Veröffentlicht am 13. Januar 2009 von Alexander Trust
Vorweg sei gesagt: Ich denke, dass man mehr vom Bloggen hat, wenn man zu bestimmten Uhrzeiten bloggt. – Schon in meiner Kindheit habe ich viel Zeit im Internet verbracht, regelmäßig auch zu Unzeiten, in denen viele meiner Mitbürger in Deutschland schliefen. Das hatte viele Gründe. Zum Beispiel habe ich mich mit Bekannten via Instant Messenger ausgetauscht, die in Kanada oder den USA leb(t)en. Ebenfalls hilfreich war die Zeitverschiebung, um die Informationen aus diesen Teilen der Welt frisch abzugreifen und nicht erst am nächsten Morgen, wenn andere es potenziell schon hätten wissen können. Ich bin noch immer in gewissem Grad ein Nachtmensch, wie die Leser dieses Blogs hin und wieder an den Uhrzeiten der Blogbeiträge mitbekommen haben dürften.
Bei Onlineauktionen ist es wichtig, dass man auf die Uhr schaut. Man sollte Auktionen möglichst zu Zeiten enden lassen, da der berufstätige und deshalb kaufkräftige Teil der Bevölkerung auch vor dem Rechner sitzen und mitbieten kann. Ähnlich wichtig ist es allerdings auch, bei der Veröffentlichung von Blogbeiträgen, den richtigen Zeitpunkt zu finden. Für die deutsche Blogosphäre beispielsweise vergeude ich einiges an Potenzial, dadurch, dass ich entweder zu früh oder aber zu spät blogge.
Wenn ich besonders früh dran brin, dann kann ich wegen der durchaus eingeschränkten Bekanntheit von Sajonara nicht selten damit rechnen, mit meinen Beiträgen in der Blogosphäre und anderswo nicht berücksichtigt zu werden, auch wenn ich vielleicht der erste oder einer der ersten hätten sein können, die über ein Thema berichtet haben. Zu spät dran bin ich dann, wenn ich Themen verwerte, die über den Tag verteilt in der deutschen Blogosphäre stattgefunden haben. Ich greife sie dann erst auf, wenn der Zenit schon überschritten ist.
Natürlich schreibe ich auch nicht über alles und meine Blogmotivation lasse ich mir eben auch nicht verbiegen, nur weil ich dadurch vielleicht bessere Chancen hätte “anzukommen”.
Anderen Leuten ist es aber vielleicht doch wichtig, das Potenzial voll auszuschöpfen und nicht zu viele Ressourcen auf dem Weg liegen zu lassen. Ihr soltet schauen, dass ihr eure Themen bearbeitet und eure Beiträge veröffentlicht in einer Zeit, da das Gros der Bevölkerung arbeitet – also irgendwann zwischen 10 und 18 Uhr. (Klar gibt es auch Leute, die zu anderen Zeiten schaffen müssen.) Primetime im Netz ist leider nicht 20:15 Uhr. Da nämlich kann es sein, dass der Fernseher in manchen Zielgruppen schon wieder die höhere Priorität genießt.
Bedenken sollte man außerdem die eventuelle Verzögerung auf dem Distributionsweg “Feedreader”. Denn nicht jeder Nutzer aktualisiert seine Feeds regelmäßig. Es gibt Leute, die ihre Feeds allerhöchstens 1, 2 Mal am Tag checken. Wenn man dann nicht dabei ist, kann man erst “morgen” wieder darauf hoffen, zum Zuge zu kommen. Dann allerdings ist der zug in den meisten Fällen schon abgefahren und die virale Verlinkung hat bereits ihren zenit überschritten. Es mag übrigens manchen von euch total plausibel sein und ihr werdet fragen, warum ich überhaupt darauf hinweise. Doch wer schaut beim (professionellen) Bloggen auf die Uhr? Diejenigen, die das Ganze etwas seriöser betreiben wollen, sollten es tun. Jedes Medium hat gewisse Zeitkorridore, in denen es häufiger frequentiert wird. Tageszeitungen werden auch deshalb früh morgens gedruckt, damit sie die Möglichkeit haben über den ganzen Tag verteilt gekauft zu werden. Und in der Tat lesen viele, sehr viele Leute ihre Zeitung entweder beim Frühstück oder in der Mittagspause. In den Abendstunden beschäftigt sich der Durschnittsbürger in der Regel mit anderen Dingen.
Wer indes in Englisch bloggt oder bloggen möchte, der sollte seinen Tagesrhytmus umstellen, um den Anschluss an die Blogs aus Übersee nicht zu verlieren. Jeder Blogger, der über Zugang zu Statistiken verfügt, kann das, was ich hier behauptet habe übrigens selber recht leicht nachvollziehen. Am Wochenende kann man übrigens auch mal die Füße hochlegen, weil in der Regel die Netzkundschaft da anderen Aktivitäten nachgeht. Vielen Toppblogs schadet es nicht, wenn sie am Wochenende nicht mit neuen Inhalten aufwarten können. Basic Thinking ist nur ein prominentes Beispiel. Unser ganzes Informationsgefüge richtet sich nach der Berufswelt aus. Ergo sollten wir Blogger das auch tun, wenn wir unser Potenzial möglichst gut ausschöpfen wollen. Pressemitteilungen von Firmen erhält man jedenfalls in der Regel nur an Werktagen und an Wochenenden oder Feiertagen klagt die Mailbox bald schon über gähnende Leere – wäre da nicht der Spam, der wirklich kaum zur Ruhe kommt.
*Foto von Rike (Pixelio)
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