Veröffentlicht am 24. Mai 2009 von Alexander Trust
Stellen wir uns vor, wir haben 2006. Stellen wir uns vor, jemand schreibt in der Nacht in sein Blogtagebuch darüber, wie er ein paar Gruppen in StudiVZ gegründet hat – seine ersten – und wie er sich darüber freut. Stellen wir außerdem fest, dass dieser jemand im gleichen Beitrag zum Besten gibt, dass er grad eine Emailadresse von Google genehmigt bekommen hat und sich auch darüber ziemlich freut.
Drehen wir die Uhr drei Jahre weiter. Wir haben 2009. Das Blog gibt es nicht mehr. Die Person ist Internet-altklug geworden und stellt fest, wenn man ihren Namen googelt, wird man auf einen Beitrag bei Sajonara aufmerksam. So in etwa gibt es mit Sicherheit viele Fälle. Weil es immer wieder Leute gibt, die auf anderer Leute Blogs gehen und dieser verlinken und/oder darüber schreiben. In der Vergangenheit sind mir immer wieder Leute untergekommen. Aber heute ein ganz besonderer Typ. Typ wie Prototyp oder wie Entität einer Spezies, nicht Typ wie ey alta-Typ.
Ich bin in der Vergangenheit Leuten immer wieder entgegen gekommen, die sich an mich gewandt haben, weil ihnen die Laster der Vergagenheit heute übel aufstoßen. Bei diesem Typ stößt mir allerdings übel auf, dass er seinen Mangel an Medienkompetenz so auslegt, dass er mich bedrohen möchte. Er bäte mich nur einmal so höflich darum, den Artikel zu löschen. Leute würden ihn darauf ansprechen, was das denn sei und was ich denn für einer sei. Sehr abstrus, weil ich durch die Webstatistiken nachweisen kann, wie oft jemand ihn in der Vergangenheit darauf angesprochen hat. Die Leute werden dann über Suchmaschinenen auf diese Seite gekommen sein, und diese Seitenaufrufe hätte die Webstatistik registriert. Mit Sicherheit wird es heute so einen Seitenzugriff geben, weil X wahrscheinlich selbst nach seinem Namen gegoogelt hat.
Ich habe X zurück geschrieben, dass ich den Artikel lösch, er sich aber hüten soll, mir zu drohen, weil er sonst Post vom Anwalt erhält. Das Schrägste an der Sache sind 2 Befunde. Einerseits braucht X 3 Jahre, dass ihm das auffällt. Andererseits konnte man wohl bis vor kurzem auch noch den Originaltext auf dem persönlichen Blog lesen. Ich bin mir sicher, dass es in Zukunft irgendwann mal Fälle geben wird, in denen gerade ein Gericht wird entscheiden müssen, dass manchen Leuten die Medienkompetenz abgeht. Ich finde dieses Vorgehen nicht okay. Ich habe niemanden beleidigt, ich habe niemanden desavouiert, keiner Person Geschäft geschädigt oder mich sonst irgendwie fahrlässig verhalten. Alles was ich in 2006 getan habe war, 2, 3 Zeilen aus einem Blog zu zitieren. Ein Blog, das alle Welt lesen kann. Wenn Leute nicht möchten, dass alle Welt etwas liest, sollten sie vorher darüber nachdenken. Die Reaktion von X lässt tief blicken, und ich hoffe, dass er meine Antwortmail, mit der höflichen Bitte darum, von weiteren Drohungen Abstand zu nehmen ernst nimmt.
Am Rande bemerkt, war X seinerzeit jemand, der gegen die AGB von StudiVZ verstieß, weil er nicht aus dem akademischen Feld entsprang. Entsprechend gibt es schon jetzt genug Anhaltspunkte dafür, dass man erst darüber nachdenkt, bevor man mit dem Finger auf andere Leute weist. Aber X kann das gerne schwarz auf weiß haben, natürlich nur, wenn er möchte.
Blog, Drohung, Sajonara, StudiVZ, Zitat
Und wie ist deine Meinung?
Ich find das irgendwie interessant, wenn sich Vorhersagen nach so kurzer Zeit bewahrheiten. Ich weiß noch wie in den Anfängen von StudiVz z.B. darüber diskutiert wurde, dass möglicherweise die Karriere des Ein oder Anderen vorbei sein könnte bevor sie überhaupt anfängt, eben aufgrund von oben genannten Geschichten. Wir mußten uns damals schon als “durchgeknallte und übertriebene Datenschützer” beschimpfen lassen und es kamen Sätze wie “wer nix zu verbergen hat und blablabla”, das übliche halt wenn man keine Argumente gegen Kritiker hat. Mitleid habe ich da auf jedenfall keins. Was nicht heißt, dass ich einer freundlichen Bitte nicht nachkomme. Aber mit einer Drohung zu kommen find ich schon hart an der Grenze.
Ich find’s auch schade – habe aber dann in dem Fall auch kein Mitleid mit den Personen. Für die eigenen Fehler andere Leute verantwortlich machen ist ziemlich daneben.