Konsolidierung bei mobilen Betriebssystemen in spätestens 1 1/2 Jahren
{5}Ich muss kein Prophet sein, um zu wissen, dass dort draußen ein Hype umgeht. Mobile Endgeräte sind dermaßen in. Toshiba hat beispielsweise unlängst ein richtiges Flaggschiff unter den Smartphones mit Touchscreen herausgebraucht. Das Ding ist zwar eigentlich nicht viel wert, aber auf dem Papier ist der Prozessor mit 1000 MHz getaktet. Natürlich ist das Augenwischerei, weil sich die unterschiedlichen mobilen Prozessoren nicht ohne Weiteres miteinander vergleichen lassen.
Richtung Gaming
Doch es gibt mobile Fassungen von Linux die von LG, garmin und anderen bevorzugt eingesetzt werden. Es gibt eine große Batallion an Herstellern, die gerne zu Microsofts Windows Mobile greift (aktuell in Version 6.1 und neuer). Apples Mobiltelefon und der MP3-Player mit Wlan-Funktion iPod Touch, mit dem man via Voice over IP faktisch auch telefonieren könnte, setzen auf das propietäre OSX for iPhone. Nokia setzt immerhin noch auf Symbian und der heimliche – weil kabellos ladende??? – Held und potenzielle Konkurrent des iPhones, der Palm pre baut auf eine von grundauf renovierte Version des Palm OS. Googles Android-Plattform dürfen wir nicht vergessen, sie hat jüngst 20 Spiele spendiert bekommen. Überhaupt sind Spiele der Knackpunkt, bei dem sich alles entscheiden wird. Von Apples rund 22 000 Programmen für iPhone sind bislang ca. 6000 Spiele. Tendenz steigend. Bedeutet das am Ende, dass die Plattform, die sich am besten zum Spielen eignet, sich auch durchsetzen wird?!
Freelancers Hui und Pfui
Im Augenblick stürzen sich die freien Entwickler, respektive Freelancer wie die Maden auf den Speck. Doch in spätestens 1 1/2 Jahren muss man wohl zu der Formulierung greifen wie die Fliegen auf den Sch…haufen. Die jetzige Goldgräberstimmung wird schon bald der Erkenntnis weichen, dass viele konkurrierende Plattformen nicht unbedingt das Heil eines Entwicklers sind, und das man die Chance nicht genutzt hat, es besser zu machen. Das Geschrei wird entsprechend groß sein.
Das Tolle an der jetzigen Situation: Einzelne können Anwendungen entwickeln, und sich damit “noch” eine goldene Nase verdienen. Denn die Nutzer kaufen derzeit alles, was nach mobiler Anwendung riecht. Na ja, vielleicht fast alles. Doch aus Sicht von Entwicklern, selbst jenen, die jetzt noch frohlocken: Toll, Android… muss ich mir auch mal ansehen, weil Cocoa für iPhone OSX kann ich ja schon, die werden demnächst stöhnen unter dem Wust an Anforderungsprofilen. Dem fetten Jahr – denn mehr wird es nicht sein – wird eine Konsolidierung folgen, und zwar notwendigerweise.
Noch mehr Konkurrenz
Im Augenblick wissen die Hersteller von Mobiltelefonen nämlich (außer vielleicht Apple, evtl. auch Nokia mit N-Gage) gar nicht, dass sie nicht nur mit Ihresgleichen konkurrieren. Vielmehr nämlich geht es generell um mobile Plattformen und Distributionswege. Handhelds wie PSP (das an das PlayStation Network angekoppelt ist) oder Nintendos DSi mit eigenem App Store-Klon, aber sogar Marktplätze wie XBox Live und Steam schwimmen alle mehr oder minder im selben Fahrwasser. Ebenfalls nicht vergessen darf man Impulse, die nicht von Seiten der Hardwarehersteller mit den Weichenstellungen von herkömmlichen Betriebssystemen betrieben werden, sondern im Bereich der Browserentwicklung eine Rolle spielen. Hier haben wir jetzt schon mindestens drei weitere Helden in Strumpfhosen, Silverlight von Microsoft, Flash von Adobe und der Name des dritten Mitbewerbers ist mir schon entfallen.
Plattform-Wirrwarr schon mittelfristig…
Diese Situation bietet gleichermaßen Vor- und Nachteile. Einen immensen Vorteil sehe ich darin, dass die Karten neu gemischt werden. Linux oder generell die Open Source-Bewegung hat Möglichkeiten, Boden gut zu machen. Linux als Desktop-Betriebssystem könnte zudem von potenziellen Erfolgen mobiler Linux-Systeme profitieren. Ein unübersehbarer Nachteil ist hingegen, dass die Anwender (und Entwickler) irgendwann vor einem Chaos stehen werden und Ernüchterung sich breit machen wird. So wie man in der Politik von Verdrossenheit spricht, kann ich mir vorstellen, wird es im mobilen Business irgendwann einen Flickenteppich geben, den die Nutzer (und viele enttäuschte Freelancer) nur ungerne betreten. Die Handyhersteller überlegen sich, alle Micro-USB als universelle Schnittstelle einzusetzen, doch wer macht sich Gedanken darüber, wie man in Zukunft Daten miteinander austauscht oder man zusammenarbeiten soll?! Wenn jeder doch lieber sein eigenes Süppchen kocht.
… als Nachteil für Freelancer und Nutzer
Und ehe man sich versieht werden die Freelancer vielleicht das Feld sogar wieder räumen müssen, weil sie alleine nicht in der Lage sind, die Eintausend und Eine Plattform zu bedienen. Stattdessen wird es Entwicklerstudios geben, in denen große Firmen Geld reinpumpen und die Freelancer von heute die angestellten Entwicklersklaven von morgen sein werden. Denn wenn einer eine App für iPhone rausbringt, sich dann daran begibt, die gleiche App für Palm OS oder die Android-Plattform zu coden, wird er feststellen, dass er einerseits sehr sehr viel Wissen haben muss, das anzusammeln ihn viel Zeit kostet/gekostet hat, und andererseits mit seinen Ideen längst von anderen überholt wurde, während er sich mit anderen Dingen abplagt, weil er mit den Ressourcen der Professionellen nicht mehr mithalten kann. Und ich glaube, dass ich mit meiner Einschätzung nicht grundverkehrt liege. Falls jemand mit mir wetten möchte, ich würde gerne einen 1-Euro-Burger von McDoof oder BurgerKönig haben, einfach weil denen bis dahin die Luft und das Bratfett noch nicht ausgegangen sein wird.
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Tags Apple, Cocoa, DSi, Freelancer, garmin, iPhone, iPod Touch, LG, Micro-USB, Microsoft, MP3, NDS, Nokia, OSX, Palm Pre, Playstation, PSN, PSP, Sony, Symbian, VoIP, Windows Mobile, Wlan, XBox Live
Kategorie Media · Autor Alexander Trust · 5 Kommentare

March 10, 2009 · 2:49 pm
Wenn du auch grundsätzlich mit dem Oberbegriff Hype Recht hast so verstehe ich nicht deine Fixierung auf Freelancer. Nun das heißt ich verstehe sie schon teilweise, wenn ich dein Umfeld in die Überlegung einbeziehe. Vermutlich wolltest du auch ganz bestimmte Kommentare damit entlocken…
Ich sehe sehr viele private Programmierer im App Shop von Apple. Ich sehe aber auch extrem viele “Firmen”. Das liegt uU auch damit zusammen, dass so mancher der nebenbei angefangen hat für das iPhone zu programmieren vom Finanzamt erzählt bekommen hat, dass er dafür ein Gewerbe anmelden muss, wenn er beabsichtigt Geld zu verdienen. Ich sehe aber auch verdammt viele alt eingesessene Mac Entwicklerfirmen bei denen schon der Staub angesetzt hat und sich mit dem Sprung aufs iPhone frischen Aufwind erhoffen.
Wenn man sich das Feld der Top Apps anschaut so wird das mehr oder weniger von namhaften Entwicklerstudios dominiert. Die “Freelancer” die nach deiner Sichtweise alles Leid verursacht haben und in einem Jahr alles Leid selbst erdulden müssen sind nach meinen subjektiven Einschätzungen in der Minderheit.
Aus der Sicht eines Freelancers schadet es keineswegs sowohl für das iPhone als auch für Android programmieren zu können. Die Zeit die man darin investiert hat macht sich, wenn man nacher als Consultant arbeitet, monetär deutlich sichtbar. Je “hipper” man ist desto mehr Geld kriegt man – würde ich sagen. Und nicht alle sehen das als Sklavenarbeit an – es sei denn du sprichst von einem bestimmten Freelancer.
Die Branche wird nicht müde Hypes zu generieren und ich würde mir keine Sorgen um die armen Freelancer an deiner Stelle machen. Wenn der App Store Goldrausch vorbei ist dann kommt was anderes.
Nicht die Freelancer oder generell die “Dienstleister” in dem Gewerbe werden oder sind bereits die Verlierer, sondern es sind die, die mit dem Gewerbe Geld verdienen wollen. Diejenigen aus dem letzten Hype der Social Networks, die sich, mit Ausnahmen der wenigen Großen, in ihren letzten Atemzügen befinden. Die Dienstleister haben unlängst ihr Geld erhalten.
Wenn es tatsächlich zu einer Konsolidierung kommt so sehe ich immer noch nicht das Problem. Wenn der “Freelancer” (andere scheinen davon ja nicht betroffen zu sein) auf die falsche Plattform gesetzt hat so wird es doch schon einem mittelmäßigen Talent gelingen sich in eines der übrig gebliebenen Entwicklungsumgebungen einzuarbeiten.
Ich verstehe ganz ehrlich nicht worum es dir in diesem Artikel geht. Mal abgesehen davon, dass Freelancer nicht die einzigen in der Nahrungskette sind so ist der Artikel auch stellenweise widersprüchlich. Kommt es jetzt zu einer Konsolidierung oder wird es “Eintausend und Eine Plattform” geben? Vielleicht haben wir auch unterschiedliche Vorstellungen was eine Konsolidierung bedeutet. Klär mich bitte auf.
Generell hatte ich den Eindruck, dass du dich wieder in Gefilde gewagt hast von denen du wenig Ahnung hast, weil du diese nur aus “News” oder anderen Quellen kennst und nicht aus eigener Erfahrung.
Was Silverlight und Flash gemeinsam haben ist mir etwas rätselhaft. Vermutlich hast du an Adobe Air und nicht an Flash gedacht.
Impulse, Hardwarehersteller…Browserentwicklung? Vielleicht hättest du das mal genauer erläutern sollen, denn impulsedriven.com (ich hoffe von denen redest du) sieht für mich verdammt nach Steam Konkurrenz aus.
March 10, 2009 · 3:36 pm
So wie im Interview mit den Dyson Game Entwicklern Rudolf gesagt hat, dass Freelancer das Nachsehen haben, werden sie das auch über Kurz oder Lang in der Entwicklung für mobile Plattformen. Das steckt noch in den Kinderschuhen. Doch je komplexer es wird, desto weniger ist ein einzelner im Stande zu leisten.
Die Konsolidierung wird stattfinden, doch vorher schon werden die Davids die Verlierer sein, es sei denn, sie schließen sich zusammen und gründen Firmen, um möglichst viele Plattformen zu bedienen. Denn im Augenblick ist es so, dass die Plattformen boomen. Wer nicht überall seine Duftmarke abgibt, kann sich höchstens partiell verdingen. Wer aber auf allen Hochzeiten tanzen will, der hat es als einzelner eben schwer. Deshalb die Rede von Freelancern. Firmen betrifft das nicht. Deren Existenz ist nicht bedroht.
Und so wie so eine Plattform wie der App Store dafür gesorgt haben, dass Freelancer groß rauskommen, so schwer wird es ihnen gemacht, jetzt da eigentlich jeder Hersteller seine eigene Plattform anbietet.
Silverlight und Flash sind beides propietäre Systeme zur Entwicklung von Webanwendungen, beide mittels Plugin im Browser zu nutzen, beide werden auch dazu eingesetzt, Spiele zu entwickeln. Nur Silverlight soll angeblich Flash bereits den Rang ablaufen. Jedenfalls, was man so liest.
Google is your friend, oder wegen mir gerne auch eine andere Suchmaschine deines Vertrauens.
Nein, ich habe nicht von Impulsedriven explizit gesprochen und doch meine ich natürlich auch implizit solche Plattformen, es gibt ja noch viele weitere.
March 10, 2009 · 3:40 pm
Und zunächst werden Plattformen aus dem Boden schießen, bzw. sind ja dabei. Dieser Zustand ist kein Glück für Freelancer, die derzeit noch auf einer potenziellen Erfolgswelle schweben. Diese müssen sich hinterher vielleicht unter die Fittiche von Firmen begeben und ihre Selbständigkeit an den Nagel hängen, es sei denn sie machen etwas anderes.
Erst danach in 1 1/2 Jahren – so meine Vermutung – kommt es zur Konsolidierung. Dann hätten Freelancer wieder gutes Spiel, bzw. besseres Spiel, doch bis dahin werden eben viele davon sich eventuell schon verspekuliert haben. Ich meine damit niemand spezielles, sondern das Gros derer, die jetzt vereinzelt für irgendwelche Plattformen entwickelt. Sie werden überfordert sein mit den vielen Plattformen am Markt. Einfach weil sie nicht über die notwendigen Ressourcen verfügen. Und dann tut man sich zusammen oder ist aufgeschmissen.
March 10, 2009 · 4:18 pm
Wir reden doch von Freelancern als Dienstleister oder? Freelancer ziehen von Projekt zu Projekt. Freelancer sind doch keine typische App Store Erscheinung. Wenn die jetzt beim Goldrausch auf eigene Faust Geld verdienen und nacher wieder im klassischen Sinne bei Projekten mitarbeiten und dort das Erlernte einbringen…. wie genau sind sie dann die Verlierer?
Was du vielleicht meinst sind einzelne Entwickler die sich jetzt im App Store tummeln. Das sind aber nicht zwangsläufig Freelancer… oder? Vom Begriff her könnten sie das sein… von dem aber was man im klassischen Sinne unter einer Freelancer versteht… eher nicht. Denn der “klassische” Freelancer arbeitet auf Anfrage. Das was er auf eigene Faust in den App Store haut ist doch einfach mehr oder weniger die Arbeit einer Einzelperson, die Mönch, Student oder Polizist sein könnte.
Geht es hier wirklich nur um die Begrifflichkeit? Wenn du mit Freelancer den einzelnen Entwickler meintest so hast du natürlich Recht. Wie kann denn der einzelne gegen ein Team konkurrieren? Es geht… aber das sind eher die Ausnahmen und da ist eher die Idee entscheidend.
Wie in allen Geschäftsfeldern wird auch hier die kleine Tante Emma Programmiererin von den bösen großen Entwicklerteams verdrängt.
MOMENTAN boomt Apples App Store. Alle andere fangen grad erst an. Wer sich ebenfalls als profitabel erweisen wird steht noch aus. Vermutlich Google mit Adroid, wenn man nach den Verkaufszahlen geht. Allerdings hat Android so manche Limitierung, die uU den Spaß verderben könnte.
Momentan reicht es für den “Freelancer/Sonstwasfürnbegriff”, wenn er den App Store bedient. Davon kann er noch leben.
Ich sehe das deshalb anders. Der App Store und uU Adroid wird ihn ein Weile am Leben halten. Danach werden die Teams das Spiel übernehmen, ob mit Konsolidierung oder ohne. Die Konsolidierung ist für das Überleben des Einzelnen gar nicht sooo sehr entscheidend, sondern vielmehr die Effizienz der großen Spieler.
March 11, 2009 · 1:21 pm
Wir reden vor allem von Freelancern als denjenigen, die mittels App Store und Co das erleben, was wir alle dank des Internets erleben. So wie wir sagen, jeder wird zum “Produzenten” und ist nicht mehr passiv Konsument, so wird jeder Einzelne als Freelancer im App Store zum Produzenten. Dieser Status wird aber sukzessive erodiert werden. Gäbe es nur den App Store… toll. Dadurch, dass aber jede Plattform hoch hinaus will und die Anbieter genug Geld haben, um das auszusitzen, wird es eine Weile dauern. Aber hier tobt ein Krieg wie bei HD-DVD und blu-ray. Nur eben mit viel mehr Teilnehmern.
Momentaufnahmen waren für mich aber nicht Grundlage. Ich hab in die Zukunft geblickt, bzw. mir Gedanken gemacht, wie ich denke, dass es sich entwickelt. Der starke App Store im Augenblick wird wohl auch am Ende noch mit als Sieger vom Feld gehen, nur die Aufmerksamkeit der Kunden wird auch auf andere Plattformen wechseln. Und dann wird es immer schwieriger werden, als einzelner Erfolge zu feiern.