29. January 2009

Geisenhanslüke: Diskursanalyse nur Bla Bla

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In der Einführung in die Literaturtheorie von Achim Geisenhanslüke findet sich im 6ten Kapitel folgender Satz über die Diskursanalyse:

So ist es weniger die theoretische Schärfe, die die Diskursanalyse zu einer der wichtigsten Literaturtheorien der letzten Jahrzehnte gemacht hat, als vielmehr der Einfluss, den sie auf alle Fachgebiete der historischen Wissenschaften gewonnen hat und die Inspiration, die von ihr ausgegangen ist.1

Ein wenig verkürzt dargestellt bedeutet dies: Die Diskursanalyse ist unwissenschaftlich, wenn man es auf die Spitze treiben wollte, ist sie jede Menge Bla Bla. Mit diesem Vorurteil hat dieses Paradigma nicht zu Unrecht zu kämpfen. Demjenigen nämlich verdankt sie es, der als einer ihrer Gründerväter gilt, Michel Foucault. Er blieb in seinen Formulierungen unheimlich vage. Er hat der Nachwelt kaum geholfen, seine Gedanken zu einer Phänomenologie zu verarbeiten, geschweige den zu operationalisieren. Das haben andere nach ihm getan.

Ich finde es bemerkenswert, wie euphemistisch man in der akademischen Literatur mit manchen Missständen umgeht. Man verstehe mich nicht falsch, ich mag die Denkweise Foucaults in Teilen, doch ich würde trotzdem nicht bestreiten wollen, dass die Diskursanalyse “nach” Foucault Kritik auf sich vereint, wie andere Leute Gummipunkte sammeln. Es ist natürlich richtig, dass Foucaults Gedanken eine Art kreativer Torf für ihn nachfolgende Generationen gewesen sind. Doch so kreativ manche Gedanken waren, die auf der Diskursanalyse fußten, so neblig wurde es, wenn es um ihre Operationalisierbarkeit ging. Zumindest hört man es so munkeln, Stimmen im akademischen Feld äußern sich derart. Warum dann also ein Blatt vor den Mund nehmen? Der Psychologie des Lesers wegen?

Wenn man ihm etwas kritisiert, macht man es ihm sofort madig? Und eigentlich möchte man es ihm doch schmackhaft machen, damit er Kreativität im Umgang mit den eigenen Gedanken walten lassen kann.

  1. Geisenhanslüke 2004: S. 122 []

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Kategorie Science · Autor · 2 Kommentare


2 Kommentare

  1. Kommentar von Raphael Raue
    January 29, 2009 · 9:30 am

    Aber wie lässt sich die hier durchbrechende Forderung nach Operationalisierbarkeit rechfertigen, ohne auch irgendwann in den Nebel eindringen zu müssen? Operationalisierbarkeit um der Wissenschaft willen, was ist Wissenschaft? Operationalisiertes Denken oder Lebensweltliche Praxis? Begriffliche Dimension oder Machtzentrum?

    Foucault weist doch immer wieder auf diese Punkte hin, dass es nicht besonders sinnvoll ist, einen Begriff, welchen auch immer, in den Mittelpunkt zu stellen und zu hoffen, dass sich alles andere irgendwie aufgeladene schön drumherum drapieren wird. Operationalisierbarkeit ist mindestens so vage wie das, was Foucault mit Macht beschreibt.

    Damit ist das von dir angesprochene Problem nicht gelöst und ich stimme dir vor allem in dem Unbehagen überein, in Nebel herumstochern zu müssen, weil so viele sich gerade in den selben Nebel aufgemacht haben. Aber gerade der analythische Vorwurf der Operationalisierbarkeit, wird Foucault einfach nicht gerecht, weil die Rechtfertigungsgrundlage für die Frage selbst auf sehr dünnem Eis steht. Damit hat die Frage nicht ihre Berechtigung verloren, ist aber nicht in der Art und Weise ein Einwand, wie es in deinem Text scheint.

    Wenn ich sage, etwas muss X entsprechen, ansonsten kann es nicht wahr sein, da alles x entsprechen muss, um wahr zu sein, werde ich ein Problem bekommen x zu erklären und einzuführen. Aber genau das ist der Impitus des gesagten, oder?

  2. Kommentar von Alexander Trust
    January 29, 2009 · 10:27 am

    Ich konnte mir denken, dass ich dich damit anspreche. :) Also, ich hab hier ja mal wieder nur eine Position wiedergegeben. Wittgenstein bspw., den ich dieses Semester ebenfalls behandel(t)e, der ist auch eher in einer Ecke zu finden, die nicht streng wissenschaftlich agiert, wenn es um die Philosophie geht. Der aber auch explizit das Problem formuliert, dass es unmöglich sei, den Anspruch haben zu wollen, alles und jedes definitorisch lösen zu wollen, bzw. zu können. Das finde ich eine sehr plausible Position.

    Ansonsten habe ich über die Zeit des Studiums (auch in den Naturwissenschaften, in die ich mal reinschnupperte) verstehen gelernt, dass die Akademik immer im Zugzwang steht, sich selbst zu rechtfertigen, warum sie die besseren Diskurse liefere als der Alltag und warum denn gerade das so toll sein soll, was dort gemacht wird.

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