Heise zu AGOF-Nutzung: Die anderen sind noch schlimmer

Veröffentlicht am  14. Mai 2009 von  

Moralisch einwandfrei sind Begründungen für das eigene Handeln mit Sicherheit nicht, wenn man formuliert – aber die anderen machen es doch auch so. Dass einige der selbsternannten Wegweiser im Web 2.0 sich so gebärden, sich gegenseitig auf die Schulter klopfen beim unmoralisch sein und zudem in irgendwelche nationalen und globalen Think Tanks aufgenommen werden – es gibt mir zu denken.

Schade finde ich aber, dass man bei Heise in einem Artikel zur Datenerhebung im Internetz formuliert:

Das Wissen über die Benutzer, das die AGOF in den vergangenen Jahren gesammelt hat, ist beeindruckend und für Datenschutz-Sensibilisierte sicherlich bedrohlich. Dennoch wirken die hiesigen Sorgen um Privatsphäre nahezu lächerlich, wenn man den Blick auf die großen US-amerikanischen Werbenetzwerke und Online-Konzerne richtet. ((c’t 8/2009 S. 85))

Einen Absatz zuvor gab man dem Leser aber zu verstehen:

Treibende Mitglieder der AGOF sind Werbevermarkter wie SevenOne Interactive und Quality Channel, aber auch große deutsche Verlage oder Unternehmen wie eBay und Yahoo. [...] Der Heise Zeitschriften Verlag hat das AGOF-Erhebungsverfahren lange Zeit kritisch beobachtet und sich erst jüngst entschieden, teilzunehmen. ((ebd.))

Eine Antwort auf das Warum bleibt uns Redakteur Herbert Braun allerdings schuldig. Zu schreiben, dass man erst vor kurzem mit dem “böse sein” begonnen hat, ist ein schwacher Trost. Und dass in Amerika alles noch viel schlimmer sei ist ebenfalls keine Legitimation.

Zur Erläuterung: Mir geht es nicht darum, das Ja oder das Nein für Webtracking zu kritisieren, sondern mir stößt lediglich die Art und Weise der Begründung auf. Es wirkt, als wollte man das Thema meiden, nicht an die große Glocke hängen. Die Begründung fehlt, warum Heise sich dazu entschieden hat, obwohl man lange Zeit kritisch gegenüber AGOF eingestellt war. Amüsant auch, dass man als Zwischenüberschrift für das erste von mir angebrachte Zitat das Wort “Datenkraken” benutzt. Vielleicht hat Herbert Braun persönlich gar eine andere Einstellung zu der Sache als sein Arbeitgeber.

1 Kommentar(e) bisher

  1. Steffen says:

    Tja die AGOF ist eben eine der größten und da die Erlöse für Werbung auch im Internet stark zu schwanken begingen, zählt jeder Werbekunde den man bekommen kann…


Leave a Reply

0  Tweets und Re-Tweets
      0  Likes auf Facebook
        0  Trackbacks/Pingbacks