8. May 2009

Ein Tag in Wörtern

Freitag, 1:53 Uhr. Ich mache Kassensturz. Ein langer Donnerstag liegt hinter mir. Ein Tag an dem Input und Output sich abwechselten. Ein Tag wie jeder, aber dennoch einer an dem ich mich entschied genau hier und heute ein wenig zu beleuchten, was nicht alles dabei rumkommen kann.

Als ich morgens den Computer anknipste, ließ ich den Messenger noch geschlossen. Ich fing an, und tippte mir einen Review zu Stormrise von der Seele. Ein Spiel das schon viel zu lange auf meinem Schreibtisch liegt. 1300 Wörter hab ich am Ende zum Redigieren freigegeben. Am Rattenschwanz von Stormrise hängen viele Stunden der Enttäuschung. Ich bin enttäuscht von dem Spiel. Ich hatte mehr Hoffnung darauf gehabt, dass das groß angekündigte Steuerungssystem die Echtzeitstrategie auf den Konsolen revolutionieren würde. Stattdessen habe ich in den letzten Wochen gemerkt, wie wenig von den Marketingversprechungen manchmal realisiert wird.

Während ich formulierte und Zwischenüberschrift für Zwischenüberschrift abspulte kam jemand nach Hause, der Hunger hatte. Der Zeitdruck wurde größer, und die Tastatur sollte ich mit dem Küchenmesser tauschen. Ich nahm mir heraus, das Review erst noch fertig zu schreiben. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich das erste Mal meine Emails vom Tag kontrolliert und einige Zeilen im internen Forum von GP formuliert (einige 100 Wörter). Ein Entwicklerstudio benötigte noch mein UDID vom iPhone, damit ich eine Testversion eines Fußball Managers zu Rezensionszwecken würde testen können. Die Mail war die Tage liegen geblieben. Heute wurde ich wieder daran erinnert. Noch ehe ich in die Küche ging antwortete ich darauf (keine 30 Wörter in englischer Sprache) und schrieb außerdem noch eine Anweisung für meine Vertretung bei GP, man möge sich um die Screenshots beim Review kümmern (wieder einige 100 Wörter).

Nach dem Kochen – die einzige Abwechslung am Tag – und dem Essen, ging es für mich zurück an den Rechner. Zunächst ein wenig Input. Ein Kapitel über Chunks im CMS modX. Es sollte ein Buchstabenmarathon folgen. 2 Kommentare auf Macnotes (jeweils keine 30 Wörter). Im Anschluss wieder ein Review, für dieselbe Seite. Das Pamphlet zu Trivial Pursuit fürs iPhone kommt auf stolze 650 Wörter. Ich unterrichte Boris Gojic von EA darüber, dass ich diesen Review geschrieben habe, und dass es zwar schon wieder neue Spiele für iPhone von EA gibt, aber zu uns leider keine Nachrichten durchgedrungen sind. Jedenfalls nicht auf den normalen PR-Kanälen. Die Mail ist vielleicht 50 bis 80 Wörter lang. Boris bedankt sich und gibt zu, dass die Nachrichtenlage schwierig ist. Wir hängen hier in Deutschland am amerikanischen Tropf. Leider. Das Problem begegnet mir im Rahmen meiner Recherchen in Sachen iPhone häufig(er). Ich stand auch schon mit den PR-Leuten von Konami in Deutschland in Kontakt. Deutschland genießt in der Nachrichtenverteilerwelt der international aufgestellten Firmen offenbar keine Priorität, gerade wenn sie deren iPhone und Mobile-Titel betreffen. Leider. Das sehen sowohl die Journalisten als auch die PRler so.

Noch eine Nachricht zu einem neuen Independent-Titel für Mac. 190 eigene Wörter und ein englischsprachiges Zitat. – Ich hatte angefangen die Neuigkeiten bei Gamespress abzuklappern. Den 190 Wörtern von mir steht eine englischsprachige Pressemeldung mit knapp dreimal so vielen Wörtern entgegen. Journalisten nehmen viel auf und sollen möglich konzis die Informationen weitergeben.

Doch in der Zwischenzeit noch Input im internen Chat von Macnotes. Wir werden auf Twitter-Beiträge hingewiesen, in denen Leser uns das Abschreiben vorwerfen. Ich überlege kurz ob ich einem antworte, dass ich seinen Tweet als Beleidigung empfinde. Ich entscheide mich dagegen, erkläre aber meine Sicht der Dinge im MN Chat. Es dürften mehr Wörter gewesen sein, als mein Nachrichtenbeitrag lang sein würde. Denn den hatte ich zu der Zeit noch nicht geschrieben.

Ich arbeite gewissenhaft und meine Texte sind mir heilig, aber ich bin selbst auch mein größter Kritiker. Wie kommen also Leute dazu, zu sagen, ich schreibe irgendwo ab? Das Medium, denke ich und schreibe es so in den MN Chat. Wahrscheinlich würde einen DPA Journalisten das gleiche Schicksal ereilen, wenn Mr. X eine ähnlich lautende Nachricht vorher schon bei Shortnews gelesen hätte. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Subjektive Kriterien der Beobachtung legen solche Kritikervögel dabei gerne bei anderen an, hinterfragen sich aber selbst nicht. Ich bin enttäuscht über so viel Ignoranz, bzw. so wenig Medienkompetenz.

Vor zwei Tagen erst habe ich einen ähnlichen Kommentar bei MN mit dem Hinweis kommentiert, dass meiner Kollegin da etwas zu unterstellen eine komische Sache wäre. Heise, so der Kommentator, hätte das gleiche geschrieben (über Amazons Kindle). Haben Sie natürlich nicht, weil sie anders arbeiten, und Plagiarismusvorwürfe wären eine grob fahrlässige, falsche Tatsachenbehauptung. Dementsprechend sollten manche Leute erst denken und dann schreiben. Doch meine Antwort auf X: Er hätte sich schließlich auch nicht bei 199 Seiten beschwert, die über die Entlassung Jürgen Klinsmanns geschrieben hätten, nur weil er woanders schon mal etwas zum gleichen Thema gelesen hat. Solche Unterstellungen ärgern mich. Denn ein Teil der zeitlichen Differenz zu anderen resultiert vor allem durch die Rechercheleistungen und die Rückversicherung von Fakten.

Meinen Nachrichtenbeitrag auf MN habe ich veröffentlicht. Ich hatte die Seite von Tale of Tales besucht und mir die Shoppingplattform von TransGaming angesehen. Tale of Tales – Belgier also. Transgaming kommen aus Kanada. Infos, die ich nur zum Teil aus der Pressemitteilung entnehmen konnte, finden den Weg in mein Gedächtnis. Zwischendrin wieder Kommunikation via Instant Messenger mit meinen Kollegen bei GP. Eigentlich bin ich derzeit in der Projektleitung und kümmere mich um den Relaunch vor der Gamescom, doch ganz ohne redaktionelle Tätigkeit wird’s wohl nicht gehen. Vor allem wenn sonst nichts passiert. Man muss komischerweise immer ein Auge drauf haben. Morgen dann ein Telefongespräch, eine Telefonkonferenz vielmehr. Wir hören uns ein Angebot an. Ergebnisoffen, unverbindlich. Es geht um die Zukunft von GP, und irgendwie auch um meine eigene. Das Gespräch sollte diesen Dienstag in der Früh gewesen sein. Es wurde verschoben. Nun ist es am Freitag so weit. 15 Uhr.

Während der Recherchen zu The Path registriere ich mich für einen Newsletter von Tale of Tales. Kurz nachdem meine Nachricht veröffentlicht ist, geht die erste Nachricht an mich über diesen Kanal. Offenbar ein besonderes Angebot zu The Path. Cooles Angebot, irgendwie. Das Spiel wird auf einem USB Stick als Medium verkauft. Das hat was. Denn der Stick trägt das Gesicht der Protagonistin. Ich überlege, ob ich die Nachricht um diese Informationen erweitere. Ich verzichte darauf. Nachher heißt es nur, ich würde abschreiben.

Ich durchforste weiter RSS Feeds und Nachrichtenkanäle. Im Ergebnis erstelle ich eine Kurznachricht für MN. Aus der zwischenzeitlich auch etwas mehr hätte werden können. Am Ende sind es 81 Wörter inkl. Überschrift. 81 Wörter, für die ich sehr lange brauche, weil ich mich kurzfassen muss. Die Rubrik wird separat auf der Webseite dargestellt und es sollen nicht mehr als 5 Zeilen sein. 81 Wörter inkl. Überschrift, die ich aus einer englischsprachigen Pressemitteilung gezimmert habe, die selbst wohl mehrere Hundert Wörter umfasst. Ausnahmen bestätigen die Regel. Ich unterrichte Chillingo darüber, dass ich diese Kurznachricht veröffentlicht habe. Mir wird geantwortet und gedankt.

165 Wörter umfasst mein nächster News-Beitrag für MN. Ich bin über eine PM auf Gamespress gestolpert, die eine Absichtserklärung von SEGA und Gameloft ankündigt. Bestimmt wird mir jemand vorwerfen, ich schreibe ab. Weil die Informationen ja in englischer Sprache vorliegen, muss ich sie wenn überhaupt erst übersetzen. Noch während ich am Formulieren bin, tippe ich eine Email (nochmal 50 Wörter). Ich schreibe an Jochen Brach von Gameloft Deutschland, stelle ihm eine Frage bezüglich der Zusammenarbeit. Meine Nachricht auf MN thematisiert nämlich die Möglichkeit, dass Sonic Unleashed also auch aufs iPhone kommen könnte. Das Problem an der Sache. SEGA hat ja schon selbst für Apples Plattform entwickelt. Meine Vermutung wird von Jochen Brach bestätigt. Doch noch gibt es Hoffnung auf Sonic am iPhone. Noch eine Mail hatte ich derweile an Sebastian Weidenbeck von SEGA Germany formuliert, ihn ebenfalls gebeten, dieses Thema zu berücksichtigen. Bei ihm weiß ich, er wird demnächst vor Ort bei einer kleinen Veranstaltung in Deutschland präsent sein müssen. Und ich weiß, ich schreibe außerhalb seiner Geschäftszeiten. Von Jochen Brach erhalte ich Antwort und baue diese in meine Nachricht mit ein. Bestimmt wird mir jemand vorwerfen, ich schreibe ab.

In der Zwischenzeit habe ich an EA Mobile gezwitschert, dass ich Trvial Pursuit rezensiert habe. Natürlich erhalte ich keine Antwort, anders als bei Boris. Doch ich habe nachwievor die Hoffnung, dass ich mit diesem und weiteren Beleglinks an die Stelle von eamobile auch endlich eine Rückleistung erhalte. Vor Wochen nämlich habe ich ein Interview zusammengeschustert, ebenfalls für MN. Es ging um die iPhone-Plattform. Natürlich in Englisch, damit EA Mobile es versteht… aber für MN werde ich es dann wieder übersetzen müssen. Ich schreibe ab, so wird’s sein.

713 Wörter. Mein Review zu Car Jack Streets. Ich bin enttäuscht von der Steuerung des Spiels. Enttäuscht auch, dass TAG Games sich vor Wochen auf ein, zwei Anschreiben von mir nicht gemeldet haben. Ich bekam also kein Rezensionsexemplar, sondern hab das Spiel aus eigener Tasche gelöhnt. Enttäuscht bin ich auch deshalb, natürlich. Wenn ich alle Spiele kaufen müsste, die ich rezensiere, könnte ich mir meine Wohnung nicht leisten. So funktioniert das irgendwie nicht. Doch halt, gerade das hat man mir und uns von MN ja vorgeworfen. Lass es zwei Wochen her sein. Damals hab ich “nur” eine Nachricht zu einem neuen Spiel gebracht, und wegen der fehlenden rezensierbaren Vollversion habe ich mich weitgehend einer Meinung enthalten. So wie es sich für eine Nachricht eben gehört. Aber das war eben auch nicht gut.

Ich twittere über mein Review und kümmere mich dann um ein Interview, das Adrian Wahl von Bright Future uns gegeben hat. Die Fragen haben wir vor einiger Zeit, der Markus und ich, im Chat uns ausgegrübelt. Er kennt den FM von heute besser als ich. Meine Fragen zielen mehr auf Konkurrenz und die Vergangenheit. Ich muss Bilder bearbeiten, hochladen. Das musste ich bei allen Artikeln bis auf die Kurznachricht. Das sind aber Bilder und keine Wörter. Die kann ich zum Glück nicht abschreiben, sondern allerhöchstens kopieren. Das sind Bilder, die ich zum Teil in Photoshop bearbeiten und zurechtschneiden muss. Ich unterrichte Markus über das Interview, er findet noch einen Fehler. Fast 1000 Wörter lang das Interview.

Ich weiß auf jeden Fall, dass auch dieser Text hier ziemlich lang geworden ist. Aber ich weiß vor allem, dass ich nicht abschreibe und kann solche Statements auch nicht nachvollziehen. Für heute lass ich’s gut sein, aber nachher, nach dem Telefongespräch oder noch vorher, werd ich weiter regen Austausch betreiben, zwischen Input und Output. Und wenn ich mal wieder enttäuscht bin, dass Leute meinen, wir täten abschreiben, werd ich nicht schon wieder meine Zeit darauf verwenden, ihnen zu erklären, warum es nicht so ist.

Hinzufügen zu del.icio.us, Mr. Wong, LinkARENA, SEOigg
Tags , , , , , , , , ,
Kategorie Media · Autor · Keine Kommentare


Schreibe einen Kommentar


Top