12. March 2009

“Er hatte immer das neueste Handy …”

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Amoklauf in Winnenden. Komischer Name für ein Dorf, aber es soll Orte geben, die Oberkaka und Unterkaka heißen. Letztere liegen ca. 450 Kilometer von Winnenden entfernt. Doch das tut nichts zur Sache.

Ein Mitschüler des Amokläufers gibt der Bildzeitung zu Protokoll:

Er hatte immer das neueste Handy, schmiss mit Geld um sich. Er war ein richtiger Angeber, deswegen wollte kaum einer was mit ihm zu tun haben.

Tut das etwa etwas zur Sache? Ich war als Jugendlicher während meiner Schulzeit auch immer mit den neusten Gadgets ausgerüstet, weil ich schon früh gemerkt habe, dass Kaufen auf Zeit möglich macht, wovon andere nur neidisch träumen. Ich hab damals viele Geräte ausprobiert, sie nach einiger Zeit wieder verkauft und so zwar keine Sammlung im Schrank gehabt, aber konnte immerhin behaupten, schon mal einen Palm III, eine Dreamcast, ein weiß der Kuckuck gehabt zu haben. Mit Mobiltelefonen war es natürlich ähnlich und ist es heute noch.

Doch ich kann nicht behaupten, Ambitionen zum Amoklauf entwickelt zu haben und obwohl ide Pubertät hart für jeden von uns ist, hatte ich Freunde und fühlte mich trotzdem nicht immer und überall zugehörig. Es gab bei uns an der Schule Bonzen, die auch immer das neueste Handy hatten. Doch die waren cool und hatten auch Freunde. Meinetwegen dachten sie, sie hatten Freunde. Doch psychologisch macht das keinen Unterschied. Dass Tim aus Winnenden keine Freunde hatte, lag bestimmt nicht daran, dass er ständig das neueste Handy hatte. Und auch wenn der Mitschüler das zu Protokoll gibt, wissen wir alle, dass so ein Urteil vorschnell gefallen ist, aber die eigentlichen Hintergründe damit überhaupt nicht beleuchtet werden.

Viel interessanter ist da schon die Tatsache, dass die Eltern gewusst haben, dass es ihrem Jungen nicht so gut geht. Dass Tim schon in psychiatrischer Behandlung gewesen ist, und dass offenbar die Rufe nach Schulpsychologen in diesem Fall rein gar nichts verändert hätten, zumal an der Realschule von Tim ja ein solcher zum Einsatz kommt. Es hat ihm offenbar an nichts gefehlt, so der vordergründige Aberglaube. Liebe, Zuneigung, Anerkennung – das alles wollte ihm offenbar niemand zuteil werden lassen. Es zeigte aber auch keiner offenbar mehr Neugier an ihm als nötig.

Aber auch niemand zeigte ihm seine Grenzen auf. Man liest, dass er seine wenigen Freunde, mit seinem Waffen-Tick genervt hat, sie mit seinen Softair Waffen beschoss und diese keinen Spaß daran fanden. Warum während der Erziehung sich niemand um den AK gekümmert hat, das darf man Familie Kretschmer fragen. Vielleicht gehört ein Kind ja in das Heile Welt Bild dazu. Bestimmt haben sie Tim geliebt. So sehr, dass sie ihn zur Nachhilfe geschickt haben. So sehr, dass sie ihn in eine Privatschule schickten. Ob er das überhaupt wollte, danach hat niemand gefragt. So fühlt man sich dann übergangen von allen Seiten.

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Kategorie Glocal, Media · Autor · 2 Kommentare


2 Kommentare

  1. Pingback von Endlich wieder Amoklauf! :: onezblog
    March 12, 2009 · 7:16 pm

    [...] auf den Zeiger, dass mir hier nur unflätige Worte dazu einfallen. Da werden ehemalige Mitschüler befragt und der Mist von denen auch noch abgedruckt, ganz so als würde man sich an jeden [...]

  2. Pingback von Amoklauf in Albertville-Realschule in Winnenden - Tim Kretschmer | BlogTipp.eu - Hier ist ihr Blog zu Hause...
    March 13, 2009 · 7:32 pm

    [...] “Er hatte immer das neueste Handy …” [...]

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