Rektorenkonferenz an RWTH schließt Türen
{4}Aachen, RWTH. Im Laufe des gestrigen Montag fanden sich Rektoren diverser Hochschulen in Aachen ein. AUDIs und Volkswagen dominierten neben BMW und Daimler den Platz vor dem neuen “Super C”. So heißt ein Gebäude der RWTH Aachen, das einerseits die Anlaufstelle für Besucher sein soll, zugleich jedoch die Herberge für etwaige studentische Angelegenheiten ist.
Als ich meine Sprechstunde bei früher schon mal erwähntem X hinter mir hatte, bin ich froh und erleichtert darüber, Themen für die Prüfung fertgezurrt zu haben, mit schnellen Schritten auf eben jenes Super C zugegangen. In ihm haust das zentrale Prüfungsamt. Online kann ich ein notwendiges Dokument zur Prüfungsanmeldung nicht einsehen, drum wollte ich vor Ort zur Tat schreiten. Die Nobelkarossen im Blick, grübelte ich kurz darüber nach, ob hier irgendwelche Schauspieler ein Stelldichein geben. Weit gefehlt. Und bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich nicht gewusst, dass es sich um die fahrbaren Untersätze von Rektoren aus der Bundesrepublik handelte.
Das Super C gibt es noch nicht so lange in Aachen. Dieses Semester wurde es eingeweiht und ist in der Tat so etwas wie ein Vorzeigeobjekt. Glasfront zu mehreren Seiten, in den Boden eingelassen und erzeugt über einen thermischen Bohrer im Heck des Gebäudes seine Energie selbst. ein Kraftakt, der angemessen gewürdigt werden muss. Und so wie manches Land sich als Austragungsort für die Fußball-WM bewirbt, scheint Aachen den Zuschlag für die Rektorenkonferenz gekriegt zu haben. Gleichzeitig konnte man natürlich nicht ins Hauptgebäude ziehen mit den Rektoren, oder ließ sie im renovierten Krönungssaal sich versammeln. Nein, es musste das Super C sein.
Noch ahnungslos tat ich einen Schritt durch die automatisch sich öffnende Tür. Kaum in der Empfangshalle angekommen wurde ich von einem Herrn angesprochen, der mir von draußen gefolgt war. Mit einem gewinnenden Lächeln versuchte er mir zu erklären, dass jetzt hier geschlossene Gesellschaft sei, und es ihm Leid täte. Er komplimentierte mich also heraus. Ich drehte um, und dachte all das, was ich bereits in den Absätzen zuvor formuliert habe und noch viel mehr. Ich dachte auch darüber nach, ob diese versammelten Rektoren eigentlich Eintrittsgelder hatten zahlen müssen, um in dem Gebäude zu logieren?!
Also ich habe dieses Semester mein Ticket bereits gelöst. Knapp 700 Euro – Semesterticket sei Dank – sind es für das Sommersemester 09 an Studiengebühren dann doch gewesen. Ob das dem Menschen bewusst ist, der mich dort mit seinem gewinnenden Lächeln vor die Tür gesetzt hat? Die Herren Rektoren kriegen Brötchen und Sekt, parken mit ihren Protzkarren mitten auf dem Gehweg und ich darf also morgen nochmal mein Glück versuchen, mein Formular beim ZPA zu besorgen. Ja ne, ist klar.
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Tags Aachen, Audi, BMW, Daimler, Mercedes, Rektorenkonferenz, RWTH, Semesterbeitrag, Semesterticket, Studiengebühren, Volkswagen, VW
Kategorie Glocal, Science · Autor Alexander Trust · 4 Kommentare

April 21, 2009 · 6:33 pm
d.h. die 700 euro berechtigen dich dazu, auch bei einer so einer veranstaltung unbedingt in dieses super c zu kommen? nimmst du dich ja nicht selbst was zu wichtig?
freu dich doch lieber, dass seine uni spätestens jetzt von den anderen anwesenden rektoren wahrgenommen wird.
April 21, 2009 · 7:03 pm
Danke erstmal für die Einschätzung. – Es sind mittlerweile einige Tausend, weil ich schon einige Zeit Studiengebühren bezahle. Und ja, das berechtigt mich dazu. Nicht ich wollte die Studiengebühren, sondern die Uni. Jetzt ist es eine Dienstleistung, die ich in Anspruch nehme und entsprechend bin ich dazu berechtigt, wie jeder Kunde an der Kasse mich zu beschweren.
Gut, so einfach mach ich’s mir nicht, aber Tschuldigung, die RWTH ist nicht zum ersten Mal im Fokus der Öffentlichkeit, wurde vorher schon bundesweit wahrgenommen, weil auch im Exzellenzcluster und so fort.
Die Rektoren haben nur die Jahre davor nicht dort residiert, wo ja jetzt unbedingt studentische Einrichtungen wie das “Zentrale Prüfungsamt” auch hausen müssen/sollen/dürfen? Ich kann also diesen Einwurf nicht wirklich verstehen, “walter”. Man sollte sich als Uni nicht so wichtig nehmen, finde ich. Ich hab jetzt in meiner Zeit an der Hochschule viele Dinge mitbekommen. Aber warum man solch öffentlichkeitswirksames Gaga braucht, wo keine 300 Meter weiter in einem anderen Gebäude die Klos aussehen wie sau und mit Hakenkreuzen oder antifaschistischen Parolen zugekleistert sind und es nach pardon “Pisse” riecht. Ich hab das gesamte letzte Semester in Seminarräumen gesessen, die von der Sonne abgeschnitten waren, weil das Gebäude mit nem Gerüst zugestellt war und Planen davor hingen. Gebäudesanierung war das Thema. Hat man angeleiert, weil das Geld jetzt da ist. Ist an sich ne gute Sache. Aber selbst die Dozenten schütteln den Kopf, warum man das IM Semsester machen musste, und nicht außerhalb erledigt hat. Den Baufirmen ist der Termin ja schließlich egal.
Ich könnte hier nen Roman darüber schreiben und auch Fotos beibringen und Leute zitieren, Angestellte, Dozenten, Professoren aber eben auch Studenten, was alles NICHT funktioniert an der RWTH. Aber Hauptsache man reservierte gestern, heute und dann in Zukunft immer wieder das Gebäude in dem Studenten seit neuestem jeden Tag auflaufen, um sich über ihre studentischen Angelegenheiten zu informieren und für Prüfungen an- und abzumelden, etc. pp. – Das finde ich nicht gerade gelungen. Das ZPA war vorher woanders untergebracht, ebenso mit Sicherheit die Treffen mit hochrangigen Leuten. Mir kann doch keiner erzählen, dass das Super C nicht in Zukunft auch für den Kongress X und das Gremium Y benutzt werden. Mir als Student hat man hingegen in einem Examenskolloquium irgendwann erzählt, der Prof nimmt keine Studenten mehr für Prüfungen an, weil er überlastet ist… hab ich mich umorientiert im nächsten Semester wieder einen Dozenten mir ausgesucht, der aber Jupheidie… vor diesem Semester kurzfristig nach Münster gewechselt ist. Und vor 2 Jahren habe ich die Abschlussprüfung im Nebenfach bei jemandem gemacht, den ich nie zuvor gesehen hatte, weil auf einen Schlag gleich zwei von drei Lehrstühlen vakant waren, aber man die Leute immer nur 1 Jahr lang sie hat vertreten lassen. Natürlich ist das alles menschlich, aber dann ist es meine Kritik auch, und somit muss sich weder die Uni noch ich dafür nen Zacken aus der Krone brechen. Amen.
April 21, 2009 · 8:18 pm
Ich muss sagen ich verstehe es auch nicht. Zudem muss ich schon wieder dieses Totschlagargument lesen “die Uni ist ein Dienstleister”. Nun lieber Alexander und du bist dann ein Kunde. Bring dein Geld zu einer anderen Uni.
Dass man einen Ersatzraum hätte schaffen sollen für die Studenten während im Super C die Superkonferenz tagt…das ist etwas anderes, aber sich darüber zu mockieren, dass du während der Konferenz nicht da rein darfst halte ich für höchst albern. Hättest du dich zudem weniger aufgeregt, wenn die Herren im Golf 1 angerückt wären?
April 21, 2009 · 8:27 pm
Das ist kein Totschlagargument. Ich hab Steinbrück gewählt und der hätte keine Studiengebühren eingeführt. Da brauch ich nicht zu argumentieren, was wäre wie… – Ich musste mal in einem Seminar zur Sprechpraxis, bzw. wir alle mussten da so rhetorische Strategien einüben. Als Thema war unter anderem die Einführung von Studiengebühren ausgesucht worden. Dass da auch die Studenten nicht einer Meinung sind ist klar. Aber selbst unsere Professoren, bzw einige von denen, die ich kennen gelernt habe, sprechen davon, dass die Uni zum Dienstleister wird/geworden ist und manche Unis, wenn sie Pech haben irgendwann dicht machen müssen. – In dem Super C gibt es eine Cafeteria… im Audimax gibt es eine Cafeteria… in der Hochschulbib gibt es eine Cafeteria… die gab es bis vor einem halben Jahr nicht und Jahre haben Studenten sich dafür eingesetzt, dass man überhaupt irgendwelche Angebote eröffnet, um die Versorgung mit Getränken und Nahrungsmitteln an der Uni zu sichern. Die Cafeterias gibt es jetzt nur, weil wir Exzellenz sind… und das offensichtlich so gehört, wenn man Exzellenz ist. Die Verantwortlichen sind dieselben, wie sie es vor Jahren waren.
Ich werd mein Geld garantiert nicht zu einer anderen Uni bringen, denn das ZPA zu blockieren in der Zeit ist ein wenig so, wie wenn ein Webhoster Ausfälle produziert, die seine 99,9%-Garantie bröckeln lassen.
Die Konferenz hat “irgendwo” in dem Gebäude stattgefunden. Ich wollte nur zum ZPA, das in nem anderen Stockwerk und/oder Winkel zu finden war. Wurde aber am Eingang herauskomplimentiert. Ich hätte den Sitzungsraum nicht betreten und die Herren Schlipsträger bestimmt nicht stören wollen bei ihren Bürokratie fördernden Gesprächen.