Betr. Zeugen Jehovas und Neuapostolische Kirche: Auch die Bibel lesen bildet!
Zwei Artikel aus meiner Feder sorgen hier gerade für Diskussionen. Das ist gut so. So soll es auch sein. In dem einem geht es um die Zeugen Jehovas und eine Stellungnahme der Jungen Union (JU) aus Karlsruhe zu den Bestrebungen dieser Gruppe, in allen Bundesländern Körperschaftsrechte zu bekommen, die mit Privilegien verbunden sind. In dem anderen geht es um die Neuapostolische Kirche, die in Düsseldorf zum ersten Mal einen Europa-Jugendtag veranstaltet hat und Körperschaftsrechte schon seit langer Zeit besitzt.
Nun schreibt jemand, der sich „Philosoph“ nennt, zu dem Artikel über die Zeugen Jehovas: „Schließlich haben alle bislang befassten Gerichte (BVerfG, BVerwG, OVG Berlin etc.) Verstöße der ZJ gegen Recht und Gesetz verneint – die JU Karlsruhe hingegen scheint exklusiv die ´wirklich wahre Wahrheit´ zu kennen.
Schließlich wird von der JU behauptet, die ZJ würden ihren Mitgliedern den Zugang zu kritischer Literatur verwehren. Ich frage mich gerade, wie das im Zeitalter des Internet überhaupt möglich sein soll?“
Wie bei Wolf Biermann
Für diesen Kommentator gilt irgendwie der Satz von Wolf Biermann, dass man mit der Wahrheit auch lügen kann. Man muss nur genug verschweigen. So verschweigt dieser „Philosoph“, dass die angeführten Gerichte keine systematischen Verstöße der – und das wäre die korrekte Formulierung – Wachtturmgesellschaft gegen deutsches Recht und Gesetz festgestellt haben. Die Betonung lag also auf systematisch. Außerdem ist die Anerkennung in Berlin unter Vorbehalt gestellt worden. Sie kann also jederzeit wieder auf dem Prüfstand landen.
Zudem gibt es interne Schriften der Wachtturmgesellschaft, in denen ausdrücklich steht, dass der „treue und verständige Sklave“ (so nennt sich die Führung dieser Gruppe) das Lesen kritischer Betrachtungen nicht duldet! Erscheint etwas Kritisches, wird das sofort an einen Anwalt dieser Gruppe weiter geleitet, der fast immer juristische Schritte einleitet. So ist es auch mir ergangen. Für den Gerichtserfolg hat dieser Anwalt sogar Fälschungen verwendet. Das habe ich bewiesen. Dass die Wachtturmgesellschaft im Internet-Zeitalter nicht mehr alles und jeden kontrollieren kann, steht auf einem ganz anderen Blatt.
Die drei Affen?
Zum Artikel über den Europa-Jugendtag gibt es mehr Kommentare als zu dem über die Junge Union und die Zeugen Jehovas, die von Mitgliedern der Neuapostolischen Kirche ebenfalls nur anonym abgegeben werden. Sie laufen darauf hinaus, dass man bestimmte Würdigungen weder hören noch lesen will. Gelesen werden sie trotzdem. Und schon gilt irgendwie der Dichterspruch: „Mein Spiegel zeigt euch den Schmutz und ihr schimpft auf den Spiegel.“
Das ist für einen Journalisten nichts, worüber er sich wundert. Kann man den Wahrheitsgehalt von Informationen nicht leugnen, muss man sich den Informanten vornehmen. Das haben sie bei mir auf jede erdenkliche Art und Weise versucht. Der lächerlichste Versuch sah so aus: Nach einer Krisensitzung im hohen Norden wurde ausgestreut, ich sei zum dritten Mal verheiratet. Das teilte mir ein Teilnehmer an dieser Sitzung mit, der von Gewissensbissen geplagt wurde. Ich schrieb daraufhin an den Kirchenpräsidenten, man möge bei dem geplanten Vorgehen gegen mich doch bitte auf diese Behauptung verzichten. Schließlich sei inzwischen auch meine dritte Ehe geschieden. Das Gesicht des Lesers meiner Zeilen hätte ich gern gesehen!
Dass mein Privatleben thematisiert werden sollte (ohne mich zu fragen, denn dann hätte ich den Krisensitzungsteilnehmern verklickert, dass ich meine Ehefrauen auch heute noch für die bezauberndsten weiblichen Geschöpfe halte, die ein Mann wie ich kennen lernen kann), wirkte auf mich geradezu lächerlich und irgendwie für ein gewisses Spießbürgertum auch bezeichnend, doch was sonst noch kam, hatte nichts Lächerliches mehr.
Massensendungen in meinem Namen
So rief mich eines Tages eines weibliches NAK-Mitglied aus Süddeutschland an und fragte mich, ob ich noch bei Verstand sei. Dann zitierte sie aus Schriften, die angeblich von mir stammten und auf dem Postweg nicht nur bei ihr gelandet waren. Ich ermittelte den ersten Empfänger. Es handelte sich um einen Amtsträger der Neuapostolischen Kirche, der in Norddeutschland wohnte. Ich rief ihn an und bat ihn um Zusendung dieser Schriften. Das lehnte er ab und teilte mir außerdem mit, dass er diese Texte bereits an eine Zentrale der Neuapostolischen Kirche weitergeleitet hatte. Also schrieb ich an den Chef dieser Zentrale und bekam zur Antwort, dass man mir diese Schriften, die in meinem Namen verfasst worden waren, aber gar nicht von mir stammten, nicht zur Verfügung stellen werde.
Später erfuhr ich, dass es sich um eine Massensendung gehandelt hatte, die einen Amtsträger der Neuapostolischen Kirche in Nordrhein-Westfalen dazu veranlasst hatte, während einer internen Veranstaltung zu behaupten, jetzt habe man mich entlarvt, während der internationale Chef der Neuapostolischen Kirche in meinen Wohnort eilte und dort verkündete: „Das Wort Kritik steht nirgendwo in der Bibel. Also hat sie bei uns nichts zu suchen.“
Ich besorgte mir daraufhin eine Bibel, fand dort weder das Wort „Mercedes“ (beliebtes Fortbewegungsmittel höherer Amtsträger der Neuapostolischen Kirche) noch das Wort „Spitzengehälter“, auch die Wörter „Luxushotel“ und „Flugzeug“ kamen dort einfach nicht vor. Dann schlug ich noch nach, welche Gaben der Heilige Geist hervorbringt – und schlug die Bibel wieder zu. Ich muss schon sagen: Lesen bildet!
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Tags Bibel, Kritik, Körperschaftsrechte, Neuapostolische-Kirche, Wolf Biermann, Zeugen-Jehovas
Kategorie Glocal, Media, Politics · Autor Heinz-Peter Tjaden · Keine Kommentare
