14. January 2009

Nicht “Jedem den Seinen”

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Screenshot n-tvESSO und Tchibo haben eine gemeinsam initiierte Werbekampagne abgeblasen (vgl n-tv). Der Tankstellenbetreiber und der Kaffeeröster hatten nicht damit gerechnet, dass in Deutschland die NS-Vergangenheit immer noch ein heikles Thema sei. Noch dazu wird diese Gelegenheit oft genutzt, um künstliche Barrieren im Sprachgebrauch zu erzeugen. Man spricht von politisch korrekten Aussagen. Die beiden Unternehmen hatten mit dem Spruch “Jedem den Seinen” für individuelle Kaffeesorten werben wollen. Den Ursprung hat die Redewendung “Jedem das Seine” offenbar in der Antike, gleichwie wurde derselbe Spruch auch im NS-Regime verwendet und steht sogar über dem Eingangstor des KZ Buchenwald.

Persönlich bin ich der Auffassung, dass wir uns durch dieses Handeln das Leben nur schwerer machen. Sprache kann ihre Bedeutung nur verändern, wenn sie im Gebrauch ist. Von uns würde doch beispielsweise keiner auf die Idee kommen, eine Frau im Alltag “Weib” zu rufen. Genau das war allerdings im Mittelalter die normale Bezeichnung. Mit Frouwe (Frau) war eine Dame vom Hof gemeint. Wenn ihr demnächst jemanden Weib nennt, verweist einfach aufs Mittelalter und diese Person sollte sich dann möglichst nicht mehr auf den Schlips getreten fühlen. Das funktioniert nur leider nicht.

Und die Bedeutung, die das NS-Regime dieser Wendung aufgebürdet hat, sie kann nicht verschwinden, wenn wir uns nicht dazu emanzipieren wollen, den Gebrauch derselben wieder zu normalisieren. Ihr könnt euch selbst fragen, wie oft ihr im Alltag schon “Jedem das Seine” gesagt habt. Das ist eine Redewendung die Hinz und Kunz einige Male in seinem Leben gebrauchen. Keiner von uns denkt dabei spontan an die NS-Zeit, oder? Warum sollen dann ESSO und Tchibo auf einmal für etwas abgestraft werden, dass jeder von uns ohne Bezug zur Vergangenheit tun kann. Hier ging es wohl nur mal wieder darum, medienwirksam die Achillesferse anzugreifen.

Wenn wir diese 3 Wörter nicht in der medialen Öffentlichkeit gebrauchen können sollen, dann werden wir deren negative Konotation nicht los. Es geht mir dabei nicht ums Vergessen oder Verdrängen, sondern lediglich um die künstlichen Verbote in der Sprachnutzung. Wenn wir so anfangen, wird das dabei enden, dass wir irgendwann gar nichts mehr sagen können dürfen. Bei n-tv finden sich übrigens noch andere “Opfer” aufgelistet, denen ebenfalls schon ein Riegel vorgeschoben wurde, weil sie mit dem Spruch “Jedem das Seine” geworben hatten, neben REWE, Burger King und der Merkur Bank gehört auch Nokia dazu.

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Kategorie Media · Autor · 5 Kommentare


5 Kommentare

  1. Kommentar von Thomas Matterne
    January 14, 2009 · 3:35 pm

    Als ehemaliger Feldjäger warte ich ja immer noch darauf, dass mal jemand auf die Idee kommt das Feldjägermotto “Suum cuique” ins Deutsche zu übersetzen …

  2. Kommentar von Alexander Trust
    January 14, 2009 · 3:45 pm

    Der lateinische Vers wurde ja in dem n-tv Beitrag auch genannt. Das ist ja durchaus opportun, um nicht zu sagen doppelmoralisch.

    Jeder von uns sagt doch die deutsche Wendung immer mal wieder… und keiner von uns kriegt dafür von irgendwem nen Rüffel. Ich find dieses “totschweigen” wollen total widersinnig. Der offene und offensive Umgang bringt meiner Meinung nach viel mehr.

  3. Pingback von Jedem den Seinen! « Der Kommentar
    January 15, 2009 · 10:30 pm

    [...] Kommentare von Fact-Fiction, Heftklammer, RNZ, PI, Sajonara, TomBlog, K-Blog, Illu, Mammut, Macht und [...]

  4. Kommentar von Ralph
    January 16, 2009 · 9:55 am

    “Der Tankstellenbetreiber und der Kaffeeröster hatten nicht damit gerechnet, dass in Deutschland die NS-Vergangenheit immer noch ein heikles Thema sei.”

    Nein, das ist inhaltlich falsch.

    Und da Sie der Meinung sind, wir sollten die Redewendung wieder gebrauchen, damit es seinen derzeitigen Sinn verliert, finde ich den Vergleich mit “Weib” klasse. Ich werde umgehend anfangen, alle Frauen in meinem Umfeld als “Weib” zu bezeichnen, und sie dann ggf. mit Ihrer Begründung (“War mal super! Muss wieder super werden!”) vollsülzen.

    Gute Nacht.

  5. Kommentar von Alexander Trust
    January 16, 2009 · 2:41 pm

    Das können Sie tun. Vergessen Sie aber nicht, dass Sprachwandel kein Phänomen des Einzelnen ist, eher wie ein Invisible-Hand-Prozess funktioniert.

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