Warum DAS trotzdem nix werden muss
Ich versuche unvoreingenommen zu sein, denn: Ich besitze ein iPhone. Bei DE:BUG hat man offenbar eine Verbundenheit mit Palm. Die darf man gerne haben. Vor Jahren war ich selbst Besitzer eines PALM III und mochte das Gerät relativ gut leiden. Nun preisen DE:BUG Palms neues Pre-Modell als ernstzunehmenden iPhone-Killer an. Warum? Es basiere auf Linux. Es liefe bereits jetzt äußerst stabil, obgleich es noch ein Vorzeige- aber kein Serienmodell sei und weil es über eine Tastatur verfüge.
StudiVZ ist bestimmt nicht das Bessere Facebook. Und trotzdem haben wir gesehen, wie es in Deutschland zum Marktführer unter den Studentennetzwerken wurde. Was am Ende überlebt am Markt, sind “nicht immer” die besten und innovativsten Dinge, sondern vor allem jene, die zuerst da sind und um die genügend Geschrei gemacht wird. Apple hat zwar nicht das erste Touchscreen-Handy gebaut, dafür aber in der sogenannten westlichen Welt in Mode gebracht. Denn in Asien gibt es Touchscreen-Handys schon viel länger.
Ich weiß nicht, was genau an Linux ein Vorteil sein soll. Ich selbst habe Linux beizeiten genutzt und auf einigen Rechnern installiert gehabt, ja sogar mal auf einer D-Box. Linux hat einen stetig wachsenden Benutzerkreis, schreitet jedoch in sehr gemächlichem Tempo voran. Die Zeiten, in denen Linux als komplex zu bedienen galt sind aber noch lange nicht vorbei. Manche Anwendungen, Hardware, etc. pp. stellt die Nutzer vor extreme Schwierigkeiten, müssen sie doch teils immer noch selbst Hand anlegen und Kernel oder Teile davon kompilieren, sich in der Kommandozeile bewegen. Es ist besser geworden, was die Usability angeht, doch der Stein der Weisen sieht anders aus. Ein Betriebssystem sollte auch funktionieren können, ohne dass man selbst Hand anlegen muss, jedenfalls denkt so der normale Computernutzer, zu dem ich mich nicht zähle, weil ich seit meinem 7ten Lebensjahr mit Rechnern zu tun habe und eine Affinität im Umgang mit den Geräten besitze. Wenn man mal in einer Vorlesung mit 300 Studenten gesessen ist, und 95% davon eine Einführung in eine Literaturverwaltung als schwierig empfinden, kann man sich denken, warum ich ohne arrogant zu wirken durchaus einen Vorsprung an Wissen für mich selbst in Anspruch nehmen kann.
Zurück zum Pre: Es ist gut möglich, dass das Gerät eben nicht der große Hoffnungsträger wird. Immerhin bewegt sich der Markt und Palm hat heute nicht weniger Konkurrenten als damals. Denn seinerzeit waren Palmtops eine eigene Geräteklasse, und Hersteller wie HP, DELL und andere haben dort mitgemischt. Heute bewegt sich Palm mit dem Pre nicht mehr auf so einem Parkett, sondern auf einer viel größeren Bühne auf der Firmen aus der ganzen Welt um die Gunst der Käufer von (Touchscreen-)Smartphone-Handys buhlen. Die Einschätzung des DE:BUG-Autors ist meiner Meinung nach viel zu optimistisch.
Apple hat mit iTunes einen mobil erreichbaren Musikladen geschaffen. Von überall auf der Welt kann ich mir neue Musik besorgen. Palm hat in dem Bereich absolut keine Kooperationen vorzuweisen. Apple hat aus dem Gespann von iPhone und iPod Touch eine mobile Spielekonsole gemacht. Spielehersteller wie EA, SEGA, Konami und viele andere mehr beliefern das Gerät sukzessive mit Titeln, die nicht mehr als Casual Games einzustufen sind. Auch hier hat Palm nichts dagegen zu halten. Ich bewerte das nicht, möchte das gar nicht notwendig schlecht machen. Wenn man allerdings hofft, dass der Palm PRE ein iPhone-Konkurrent werden soll, dann muss er eben etwas zu bieten haben.
SEGA ging mit seinem Game Gear oder dem Nachfolger Nomad, der nur in USA und Japan erschien, gegen die Konkurrenz von Nintendos Game Boy baden. Das Game Gear hatte Farbe zu bieten, doch die Funktionalität alleine konnte da nicht den Ausschlag geben. Der Ur-Gameboy hatte immerhin nur Graustufen anzubieten. Nintendo war aber darüber hinaus zum einen früher dran und zum anderen konnte man ein viel größeres Angebot an Software vorweisen. Der Palm PRE verfügt über eine Tastatur, das ist aber kein Alleinstellungsmerkmal. Die Konkurrenz – allen voran BlackBerry haben ebenfalls (schon Jahre) eine Tastatur im Angebot, also auch Erfahrung damit. Gründe warum der PRE ein iPhone-Killer werden könnte haben DE:BUG in meinen Augen jedenfalls nicht genannt.
Update: Ach ja, ergänzend sei noch angefügt, dass Timo ein paar Stimmen aus dem angelsächsischen Bereich verlinkt hat, die ebenfalls hellauf begeistert vom PRE zu sein scheinen. Ob das allerdings wesentlich viel an der Ausgangssituation ändert, wage ich zu bezweifeln.
Hinzufügen zu Technorati, del.icio.us, Mr. Wong, LinkARENA, SEOigg
Tags Game Gear, iPhone, Konami, Linux, Nintendo, Nomad, Palm Pre, SEGA
Kategorie Media · Autor Alexander Trust · Keine Kommentare
