine Analogie zur Politik ein. Es gibt Abgeordnete, die zum einen ihre Funktion im Bundestag oder Bundesrat, Landtagen oder sonst wo nachgehen, gleichzeitig aber in Vorständen sitzen, Firmen beraten, etc. pp.
Liebe Leute, kann es nicht auch sein, das man selbst ein klein wenig dazu beigetragen hat – ich möchte niemandem zu nahe treten -, dass Lycos das geworden ist, was es ist? Für mich, der ich wahrscheinlich eine ganz ganz ganz naive Vorstellung von solchen Dingen habe, ist es nicht miteinander vereinbar, wenn man neben seiner Beschäftigung noch “private Unternehmungen” hat. Ich kann natürlich nicht beurteilen, wieviele Ressourcen diese geschluckt haben. Trotzdem lässt mich das mit der Stirn runzeln.
Für mich gibt und gab es zudem immer auch meine privaten Unternehmungen, die ich parallel zu Lycos betrieben habe, insbesondere natürlich MedPreis.de. Diese wird es natürlich weiter geben. (Agenturblog)
Ein “dickes Ding” wie Lycos Europe – man hätte doch jeden Tag – den ganzen Tag – dran arbeiten können. Erst recht wenn man in Positionen steckt, die das ermöglichen. Wahrscheinlich war es mit 8-Stunden-Tagen nicht getan, doch was, wenn man sich darüber hinaus noch mehr engagiert hätte? Ich glaube nicht, dass man so, wie es jetzt ausschaut, sagen kann, man hätte “alles” getan, um den Lauf der Dinge abzuwenden. Mit welcher Selbstverständlichkeit dort oben im Zitat von den Dingen geschrieben wird, die einen daneben noch bewegt haben – ich denke daraus spricht mit ein Grund, vor allem, weil wahrscheinlich viele der Mitarbeiter das Ding eben nur “als” ihren Job angesehen haben, dass eben Lycos bald die Lichter ausknippst.
Projekte wie Medpreis, so Oliver Wagner (vgl. Kommentar) seien allerdings bereits vor seiner Zeit bei Lycos entstanden und nicht als Hauptaufgabe von ihm betreut worden. So scheint es, dass er doch ein Großteil seiner Zeit für den Job aufgewendet hat.
Ein wenig schade ist trotzdem, wie unreflektiert solche Gedanken dann weitergekaut werden, in durchaus prominenten Blogs.
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Tags Agenturblog, lycos
Kategorie Media · Autor Alexander Trust · 3 Kommentare


December 3, 2008 · 5:01 pm
Danke für Deine ausgewogene Auseinandersetzung mit dem Thema Alexander.
Und Du hast sicherlich Recht, dass meine Ausführungen in dem von Dir zitierten Absatz Raum für Interpretationen lassen – genau wie Du sie angestrengt hast. Natürlich kann man nicht parallel auf vielen Hochzeiten tanzen. Meine eigenen Projekte, insbesondere MedPreis.de haben ihren Anfang weit vor meiner Zeit bei Lycos genommen. Die operative Tätigkeit habe ich auch währenddessen nicht selbst übernommen, das wäre auch gar nicht zu leisten. Insofern ist “betrieben” vielleicht nicht der richtige Ausdruck.
Hoffe das trägt so zur Aufklärung bei,
Grüße,
Oliver
December 3, 2008 · 5:22 pm
Ich find’s auch schade, dass die Konkurrenz die Segel streichen muss, nutze, wenn es geht andere Möglichkeiten. Aber im Prinzip gibt es im Bereich Suchmaschinen viele Player, die alle was am Stecken haben. Yahoo mit China, Google mit dem Datenschmutz, usf. – jedenfalls schön zu hören, dass meine Mutmaßungen keinen Torf finden. Ich hab im obigen Artikel deshalb auch noch einen Absatz hinzugefügt.
Nichts für Ungut und weiterhin frohes Schaffen.
December 3, 2008 · 5:24 pm
Mir fällt da noch etwas ein, vielleicht magst du das zum Anlass nehmen, deinen eigenen Artikel noch durch so eine Äußerung zu ergänzen, das eben vielleicht der falsche Eindruck gar nicht erst entstehen kann.