20. May 2009

Ein Konjunktiv ist noch kein Grund zur Freude (oder zum Hass)

Was viele Leute bei der täglichen Lektüre von der Zeitung mit den 4 Buchstaben vergessen, ist der dortige Missbrauch des Konjunktivs. Zugegeben es gibt noch viele weitere Beiträge aus Funk- und Fernsehen oder Print, die dazu einladen, sich auf ihren Schultern nicht auszuruhen. Schon gar nicht sollte man sich auf das verlassen, was hier und da geschrieben steht.

Vor Jahren, damals gab es noch die D-Mark, titelte man in der BILD – Grüne wollen 5 Mark für den Liter Benzin. Eine rot-grüne Regierung gab es lange genug, um das Gegenteil zu beweisen. Dennoch hängt wohl bei manchen Leuten immer noch dieses Benzin-Stigma in den Gehirnwindungen herum, das sie der Partei anheften.

Viel weniger politisch aber ähnlich subtil sind die großen Lettern, wenn sie versuchen, dem Kleinen Mann weiß zu machen, dass E-ON, Rheinenergie und andere sich im Sinne von Otto Normal verhalten. Oder sie tun es eben nicht, dann werden die Energieversorger durch den Kakao gezogen und stigmatisiert.

Angenommen ich wäre ein Mensch, der nicht besonders weit denkt. Angenommen ich freute mich über jeden Tag und gäbe mein Geld für Naturalien und mein Hobby aus. Ginge arbeiten, weil ich mir mein Bier gönnen mag, allen Studien über Alkohol zum Trotz, der Plautze wegen, um sie warm zu halten und um den Konsumrausch befriedigen zu können. Noch ne Kippe oder zwei, vielleicht auch drei am Tag. Es ginge mir gut, weil ich ein Akteur wäre, den man irgendwo zwischen Unter- und Mittelschicht verordnete, allen Hierarchiesierungskritikern in den Sozialwissenschaften zum Trotz.

Ich rauche nicht, ich gönne mir mein Bier trotzdem. Ich würde aber nicht arbeiten gehen, um ausschließlich meinen Konsumrausch zu befriedigen. Zeit ist für mich besonders wichtig, ich möchte mich selbst verwirklichen. Wer den Konjunktiv im Absatz davor beachtet hat, wird wissen, dass es davor keine Personenbeschreibung meinerselbst hat sein können. Und wer nun in der BILD liest “Gas wird billiger! Preissenkung soll im Sommer kommen”, der kann genauso gut das Papier zum Ar… abwischen benutzen. Ob oder ob nicht es Preissenkungen bei den Gasversorgern geben wird, das steht auf einem ganz anderen Papier geschrieben. Doch die BILD-Zeitung geht gerne auf Stimmenfang. Der wenig subtile Rührlöffel der PR-Wanne, hat immer ein wenig Dreck am Stecken.

Journalisten, die mal für die BILD veröffentlicht haben, seien gemachte Leute. Das hat mir mal die Freundin von jemandem erzählt, die selbst ein Volontariat dort anstrebte. Volksverdummung ist großer Sport, aber es wirkt mehr als befremdlich, wenn die auch nur einen Pfifferling wert sein soll. Und wenn Otto Normal sich nun darauf freut, ein bisschen mehr Geld auszugeben, darf er hinterher nicht mal die Schuld dem Springer-Verlag zuschieben. Ein neuer Fernseher könnte es sein. Die sind billig, und immerhin “wollen” die Gasversorger ja die Preise senken. Ein Mustermann-Haushalt würde durchschnittlich mit 160 Euro entlastet, heißt es. Leider haben weder die Studien-Macher, auf die die BILD sich beruft, noch das Blatt mit den vier Buchstaben selbst die Rechnung mit dem Wirt gemacht. Wenn alles anders kommt, hat Otto Normal aber schon mal den Fernseher gekauft. Er wird dann in die Röhre gucken, weil ihm der Konjunktiv nicht ganz so eingängig gewesen ist, wie man es hätte annehmen sollen.

Ich bin dafür, dass wir die Medienkompetenz vermitteln, die es dazu braucht.

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