27. January 2009

Färber: KEF als Totschlagargument?!

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Ein Bloggerkollege hat vor einiger Zeit den Versuch unternommen und sich mit einem Schreiben an die GEZ gewandt. Er selbst wollte, wie wohl so viele von uns, nicht verstehen, warum wir mit ständigen Gebührenerhöhungen leben müssen. Nun hat er vor kurzem ein Antwortschreiben vom WDR-Verwaltungsdirektor und Vorsitzenden des GEZ-Verwaltungsrates Hans W. Färber erhalten. In seinem Blogbeitrag paraphrasiert Björn von Politik Zweiter Klasse die Argumente Färbers. Eigentlich gibt es nur ein Argument, das Totschlagargument, wenn es um Gebührenerhöhungen geht, nämlich die KEF.

Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (kurz KEF) entscheidet darüber, ob die Gebühren angehoben werden dürfen oder nicht. Für Färber liegt auf der Hand: Jeder kann sich informieren, wenn er möchte. Nämlich in den Berichten, die die KEF herausgibt. Wir wissen, dass die Bundesregierung diverse Kommissionen einberuft, und Entscheidungen anhand von Vorschlägen fällt. Wir wissen aber auch, dass Peter Hartz und viele viele andere nicht gerade damit aufgefallen sind, keine Menschen zu sein. Denn es sind alles Menschen, die in Kommissionen sitzen und die Objektivität derer sollte man per se erst einmal in Zweifel ziehen.

Screenshot der Mitgliederliste der KEFMal abgesehen davon, dass der Webmaster die Ausrichtung von HTML Elementen offenbar nicht beherrscht, stellen wir beim Blick durch die Mitgliedsliste der KEF sofort fest, dass keine einzige Frau den Weg in die Kommission gefunden zu haben scheint. Diese Herren sollen objektiven Sachverstand anbieten. Das tun diverse Gremiumsmitglieder bei Krankenkassenverbänden, Interessenvertretungen, usw. usf. auch – doch alle haben immer nur eines im Sinn: mehr, mehr, mehr.

Wir sollten uns einer Sache bewusst werden. Es kann nicht immer nur mehr, mehr, mehr geben. Wollen wir an einer Schraube drehen, müssen wir eine andere lockern. Wenn man die Medienlandschaft in der letzten Zeit sondiert, stehen ebenfalls wieder Streiks in diversen Geschäftsbereichen an. Alle wollen immer mehr von einem Kuchen, der allerdings nicht größer wird. Über “Umverteilung” können wir gerne reden, aber nicht über planloses Fordern von Ressourcen, die gar nicht vorhanden sind.

Ein interessanter Satz in dem Blogbeitrag von Björn ist folgender:

Aber selbst wenn beispielsweise die ARD höhere “Kosten”, verursacht durch eine höhere Inflation, tragen müsste, so sollten imho doch 8 Milliarden Euro irgendwie reichen. Wer mal Berichte darüber gesehen hat, was für Gelder an Moderatoren der “TOP-GEZ-Sender” fließen oder mit welcher technischen Armada große öffentlich-rechtliche Redaktionen ausgerüstet sind, weiß wovon ich spreche.

Ich kenne jemanden, der beim Hessischen Rundfunk ein Praktikum gemacht hat. Zumindest in Sachen Technik kann er den von Björn unterstellten Eindruck bestätigen. In einem Gespräch mit mir äußerte er sich wie folgt:

Was bei ARD sowie ZDF krass daher kommt, ist die Kameratechnik. Da sind sie sicherlich meist den Privatsendern voraus. Alleine, was ich am Wahlabend im Hessischen Landtag von der ARD gesehen habe, war grandios. Während RTL & Co. mit normalen TV-Kameras und ein paar Extras ankamen, hatte die ARD eine High-Definition-Kamera mit einem Mega-Mikfrofon, bestimmt drei Meter lang, auf der Kamera installiert, aufgebaut. Davon zwei Geräte. Das war krass. Dafür hat die ARD aber auch die beste Qualität.

Ich frug im Gespräch nach, ob mein Bekannter die Gebühren vor dem Hintergrund des Faszinosums Technik für gerechtfertigt hält. Seine Antwort:

Sagen wir es so, wenn die ARD nicht HD anbieten würde, hätten andere gemeckert, was die ARD denn mit dem Geld tue (“nichts?”). Sie kaufen sich für ihre Gebühren halt topmoderne Technik. Das finde ich gerechtfertigt.

Ich bekam außerdem erzählt, dass am 17. Januar ein ARD-Team sich anschickte, Roland Koch in Augenschein zu nehmen. “Die kamen mit einem dicken BMW an”, ließ mich mein Bekannter wissen, gab allerdings gleich dazu, dass er nicht wisse, ob das ein Firmen- oder Privatfahrzeug des Kamerateams gewesen sei. Gesetzt den Fall, es sei ein Firmenfahrzeug gewesen, müssten die Gebührenzahler sich fragen, ob es wirklich große, protzige Autos sein müssen, mit denen man Kameramänner- und frauen durch die Republik schickt. Vom Anschaffungspreis abgesehen kommt der Unterhalt und die Umweltproblematik noch dazu.

Die Softwarebranche ist ein gutes und erschreckendes Beispiel. Die Spielebranche allen voran. Die Technologiesprünge bei der Hardware haben die Softwareproduzenten dazu verleitet, wenig effizient zu arbeiten. Das sich das irgendwann rächt, hat mancher Publisher schon merken dürfen, der ein unausgereiftes Stück Software auf den Markt brachte. – Wir dürfen uns also gerne fragen, was die Rundfunkanstalten mit einem Budget von 8 Milliarden Euro anfängt, außer ein paar HD-Kameras zu kaufen; und außer den Scientologen Tom Cruise für seinen Auftritt bei Wetten Dass zu bezahlen, und Kothaufen vor laufender Kamera zu inszenieren; außer Oliver Pocher durchzubringen, dafür, dass er mittelprächtigen Humor unter der Gürtellinie präsentiert… Man könnte die Liste der Dinge, die dem Gebührenzahler übel aufstoßen mit Sicherheit beliebig verlängern. Schade, dass die KEF weit entfernt davon ist so etwas zu sein wie der Bund der Steuerzahler. Die nämlich weisen auf die Verfehlungen des Bundes hin und bieten so die Möglichkeit von außen Druck dagegen auszuüben.

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Kategorie Media · Autor · 3 Kommentare


3 Kommentare

  1. Kommentar von PZK
    January 28, 2009 · 12:09 pm

    Hehe, mit “Totschlagargument” triffst du es genau, wie ich im Beitrag auch schon schrieb, weiß man erstmal nicht wie man darauf reagieren soll. Aber dein Beispiel “Hartz” trifft es genau, “Riester” wäre da auch ein gutes Beispiel.
    Hab deinen Eintrag vor deiner Mail gelesen, nochmal danke dafür. Wegen der technischen Armada gab es wirklich mal ein Bericht, der das explizit verdeutlichte. Wo manch ein Privatsender mit einem Reporter mehrere Sendungen versorgt hat, hatten die Öffentlichen für jede Sendung ein eigenes Team mit Gerätschaften etc. vor Ort. Leider finde ich diesen Part explizit nicht mehr. Ich guck mal ob ich dein Posting nicht auch noch mal weiter verarbeite!
    Bis später dann!

  2. Pingback von blog.unkreativ.net » Kommissarische Kommissionen
    January 28, 2009 · 2:23 pm

    [...] Quelle: Klick! [...]

  3. Pingback von Öffentlich-rechtlicher Info-Koller | Sajonara.de - Internetmagazin
    February 1, 2009 · 12:47 am

    [...] zu viel Geld verpulvern, hier noch ein Grund mehr für ihn, die Ausgabenseite (egal wofür) der öffentlich-rechtlichen Beschäftigten nicht auf die leichter Schulter zu nehmen: Mike [...]

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