Professionell Bloggen mit WordPress
{2}So lautet der Titel eines Buches, das ich bald durchgearbeitet habe. Gelesen habe ich es nicht komplett, denn ich habe in meiner langjährigen Beschäftigung mit Computern und dem Web, und eben solchen Büchern festgestellt, dass die Autoren von IT-Literatur meist viel zu viel schwafeln. Das ist auch bei diesem Buch der Fall. Ich gebe ihnen immer wieder auf’s Neue eine Chance, doch wenn ich merke, dass mich Worte nur aufhalten, überblättere ich sie. Das ist als Leser meine Freiheit – viele Autoren wollen offenbar eine Notwendigkeit daraus machen.
Die Akte Timo Heuer
Ich habe vor über einem Jahr einen Hinweis auf dieses Buch von Timo Heuer erhalten. Er selbst hatte das Buch mal auf seinem Blog verlinkt und beworben. Ich hatte das übrigens auch getan, weil ich ja ein Bücherpaket von Hanser gesponsert bekam. Mittlerweile ist jedoch dieser Titel bei den Freiexemplaren, die ich erhielt, vergriffen – ich habe ihn unter die Leute gebracht. Deshalb schneide ich mir nicht ins eigene Fleisch, wenn ich es kritisiere. Doch auch dann hätte ich die Kritik nicht scheuen sollen. Es gibt ziemlich viel, was man an dem Buch von Tom Alby hätte verbessern können. Timo hat das Buch vielleicht nur verlinkt, weil er darin erwähnt wird, und zwar als jemand, der einige Fehler im Manuskript gefunden habe. Das wird noch lustig. Später mehr… Vielleicht tu ich ihm aber auch Unrecht.
In Windeseile
Dass ich wahrscheinlich nicht mal 1/4 des Buches gelesen habe, hat nichts mit Alby oder seiner Schreibweise zu tun. Das Buch liest sich prinzipiell ziemlich gut. Es ist vielmehr der Tatsache geschuldet, dass ich nur die Dinge aus dem Buch herausgezogen habe, die ich noch nicht kannte. In manchen Angelegenheiten bin ich bewandert und deshalb muss ich nicht zum 120ten Mal etwas über die Geschichte des Internet oder der Blogosphäre lesen. Ebenso sind HTML oder PHP keine Fremdworte für mich. Mir ging es speziell um die Interna von WordPress. Solche finden sich natürlich auch in dem Buch.
Titel nicht optimal gewählt
Der Titel des Buches, so viel vorweg, ist meiner Meinung nach falsch gewählt. Ich bin das Buch natürlich von vorne bis hinten durchgegangen, doch habe ich nicht das Gefühl, dass der Leser oder die Leserin am Ende “professionell” mit WordPress bloggen könnte. Was mit dem Buch geleistet wird, ist der Einstieg in dieses Thema. Die ersten Kapitel helfen prima, um WordPress zu installieren und geben erste Hinweise darauf, wo man weiter tätig werden könnte. Insofern sind sie natürlich für Leute interessant, die von der Computerwelt bzw. der Bloggerei noch nicht so viel mitbekommen haben. Die letzten Kapitel vermitteln eher Wissen über die Internas von WordPress, vor allem Kapitel 8. Man fühlt sich an Bausteine erinnert. Für Leute, denen der Überblick jedoch fehlt, werden diese Bausteine kaum Anwendungsbeispiele sein, sondern nur interessante Fetzen, die man nicht einzusetzen weiß. Weniger wäre hier vielleicht mehr gewesen und Alby hätte anhand einer Beispielseite verschiedene der Template_Tags integrieren können. So erläutert er wohl ihre Funktion, doch nicht jeder Leser wird sofort wissen können, an welcher Stelle er nun was damit anfangen wird können.
Zu viel vorausgesetzt?
Alby erläutert etliche PHP-Zeilen in dem Buch. Allerdings paraphrasiert er sie nur und beschreibt deren Funktion. Für den Nutzer bedeutet dies, er schreibt blind den Code ab. Wenn er von PHP keine Ahnung hat, dann tappt er nach der Lektüre trotzdem weiterhin im Dunkeln bei allen Dingen, die er nicht implizit “gelernt” hat. Also bei solchen, bei denen sein Abstraktionsvermögen ausgereicht hat, um die Struktur oder Logik dahinter nachzuvollziehen. Für jemanden wie mich, der bereits sehr viel Syntax von verschiedenen Programmiersprachen kennen gelernt hat heißt das aber ebenfalls: Ich erkenne die Fehler, wenn ich sie sehe.
Quellcode fatal
Alle anderen können das nicht und stehen vor Problemen. Was, wenn eine Klammer nicht geschlossen wurde… was wenn ein Semikolon fehlt? Der ganze Code funktioniert dann nicht. Solche Fehler gibt es im Buch von Alby leider viel zu oft. Da ich nicht das ganze Buch gelesen habe, muss ich mich auf die Seiten beschränken, an denen ich es angemerkt habe. Wenn ich schon 5 Mal Fehler im Quellcode gefunden habe, zudem noch einige Rechtschreibfehler, und das unverschämterweise aufs ganze Buch hochrechne, ist das eindeutig zu viel. Vieles was ich bislang kritisiert hab, muss natürlich kein Problem sein, wenn Alby eindeutig eine Zielgruppe adressiert hätte, die durchaus mehr Ahnung besitzt als der Anfänger oder Laie. In seinem Vorwort adressiert er niemanden so wirklich. Angesichts des Aufbaus des Buches würde ich aber vermuten, dass Alby schon vorhatte Laien mit anzusprechen. Wenn nicht, müsste man einige Druckseiten zu viel in Rechnung stellen. In einem “for Dummies”-Titel kann ich mit einigem Bla bla rechnen, in eine
Fußnotenwirrwarr
Ebenfalls unverständlich bleibt mir die Sache mit den Fußnoten. Da bin ich mal ganz Silvester Stallone aus der Sci-Fi-Action-Komödie Demolition Man, als er frug, wie denn das mit den Muscheln funktioniert. Die Fußnoten werden nicht jedes Kapitel neu vergeben. Sie werden aber auch nicht jedes Unterkapitel neu vergeben. Zunächst könnte man den Eindruck haben. Doch an einer Stelle wird die Konsistenz in der Kennzeichnung aufgehoben. Denn Kapitel 3.3 beginnt auf einer Seite – es gibt 2 Fußnoten darunter, beide mit 1 und 2 gekennzeichnet. Man blättert um, stellt fest, es gibt erneut die Fußnoten 1 und 2, und das obwohl noch kein neues Unterkapitel begonnen hat. Das geschieht erst auf der nächsten Seite.
LaTex der Grund?
Wenn ich mir überlege, dass das Buch vielleicht mit LaTex gesetzt wurde, könnte ich spontan den Grund dafür ausfindig machen, warum hier die Fußnoten so willkürlich gesetzt werden. Und zwar weil intern, unter der Haube jemand die Abschnitte im Buch unsauber voneinander getrennt hat. Das passiert schnell bei größeren Büchern in LaTex, weil man sich die Quelltexte ja wie HTML-Code oder eben Programmcode vorstellen kann. Da müsste wegen oft fehlender WYSIWYG-Editoren die Dinge auf Konsistenz durchgehen. Einen Tag nicht richtig geschlossen, und beim Kompilieren zum PDF entsteht vielleicht eine automatische Ergänzung. Schwupps hat man zwei Abschnitte, die evtl. gleich lauten weil sie so ausgezeichnet sind. Wenn sie ein anderes Programm verwendet haben, wie Quark Xpress, dann hätte es ihnen eigentlich auffallen müssen. Menschliches Versagen, eindeutig.
Kapitel 6.3 hat dann mitsamt all seiner Unterkapitel übrigens 100 Fußnoten abbekommen. Amüsant, wenn man überlegt, dass die “immer wieder neu”-Nummerierung eigentlich aus dem Grund Verwendung fand, um gerade drei- und mehrstelligen Fußnoten aus dem Weg zu gehen.
Quellcode wohin?
Was mich ebenfalls gestört hat: Es gibt Stellen, an denen ist nicht eindeutig klar, wo ein bestimmter Quellcode hingehört. Für Nutzer, die sich nicht so gut auskennen wäre das ein Problem. Einfaches Beispiel. Nachdem zunächst umfassend ein Exempel notiert wurde, macht man sich daran, die Datei im Einzelnen zu beschreiben. Es wird z. B. eine Index.php zum Thema gemacht. Es wird dann ein gewisses Grundgerüst gezeigt. Im nächsten Absatz wird dann der Ausdruck erläutert, der den Inhalt im “Loop” ausgibt (vgl. Kapitel 7). Einen Hinweis darauf, dass der Teil, der den Inhalt generiert aber (logischerweise) zwischen zwei Ausdrücke von davor geschrieben werden muss (damit er sinnvoll Inhalt produziert) und eben nicht ans Ende, findet man nicht. Schreibt man den Teil unter den Loop, gibt WordPress nichts aus. Schreibt man ihn an die falsche Stelle, gibt WordPress nur einen und nicht alle Artikel aus. Das sind Fallstricke, über die ein Anfänger gerne stolpert und über die Alby jenem eben nicht hinweg hilft. Das ist schade und in meinen Augen die größte Schwachstelle des Buches.
Lektorat ungleich Lektorat
Man fragt sich, wie es zu den Fehlern kommen konnte. Wie also die Fußnoten, die Rechtschreibfehler und eben die Fehler im Quellcode in einem Buch immer noch auftauchen können. Das zeugt nicht unbedingt von professioneller Kollaboration. Der Herr für das Gesamtlektorat und die Dame für das Sprachlektorat, deren Namen ich jetzt nicht nennen möchte, haben sich irgendwie nicht gänzlich mit Ruhm bekleckert. Vielleicht gibt’s ja ein nächstes Mal.
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Tags Blog, Professionell Bloggen, Tom-Alby, Wordpress
Kategorie Media · Autor Alexander Trust · 2 Kommentare

January 5, 2012 · 8:47 am
Hallo,
ich beziehe mich auf den Blogeintrag vom 15.01.2009 ‘Professionell Bloggen mit WordPress”. Eine sehr aufschlussreiche Rezension. Vielen Dank. Aktuell suche ich gerade ein ‘einfach gestricktes’ Fachbuch, was mir WordPress näher bringt. Ich habe schon drei Blogs verschlissen, ebenfalls eine Homepage, die ich mit Hilfe online gebracht habe. Alles nicht mehr vorhanden und nun möchte ich wieder anfangen zu bloggen. Und suche online Hilfe oder ein Buch, welches mir verständlich erklärt, was es mit WordPress auf sich hat. Sollte, kann ich mir ‘Professionell Bloggen mit WordPress’ kaufen, wenn ich mit WordPress ein Blog online bringen möchte? Oder sollte ich mich lieber mit den unzähligen Youtube Videos intensiver beschäftigen, die eigentlich sehr anschaulich erklären, wie man das Blog einrichtet und betreut. Oder gibt es andere, bessere Lektüre, als Buch, wo ich mich informieren kann? Das Buch selbst ist ja schon ziemlich ‘alt’. Leider ist ein VHS Kurs, der im Dezember staffinden und mir WordPress näher bringen sollte, aufgrund der geringen Nachfrage abgesagt worden. Aber ich gebe nicht auf und suche weiterhin nach einfachen und verständlichen Erklärungen, die selbst ich verstehe.
Bei einem heißen Tipp, einfach mal bitte per Mail melden, wenn es mittlerweile aktuellere Lektüre gibt, die mir besser liegt. Danke. Viel kaputt machen kann ich ja bestimmt nicht, wenn ich es Schritt für Schritt mal selbst versuche. Nur das es eben nicht online geht.
Viele Grüße
Heike
January 6, 2012 · 12:28 am
Ich würde an Ihrer Stelle erst einmal im Web versuchen Antworten zu finden, es gibt zum Teil sogar Buchautoren, die Blogs führen und darin auch mehr oder minder den Umgang mit der Technik schildern. Das Alby-Buch – evtl. gibt es ja einen Nachfolger – richtet sich durchaus an Einsteiger. Ich habe zu WordPress auch ein weiteres Buch gelesen, PHP für WordPress aus dem Franzis-Verlag. Das hat mir etwas “mehr” von der Materie veranschaulicht aber auch nicht vielmehr, nur dafür richtet es sich eher noch an Leute, die eben, wie der Buchtitel es vermuten lässt, PHP schon mal gehört haben. Das Problem bei PHP für WordPress ist, dass dort ebenfalls Fehler eingebaut sind, und seien es eben nur einige Zeichen, die an gewissen Stellen fehlen und eben die Tatsache, dass die Softwaregrundlage nicht mehr aktuell ist. Einige Dinge funktionieren in WordPress nicht mehr so wie früher, wenn auch Vieles klappt. Und an anderen Stellen hieß es dann in PHP für WordPress, dass, wenn der User nicht schlauer als das Buch ist, er den Fehler nicht selbst finden kann, den das Buch ihm dummerweise vorsetzt. Es ist schade, dass gerade bei solchen Themen, die technisches Know-how vermitteln sollen und wollen, manchmal nur schlampig redigiert wird. Es müsste sich eben auch jemand inhaltlich damit beschäftigen, oder jemand einen Testlauf vornehmen, so wie man Software in der Beta testet. Da das nicht immer passiert, sitzt man als Leser dann dort, und hat das Problem, dass man “eigentlich” alls so gemacht hat, wie es geschrieben stand, es aber dann doch nicht funktioniert.
Sie selbst wissen vielleicht am ehesten, welcher Lerntyp sie sind. Wenn sie die Haptik des Papiers benötigen, und ihr eigenes Level an Wissen einschätzen können, sollten sie die Rückentexte der Bücher genau studieren. Den Rest von meinem Wissen über WordPress habe ich aus dem Internet, und eigentlich hätte ich diese beiden Bücher nicht benötigt, um an das darin enthaltene Wissen zu kommen. Das Arbeiten mit den Büchern folgt aber einem Pfad und ist strukturierter. Das hilft vielleicht dem einen oder anderen. Im Web müssen sie manchmal einiges suchen, und da heißt es auch, dass man wissen muss wie und wonach man sucht. Oft bleiben die Informationen verborgen, weil man nicht die richtigen Suchworte verwendet hat und nicht etwa, weil es sie gar nicht gibt.
Falls Sie nur bloggen wollen, und gar nicht so sehr einen Profit erzielen oder sich selbst technisch fortbilden, dann könnten Sie eventuell auch mit dem Angebot von wordpress.com zurecht kommen. Dort kann jeder sich kostenlos ein eigenes Blog auf Basis von WordPress einrichten und zudem noch viele Veränderungen daran vornehmen.