18. December 2008

Rechtsschutz für Blogger

Bevor ich mich gleich in die Heia begebe, möchte ich noch ein paar Worte verlieren. Ich habe bis eben noch an einem Thesenpapier für die morgige Präsentation meiner Magisterarbeit gewerkelt. Meine Arbeit wird weitgehend im Bereich Medientheorie/Kulturwissenschaft anzusiedeln sein. Eigentlich wollte ich mich voll auf die Präsentation konzentrieren, doch manchmal kommen einem unangenehme Dinge dazwischen, die einen vor allem nervlich belasten.

Ein Fall wie der gleich geschilderte ist mir bislang wahrscheinlich noch kein Dutzend Mal vorgekommen, doch je länger ich das Blog hier und andere Internetprojekte betreibe, desto öfter wird es zu solchen Situationen kommen. Vor einigen Tagen jedenfalls bloggte ich über die Inkompetenz von jemandem, der sich bei Bloggerjobs mit einer Anzeige zur Schau stellte, die nicht der Rede Wert gewesen ist. Trotzdem machte ich daraus einen Blog. Denn wenn jemand inseriert, dass er mit Texten Geld verdienen möchte, wie die entsprechende Person es tat, dann wirkt es sehr unseriös, wenn die Texte kaum der Orthographie entsprechen und die Grammatik ebenfalls zu wünschen übrig lässt. Kein wirkliches Aushängeschild.

Ich erhielt also irgendwann mitten in der Nacht eine Drohgebärde per Mail, die sich anders als das Inserat bei Bloggerjobs relativ korrekt in Beamtendeutsch las. Mir wurde ans Herz gelegt, den entsprechenden Artikel zu löschen, binnen 24 Stunden, ansonsten würden mir durch eine potenzielle Unterlassungserklärung weitere Kosten entstehen. Da ich dieses Blog und die anderen Projekte bisher (neben dem Studium) rein privat führe, habe ich keine Ressourcen für eine Rechtsschutzversicherung (RSV) über. Noch dazu es 1001 Klausel gibt, was eine RSV beinhalten kann und was nicht. Trotzdem ärgere ich mich immer wieder, dass ich solchen Drohgebärden “mehr” oder “weniger” entgegenkommen muss, da ich ansonsten schnell in eine Situation geraten könnte, die meine private Existenz gefährden könnte.

Zensieren lassen möchte ich mich allerdings ungerne, vor allem, wenn ich mir einbilde, die Wahrheit zu sprechen. Und so suchte ich in diesem Fall die Kommunikation mit Person X. Es wurde offenkundig: Die Drohmail wurde von jemand anderem verfasst. Denn die direkte Replik auf mein Mail war wieder von Fehlern durchsetzt und ziemlich umgangssprachlich formuliert. Leichtsinnig wie das Gegenüber war, schrieb es mir “in etwa” folgenden Wortlaut: Sie können gerne über andere Firmen derart berichten, aber nicht über mich. – Spätestens das war der Punkt, an dem ich Oberwasser gewinnen konnte, weil ich dezent daruaf hinweisen konnte, wie sehr sich etwaige Rechtsanwälte und vor allem Richter an solchen Worten aufhängen würden. Mit diesen Worten hatte die Person X sich quasi selbst in den Sumpf geworfen und mit einem Haarschneidegerät kurzen Prozess gemacht. Im ersten Moment war also keine Rettung dadurch möglich, dass man sich selbst an den Haaren aus dem Dreck zog. Es ist durchaus nicht immer so einfach, und ich musste manches Mal in der Vergangenheit Artikel von mir löschen, um nicht einer Unterlassungserklärung entgegen zu steuern. Es ärgert mich nicht nur, dass ich keine RSV habe, sondern es ärgert mich zudem, dass es Leute gibt, die bei all ihrem Dilletantismus, den sie an den Tag legen, nicht mal kritikfähig sein wollen.

Ich warte z. B. nur auf den Augenblick, da ich einem Erotikspammer aus dem hohen Norden eines Tages den Zahn ziehen kann. So oft uns alle Erotikspam erreicht, in nicht wenigen Fällen handelt es sich, trotz unterschiedlicher Adressen immer wieder um denselben Hannes. Zumindest führen viele der Links immer wieder auf Angebote von ein und demselben Menschen zurück. Leider, leider, leider habe ich vor 2 Monaten einen Festplattencrash gehabt. Der Schreib-Lesekopf ist hinüber und der mechanische Schaden hat zur Folge, dass man die Daten nicht so ohne Weiteres auslesen kann. Für teuer Geld könnte ich an zwei Links kommen, die ich damals gesammelt hatte, und die nachweisen können, dass eine in einer Spammail beworbene Frau nur ein australisches Erotikmodell ist und eben nicht Nadine, Emilie, Sarah, Lena, Sabine oder sonstwie heißen kann.

Interessant ist außerdem, dass die Unterlassungserklärung in meinem Fall immer nur als Mittel der Drohung eingesetzt wurde. Schade, dass ich bislang noch viel zu viel Nachsicht walten lassen muss mit manchen Gaunern und Halsabschneidern, die versuchen mit wenig seriösen Ideen sich zu bereichern. Ich weiß, dass ich mich manchmal sehr kräftigen Ausdrücken bediene. Ich weiß aber auch, dass ich nie beleidigend bin, geschweige denn für irgendjemanden geschäftsschädigend. Vor allem nicht, wenn es sich um dubiose Geschäfte handelt auf Kosten Ahnungsloser. Da wollte mir doch tatäschlich jemand einmal einen unlauteren Wettbewerb nachsagen, bis dass ich ihn darüber aufgeklärt habe, dass er und ich nicht in Konkurrenz zueinander stehen, weil dieses Blog hier eine “berichtende” oder “kommentierende” Funktion hat, nur eben lange nicht die Geschäftsziele, die das kritisierte (1, 2, 3.Mann-)Unternehmen hat(te). Es ist schon obskur, wie manche dann zu argumentieren versuchen, wenn sie sich ertappt fühlen.

Für die mittelfristig Zukunft werde ich mich allerdings mit einer RVS ausstatten und mich zudem besser in Rechtsfragen informieren, damit ich noch selbstbewusster gegenüber gewissen Halsabschneidern auftreten kann. Falls jemand außerdem interessante Informationen zu dem Thema hat, oder mir eine Anlaufstelle empfehlen möchte, bei der ich einen Rechtsschutz finde, der auf Blogger passt – ich bin ganz Ohr.

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