Veröffentlicht am 5. Dezember 2008 von Alexander Trust
Wir alle haben eine Vorstellung, eine grundlegende jedenfalls, was wir unter einem Medium verstehen. Wir haben natürlich auch eine Idee, was der Plural, nämlich die Medien für uns sind. Dabei brauchen wir vom Alltagsverständnis zunächst einmal gar nicht weit weggehen. Wir setzen dann noch den Begriff der Sprache “daneben”.
Sprache und Medien, so könnte man meinen, sind etwas Verschiedenes. Es gibt auf theoretischer Seite, bzw. im akademischen Feld der Linguistik Gedanken, die begründen, warum das so ist. Unser Verständnis von dem, was ein Medium ist, ist in der Regel technisch fundiert. Medien werden heutzutage oft als Massenmedien interpretiert, aber in erster Linie als Geräte (oder Institutionen).
Ebenso, wie wir im Alltag eine solche eher technikorientierte Auffassung von einem Medium haben, so galt/gilt dies ebenfalls für die Geistes- und Kulturwissenschaften. Computer, Internet, TV, usf. werden mithilfe von Kommunikationsmodellen analysiert, die wenig vom einstigen Sender-Empfänger-Modell aus den späten 1940er Jahren abweichen. Diese Phänomen bewertet Ludwig Jäger als Sprachvergessenheit der Medientheorien, bzw. der medientheoretischen Diskurse.
Umgekehrt hat die Sprachwissenschaft sich sehr stark mentalistisch orientiert. D. h. Sprache wurde als etwas gesehen, das ein rein innerlicher Prozess sei. Und selbst der Prozesscharakter wurde oft nicht in den Blick genommen. Die medialen Eigenschaften der (oralen) Sprache, die sich vor allem in den Äußerungen selbst konstituieren, also im Sprechen, blieben lange unberücksichtigt. Jäger gab diesem Phänomen die Bezeichnung Medienvergessenheit der Sprache. An diesem Punkt knüpfte Jan Georg Schneider an. In einem Beitrag der Online-Zeitschrift Trans macht er sich für Jägers Argumentation stark und bemüht Wittgensteins Privatsprachenargumentation, um Jägers These zu stützen. Aus der Anwendung von Sprache (in Sprachspielen) und allen Konsequenzen, die sich daraus ergeben, folgt, einfach gesprochen, dass Sprache ein Medium ist.
Nun galt/gilt es also zwischen Sprache und Medien zu vermitteln. Damit der Blick auf das, was ein Medium sei sich verändere. Und damit die Analyse eine andere werde. Man könnte davon schreiben, dass die Analyse fruchtbarer werde, doch dies ist eine Hoffnung, die ich zwar teile, aber der akademischen Tugenden wegen nicht vorlaut posaunen möchte.
Jan Georg Schneider, Linguistik, Ludwig Jäger, Massenmedien, Medien, Medientheorie, Medium, Privatsprache, Sprache, Wittgenstein
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