15. March 2009

Wer sind eigentlich WoW-Fanatiker?!

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Der Betreiber von Rainer’sche Post hat beim Kollegen Kunstfigur kommentiert. Dort sprach er von Quake- und WoW-Fanatikern. Man muss diese begrifflichen Zuweisungen als Stilisierungen verstehen, denn Quake ist wahrlich nicht der Teufel unter den Egoshootern, noch dazu, als es Anfang der 1990er Jahre die technischen Ressourcen noch nicht gab, um ähnlich realistisch anzumuten wie Far Cry 2, dass der BILD-Zeitung und den Ermittlern zufolge der Amokläufer Tim K. am Abend vor dem Amoklauf gespielt haben soll.

Der Publisher Ubisoft und das Entwicklerstudio Ubisoft Montreal sollten sich ihrer Verantwortung bewusst werden. Mit Sicherheit kann man die komplette soziale Umwelt und alle Dinge, mit denen Tim K. interagierte, hinzuziehen, wenn man Gründe für das Warum finden will. Als Computerspieler und akademisch Interessierter, würde ich überhaupt nie abstreiten wollen, dass Computerspiele einen Effekt auf uns haben. Es ist wohl aber zu weit hergeholt eine direkte Beziehung zwischen Far Cry 2, den Bondage-Pornobildern von Tim K. oder sonstigem zu ziehen und der Tat des Amoklaufs. Vielmehr sind einige Dinge ein Resultat seiner Situation gewesen und die bestand weiß Gott aus mehr als nur Computerspielen.

Doch zurück zur Rainer’schen Post. Es gibt auf der Welt so viele WoW-Spieler, wie sie die Einwohnerzahl etlicher europäischer Länder übersteigt. Wenn Rainer das Gedankenexperiment starten würde und darin einen Selbstversuch unternimmt: Er schickt sich also durch eine neu geschaffene Stadt, bzw. ein Land, in dem man all diejenigen eingepfercht hat, die er als World of Warcraft-Fanatiker bezeichnet. Er würde von Ort zu Ort streifen und überall in Gesichter von Leuten blicken, denen er heute schon ohne das Gedankenexperiment begegnen könnte – nämlich Leuten wie Du und ich. Krankenschwestern, Supermarktverkäufern, Taxifahrern, Managern, Prostituierten, Medizinern. Es gab auf dem 23ten CCC-Kongress einen Rede-Beitrag von Joichi Ito, dem Macher von WoW, der genau darauf hinwies.

Medium: video.google.com
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Die Masse derer, die WoW zu dem machen, was es ist, sind ganz gewöhnliche Menschen. Vor allem verstehe ich nicht, wie jemand wie Don Alphonso, der selbst über einen jüdischen Hintergrund verfügt und sensibilisiert ist für ein Thema, bei dem es darum geht Minderheiten nicht zu stigmatisieren – warum macht so jemand Schubladen auf, und freut sich über jeden, der zustimmt, dass Gamer “ganz böse” seien. Noch dazu eben in einer Form dargestellt, wie man es vor Jahrzehnten mit Schwulen oder Lesben tat oder davor auch mit Leuten, die vor der Ehe Sex hatten. Alles anormal und asozial, nicht von dieser Welt eben. Nur scheinbar geht jenen kein Licht auf, dass wir auch ein Teil eurer Gesellschaft sind.

Gamer sind vielleicht so mithin die schlechteste Gruppe, die man erwischen kann, aber ich habe heute morgen mal mit einem Kollegen gesprochen, der sich ab und an als Tester kritisch mit Spielen beschäftigt, und der meint, dass man mit vielen von denen erst gar nicht mehr reden kann. Geht nicht. Ganz finster. ich verstehe, was der meint. (Don Alphonso)

Fragt sich, mit welchem Redakteur sich die Kunstfigur unterhalten hat, und ob man tatsächlich auf Teufel komm raus alle Leute über einen Kamm scheren muss, nur weil es die Quote in die Höhe treibt.

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Kategorie Media · Autor · 8 Kommentare


8 Kommentare

  1. Kommentar von CS
    March 17, 2009 · 12:09 am

    Natürlich sind WoW Gamer ganz normale Mensche. Wer soll denn sonst WoW spielen? Marsianer? Und es zocken sicherlich auch deutlich klügere Köpfe als Don Alphy WoW. Ändert trotzdem nichts an den Auswirkungen des medialen Konsums.

    Gamer sind etwas anderes als Homosexuelle. Gamer können selbst darüber entscheiden ob sie Gamer sind.
    Stefan hatte schon im anderen Don Alphonso Beitrag von dir was von einem Generationskonflikt erwähnt. Ich selbst sehe mich Aufgrund meiner Kindheit mit einem Fuß in der Gamer- und mit dem anderen in der “Don Alphonso”-Generation.

    Ich kann deshalb sowohl die Antipathie als auch die Sympathie gegenüber Gaming verstehen (glaube ich). Ich zocke selbst, verteufle aber ebenfalls zu einem gewissen grad den neuen Lifestyle. Don Alphy gebärt sich als hätte er ein Recht zu urteilen was der Mensch zu unterlassen hat und was nicht. Das ist natürlich nicht der Fall und er ist einfach nicht in der Lage in Worte zu fassen was wirklich ein Problem darstellen kann/könnte/bereits ist/whatever.
    Es ist wie mit vielen “Errungenschaften”. In der Anfangsphase werden sie exzessiv konsumiert, bis irgendwann die Welt aufschreckt und sie verurteilt. Gaming hat ab einer gewissen Intensität ohne Frage Auswirkung auf die physische und psychische Gesundheit der betreffenden Person. Selbiges gilt aber generell für so gut wie alles was exzessiv betrieben wird. Don Alphy als Blogger-Koryphäe hat bestimmt selbst einige Stunden täglich auf dem Buckel die er vor dem Comp verbringt. Scheiße…sogar Emails können süchtig machen.

    So polemisch und engstirnig die Kommentare von Don Alphy manchmal sein mögen, so haben sie doch einen Funken Wahrheit. Ebenso beinhalten diesen Funken deine Don Alphy Schelten.
    Dennoch wäre es vielleicht “schöner”, um sich vom Alphy-Niveau abzuheben, wenn du auch tatsächlich mal die negativen Seiten des medialen Konsums aufzeigst und nicht immer versuchst dies zu verteidigen.

  2. Kommentar von CS
    March 17, 2009 · 12:13 am

    bitte bitte schalt den Cache aus bevor er nicht richtig konfiguriert ist. Der schadet doch mehr als er nützt :)

  3. Kommentar von Alexander Trust
    March 17, 2009 · 12:16 am

    Kann ich nicht. Ich hab’s probiert, aber es gibt kein Plugin…

  4. Kommentar von CS
    March 17, 2009 · 12:20 am

    Aber ich dachte der Bueltge hat den eingeschaltet. Da müsste man den auch wieder ausschalten können…

  5. Kommentar von Alexander Trust
    March 17, 2009 · 12:52 am

    Hm… es sind hier hin und wieder auch Nachrichten erschienen, die Studienergebnisse diskutiert haben. Wie ich bereits bei Stefan Niggemeier (auch rund um den Amoklauf) kommentierte, ist unsere Welt sehr komplex, und wir haben durch die Elektronik das Problem, dass wir dieser Komplexität sehr nahe sind. Wir können einfach nicht in jedem Fachgebiet ein Experte sein, auch wenn das vielleicht manchmal notwendig wäre.

    Was wir also tun, indem wir uns zu Wort melden, ist einen Diskurs führen, öffentlich – mehr oder weniger – mit Alphonso, mit anderen Bloggern, aber auch mit all denen die kommentieren. Nur hab ich eben das Problem, dass die Leute hier hin und wieder nur ein Mal aufschlagen, weil irgendwas ihnen nicht passt, meckern, wieder gehen und a) nie gesehen haben, dass das Thema hier auch von der anderen Seite der Medaille schon angepackt wurde und b) dass eine Schublade aufgemacht wird, in die man mich steckt, in die ich nicht passe. Du liest jetzt das hier und sagst zu mir, ich müsste die anderen Seiten des Gamings aufzeigen. Tja… da ich weiß, dass du mein Blog im Rhythmus von 2 Wochen frequentierst und eben nur anliest und wenn dir irgendein Stichwort ins Auge fällt, weiterliest, kannst Du dir doch selbst an einem Finger abzählen, wie das so abläuft. In einem Forum hätte man dir gesagt: Benutz zuerst die Suche, bevor du fragst.

    In diesem Artikel habe ich festgehalten, dass bioshock wie viele andere Spiele einen in einer Form manipuliert, dass wir eigentlich nur stumm folgen und nicht selbst denken…

    http://www.sajonara.de/2008/11/20/bioshock-auf-den-leim-gegangen/

    Und ich habe eine Studie kritisiert, die angeblich repräsentativ den durchschnittlichen Computerspiele beschreibt:

    http://www.sajonara.de/2007/11/21/der-gemeine-computerspieler/

  6. Kommentar von Alexander Trust
    March 17, 2009 · 12:54 am

    Ich hatte noch mehr Links herausgesucht… aber ich weiß, dass du irgendwann aufgehört hättest zu lesen. Drum hab ich sie wieder gelöscht.

  7. Kommentar von CS
    March 17, 2009 · 1:23 am

    Du scheinst in letzter Zeit viel Forenerfahrung gesammelt zu haben ;)

    Gut ich gebe zu, dass ich die wichtigste Regel missachtet habe. Zuerst suchen dann schreiben..

    Nun ich habe ja mit dir darüber schon andere male diskutiert und mir ist nie eine kritische Seite aufgefallen. Sollte ich sie vorhanden sein, so habe ich das zu Unrecht kritisiert.

    Dennoch ohne ins Meckern verfallen zu wollen muss ich erwähnen, dass mir bei den von dir aufgezeigten Artikeln keine wirkliche Kritik aufgefallen ist. Der erste Beitrag liest sich mehr wie eine Kritik zu Bioshock als eine kritischer Beitrag über die Einflüsse von Computerspielen. Verzeih mir mein freches Mundwerk, aber letzteres erkenne ich gar nicht.
    Auf den zweiten Beitrag trifft das Gleiche zu.

    Don Alphonso hat doch den allgemeinen Einfluss des Gamings “kritisiert” und du hast gekontert. Darum geht es doch, oder? Vielleicht habe ich auch das Thema verfehlt.

  8. Kommentar von Alexander Trust
    March 17, 2009 · 2:01 pm

    Was heißt in letzter Zeit. Schon vor 15 Jahren und heute ist das nicht anders. Jedenfalls bin ich recht häufig in Foren unterwegs. Weniger oft aktiv, da nur bei GP oder MN oder so. Aber es gibt Foren in denen ich registriert bin, um Informationen zu bekommen und diese Netiquette und die Foren, wo Leute dir keine Hilfe geben, sondern dir nur sagen, dass, wenn du Hilfe haben willst, du erstmal Deutsch lernen sollst, etc. – also die waren selbst in meinen Seminaren an der Uni Thema, wegen der Sprache die dort verwendet wird.

    Es ist schwach, wenn man jemandem immer nur die Suchmaschine vorhält, bzw. seine Hilfegesuche abweist. Finde ich jedenfalls.

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