22. May 2009

Aachener Studierendenparlament tagt 1 1/2 Stunden über 600 Zeichen

Aachen. Das Aachener Studierendenparlament (SP) tagte offenbar 1 1/2 Stunden über einen Passus, in dem grundsätzlich artikuliert werden sollte, dass die Aachener Studierenden sich von “Rechtsradikalismus und Fremdenfeindlichkeit” distanzierten.

Über einen Infoverteiler, der namentlich nicht mehr genannt werden will, ereilte mich der URL zu einem Blogbeitrag auf Klarmanns Welt, der die Geschehnisse des Aachener SPs in (subjektiver) Weise zusammenfasst. Anderthalb Stunden wurde debattiert, ehe man sich dazu entschied, zur Abstimmung zu schreiten. Das Ergebnis wird als schockierend bezeichnet, weil es immerhin 4 Gegenstimmen gab. Die Diskussion im Vorfeld wird als beschämend bewertet, weil offenbar vor allem Angehörige des RCDS und der Gruppe STUDIUM den Antrag zerredet hätten. Wer den Ablauf der Sitzung nachlesen möchte, und die Verstrickungen mancher Mitglieder in Burschenschaften aufgedeckt wissen will, der sollte den Beitrag nicht überlesen.

Randnotizen

Klarmann klagt an, dass es kein grundsätzlich einstimmiges Ergebnis gab. So zumindest interpretiere ich den Beitrag. Und der erste Kommentierer “Detlef” wundert sich darüber, dass Studierende von heute offenbar stockkonservativ seien. Seine Begründung liefert er mit dem Argument ab, dass Linksextremisten in einem vernebelten Licht gesehen würden. Statistisch ist die Behauptung von Detlef jedoch nicht tragbar. Alle Studierenden verfügen über einen Hintergrund, der auch bestimmt ist von dem Bildungsgrad der Parentalgeneration. Die Zusammensetzung der Studierenden heute unterscheidet sich kaum von der vor 50 Jahren. In manchen Studiengängen rekrutieren sich kaum mehr als 5% der Studierenden aus der Arbeiterschaft. Im Gegenteil, wenn beispielsweise die Eltern einer Lehramtsstudierenden ebenfalls Beamte sind oder bürgerliches Klientel, dann ist die eher konservative Haltung etwas, das sich tradiert hat. Und eigentlich ist es nur natürlich. Jeder, der vermittels des Bildungssystems den Aufstieg schaffen möchte, akzeptiert die Werthaltungen, die damit vermittelt werden und wird den Glauben in den Intellekt versuchen an die nächste Generation weiterzugeben. Und je mehr der Fokus auf der Kognition liegt, desto eher werden grundsätzlich viele Dinge angezweifelt.

Unpolitische

Ebenfalls thematisiert wird das unpolitisch Sein in den Kommentaren. Die Studis sind nicht in der Lage, die Zusammensetzung der Hochschulparlamente, Gremien, etc. pp. nachzuvollziehen, schreibt “Klaus”. Für ihn ein Kriterium, um Bürger dieser Gesellschaft zu sein. Für mich kein akzeptabler Standpunkt, denn: Nicht zu meiner Schulzeit und ebenfalls nicht an der Hochschule hat mir “irgendjemand” die Verhältnisse nahe gebracht. Das kann ich selbstbewusst formulieren, weil ich politisch interessiert bin, und trotzdem ein Defizit erkenne. Es gibt genug wichtigere Dinge als Hochschulpolitik – Helmut Kohl sei’s gedankt – *Sarkasmus aus*. Studentische Politik ist eher subtil und hat in vielen Bereichen kaum Wirkung. Das hängt mit Veränderungen zusammen, die schon vor einigen Jahrzehnten unter der christlich demokratischen Fuchtel eingeleitet wurden. Es ist in den letzten Jahren nicht besser geworden.

Demokratie as Demokratie is

Kommen wir zu etwas, das mich grundsätzlich stört. Ich habe meine Stimme nicht für das NRW-Ticket abgegeben und habe auch glasklar bei den Landtagswahlen nicht für Studiengebühren gestimmt. Trotzdem ist es anders gekommen. Nur jammere ich nicht darüber, weil eben die Demokratie es anders wollte. Das SP wurde so gewählt und also muss man mit dem Ergebnis leben. Ich kann nicht Demokratie predigen und hinterher mit den Ergebnissen derselben unzufrieden sein. Jedenfalls denke ich das. Alles was ich tun kann, ist für meinen eigenen Standpunkt zu kämpfen und zu werben. Wenn ich etwas an den Verhältnissen verändern will, muss ich mir überlegen, wie ich das tun kann. Es gibt viele Leute, die z. B. am Ende einer Wahlperiode sagen, sie hätten alles getan. Das bezweifle ich stark. Wer beispielsweise für Greenpeace oder irgendso einen Helikopterabholdienst spenden kann, der darf gerne auch in die eigene Tasche greifen, um sich medienwirksam Gehör zu verschaffen, um seine “eigene Sache” voranzubringen. Das ist der erste Hebel, an dem ich ansetzen würde, neben meiner eigenen Zeit natürlich, die ich investieren kann, um auf mich und meine Anliegen aufmerksam zu machen.

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