Galileo Lektorat – was es Wert ist?!
Ich hatte vor einigen Wochen bereits angekündigt, dass ich über den Fehlerteufel bei Galileo Press bloggen wollte. Ich bin inhaltlich mit dem Titel CSS-Layouts – Praxislösungen mit YAML 3.01 halbwegs zufrieden gewesen. Wie in vielen IT-Büchern gibt es Satzbausteine, die sich wiederholen (manchmal ungewollt) und einige der einführenden Hinweise hat man denke ich in 90% aller themenverwandten Bücher schon gelesen. Diese Redundanz hat mich früher oft geärgert, heute nehme ich sie eher gelassen zur Kenntnis. Es ist nachwievor schade, dass über solche Gemeinplätze versucht wird, die Seitenzahlen aufzublähen, damit man für ein Buch mehr Geld einstreichen kann. Sich wirklich auf die Zielgruppe einzurichten versteht wohl kaum jemand so richtig. Ich selbst bilde hier keine Ausnahme. Allerdings ist es immer einfacher, die Arbeit von fremden zu überprüfen.
Anspruch des Lektorats
Was mich jedoch bei der Lektüre von Dirk Jesses Buch in der 2ten Auflage gestört hat, war die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Und zwar diejenige, die zwischen den Behauptungen des Lektors Stephan M. zu Beginn des Buches aufgestellt wurden und dem, was das Buch letztendlich davon eingehalten hat. Bis auf die beiden Kapitel, die mit der Integrierung von YAML in TYPO3 und xt:Commerce zu tun hatten, haben ich alle gelesen. Die anderen beiden nur überflogen. Doch zunächst möchte ich in Zitaten festhalten, welchen Anspruch der Lektor suggeriert.
Die neue Auflage wurde vollständig durchgesehen, erweitert und aktualisiert auf die Version 3.2
Wir halten also zunächst fest, dass diese Auflage komplett durchgesehen wurde. Ich behaupte: Entweder mit Scheuklappen was das Fehlerfinden anbetrifft oder einer Augenbinde. Und ich lehne mich keineswegs weit aus dem Fenster.
Dieses Buch wurde mit großer Sorgfalt lektoriert und produziert.3
Es ist in meinen Augen fahrlässig, so ein Versprechen abzugeben, wenn man es nicht einhält. Sollte man, so geht es an der Stelle weiter, Fehler finden, dürfen wir die Kontaktaufnahme nicht scheuen. Eine Handvoll Fehler auf über 450 Seiten hätte ich erwartet und mich beim Verlag gemeldet mit einer Aufzählung. Nach der ernüchternden Lektüre (durch die Fehler bedingt, nicht durch den Inhalt), ist in mir noch während des Lesens der Gedanke gereift, darüber zu bloggen. Als Germanistik-Student, Buchautor und freier Journalist könnte ich nämlich selbst sehr gut an einer Stelle im Lektorat tätig sein/werden und als Autor Dirk Jesse hätte mir die Arbeit des Verlags Kopfschmerzen bereitet.
Die Realität
Ich habe eine Weile überlegt, wie ich die Fehler kenntlich machen könnte und habe mich dazu entschlossen sie im Zitat hervorzuheben und die Korrektur, bzw. eine Erläuterung in der Fußnote anzugeben.
Schon im Geleitwort von Jens Grochtdreis fand sich der erste Fehler.
Diese Vorlagen boten keine umfassenden Hilfestellung.4
Über die Zugänglichkeit einer Seite entscheidet letztlich nicht, ob in allen Browser jedes Pixel an der gleichen Stelle steht, sondern wie flexibel sich ein Layout [...].5
[...] denn dazu gehört noch einiges mehr als eine tabellenfreies Layout.6
Die Qualität der visuelle Darstellung ist in diesem Fall eingeschränkt;7
Im Ergebnis erlebt man als Entwickler nicht selten die eine oder anderere Überraschung [...].8
- Der Text in Abbildung 2.7 auf Seite 79 ist fehlerhaft. Es handelt sich aber nur um einen Rechtschreibfehler. – Bei dieser Gelegenheit möchte ich erwähnen, dass ich einen Scan der Buchseiten als Beleg beibringen könnte, wenn jemand Interesse hat, die Fehler originalgetreu abgebildet zu bekommen. Zunächst verzichte ich jedoch darauf und führe die Fehler nur an.
- Das Listing 2.21 auf S. 95 ist fehlerhaft insofern als es nicht konsistent in der Auszeichnung von Attributen in CSS ist. Bei #column1 fehlt die Einheit “px” für das Attribut left.
- Abbildung 2.23 auf S. 105 ist fehlerhaft. Es handelt sich nur um einen Rechtschreibfehler.
In Abschnitt 1.24 werde ich auf einige dieser Ansätze näher eingehen [...].9
- Abbildung 2.24 auf S. 107 ist direkt an 3 Stellen fehlerhaft. 2 Mal handelt es sich um Rechtschreibfehler, ein Mal um einen Wortfehler in Kombination mit einem Satzbaufehler.
- Abbildung 2.27 auf S. 113 ist fehlerhaft, es handelt sich bloß um einen Zeichensetzungsfehler.
[...] allerdings birgt dieser Prozess auf Dauer auch ein gewisses Frustationspotenzial.10
Dieses Buch ist im Juli 2006 in der 4., überarbeiten und erweiterten [...].11
Der Interner Explorer ermöglicht [...].12
Bei der zweiten Variante ist es genau umgehrt: [...].13
Für dieses Buch habe alle zuvor beschriebenen [...].14
[...] und das Wissen um diese Problematik erleichtet das Erkennen [...].15
- In Abbildung 3.2 auf S. 161 findet sich in einer abgebildeten Box ein Satz, der genau nicht das beschreibt, was zu sehen ist.
[...] bezieht der Internet Explorer 5.x nicht nur das Elternelement heran, [...]16
- In Abbildung 3.3 auf S. 163 finden sich 2 Rechtschreibfehler.
[...] zum Kollabieren einzelner margins von Elementen der Webseite führen.17
- Abbildung 3.4 auf S. 165 weist 2 Fehler auf. Einmal wurde ein Reflexivpronomen mit einer Anrede verwechselt und zum anderen ist ein Satz unvollständig oder verfügt über einen Wortfehler.
- Abbildung 3.6 auf S. 169 ist komplett falsch. Denn sie ist nur eine Kopier der folgenden Abbildung und illustriert an dieser Stelle etwas doppelt, vor allem aber etwas, das im Text nicht erläutert wird. Anstatt den Internet Explorer/Win-Doubled-Float-Margin-Bug zu zeigen, wurde die Abbildung zum Escaping Floats Bug gezeigt.
- Abbildung 3.9 auf S. 174 beinhaltet 3 Fehler, von denen zwei Grammatikfehler sind.
- Auf S. 175 finden sich 2 Sätze, die vor allem mit Bedingungswörtern glänzen als da wären: an sich, daher, eigentlich, allerdings und eben. Abgesehen von der Diskussion über schlechten Stil, sind diese zwei Sätze ein sehr gutes Beispiel für eine Diskussion um Textverständlichkeit. Denn die vielen Einschränkungen verdunkeln die Bedeutung eher, als dass sie dazu beitragen, sie zu spezifizieren.
Im Anschluss müssen lediglich eine Hand voll Elemente, deren Standardwert davon abweicht, wieder in Ihren Ausgangszustand zurückversetzt werden.18
Noch spielen der Internet Explorer 5x. und der Internet Explorer 6, deren wegen wir uns hier abmühen müssen, noch nicht ganz mit.19
- Abbildung 3.10 auf S. 177 ist fehlerhaft. Der Inhalt einer Box zeigt einen erklärenden Text der für den verwendeten Screenshot nicht zutrifft. Hier hat man unterschätzt, dass ein verkleinertes Browserfenster den Effekt nicht mehr richtig abbildet, hat aber offenbar genau das Fenster verkleinert, um einen kleineren Screenshot anzufertigen, der ist Druckbild passt?!
In Abbildung 3.11 sehen Sie wieder das Beispiel von eben.20
[...] wohl noch das beste Mittel zu Vermeidung des Problems.21
- Ein Grammatikfehler findet sich in Abbildung 3.12 auf S. 181.
Endlos weitermachen?
Ich könnte noch ewig viele Fehler notieren, und zwar auf den Seiten 190, 193, 194, 200, 203, 207, 211, 226, 239, 243, 246, 248, 257, 261, 263, 281, 282, 283, 284, 295, 297, 321, 324, 333, 336, 363, 374, … Bis hierhin reichte Kapitel 6. Die beiden, dann folgenden Kapitel habe ich nur punktuell durchgearbeitet, kann also nicht zu viel über die Fehler festhalten.
Ob ihr es glaubt oder nicht. Ich hab bis hierhin auch Fehler ausgelassen. Solche nämlich, die sich um Stil drehen und um Wiederholungen von Textbausteinen. Beides kann und muss man nicht als Fehler werten. Aber alles zusammen genommen hat das halt sehr viel Eindruck hinterlassen.
Die Schreibung in CSS-Listings ist absolut nicht konsistent durchgehalten. Mal gibt es Leerstellen und/oder Semikola und mal nicht. Besonders fatal finde ich allerdings Dinge, die auf die Farbe von Elementen in Abbildungen verweisen. Darüber hatte ich bereits seinerzeit gebloggt. In einem schwarz/weiß-Druck ist es wenig hilfreich auf blaue Kanten hinzuweisen, wenn diese Grau in Grau abgebildet sind (vgl. z. B. S. 327 und 330f.). Irgendwann im 6ten Kapitel dann geht auch auf einmal nicht mehr die Zeilenhöhe der Kapitelnummerierung zusammen. Die nachgestellten Ziffern werden unterhalb der normalen Zeilenhöhe dargestellt. Das war die ersten 5 Kapitel lang anders.
Und der Rest
Es gibt zwei Formen des Lektorats. Das eine wird primär an der Oberfläche ausgeführt und dient dazu, Rechtschreib- und Grammatikfehler auszumerzen. Wie man an meinen Einbringungen gemerkt hat, gibt es auch Fehler anderer Art, die dann eher jemand findet, der sich auch inhaltlich mit dem Thema auseinandersetzt oder das Buch als Ganzes in den Blick nimmt. Das fängt an bei Bildunterschriften, kohärenten Kapitelnummerierungen, Kopf- und Fußzeilen reicht bis in den Quellcode oder die Überprüfung von Abbildungen hinein. All das wird in dem normalen Standard-Lektorat zunächst nicht berücksichtigt. Erst in einem zweiten Schritt nimmt man sich dieser Dinge an. Tunlichst zu einem späten Zeitpunkt in der Fertigstellung des Manuskripts, da Änderungen am Inhalt und dem Layout abgeschlossen sein sollten, um die zuvor benannten Dinge besonders unter die Lupe nehmen zu können. Natürlich wäre auch ein inhaltliches Lektorat in der Form sinnvoll, dass man über die Gliederung diskutiert, zumindest aber wäre es eine Kür, nach Doppelungen und Wiederholungen zu suchen und Brüchen im Text, die den Lesefluss einschränken.
Dass es Wiederholungen in dem Titel gibt, habe ich bereits angesprochen. Dass ich natürlich Fehler übersehen haben kann, ist ebenfalls nicht ausgeschlossen. Dinge, die ich auf jeden Fall außer Acht gelassen habe, weil ich sie nicht ausprobiert habe, sind z. B. die im Buch notierten Softlinks. Ich kann also weder bestätigen noch verneinen, dass diese nicht zu vollster Zufriedenheit funktionieren. Als ich das Buch jetzt für die Vorbereitung dieses sehr umfangreichen Blogartikels zur Hand nahm, ist mir dieser Punkt jedoch ins Auge gefallen. Wenn man nun meine Auflistung dem anfänglich zitierten Hinweis auf “sorgfältiges Lektorat” gegenüberstellt, lässt sich diese Behauptung nicht aufrecht erhalten. Ich besitze auch kein Mängelexemplar, sondern habe die Ausgabe in einer Buchhandlung realiter erworben. Einzig mit EC-Karte habe ich bezahlt.
Ich habe die Fehler jetzt absichtlich nicht zusammengezählt. Aber in der Summe kommen wir locker über EINHUNDERT!!! Wenn ich schon 35,00 Euro ausgebe. Noch nicht mal wegen des Geldes, sondern weil ich ein Buch lese, das in der 2ten Auflage erschienen ist, dann kann mich das nur fassungslos machen. Es gab bestimmt genügend Zeit von der ersten zur zweiten Auflage, aber auch in der Produktionsphase der zweiten Auflage, dies alles nicht zu übersehen.
- YAML ist ein Akronym für Yet Another Multicolumn Layout und mittlerweile ein ausgereiftes CSS-Framework, vgl. YAML-Homepage. [↩]
- Jesse, Dirk: CSS-Layouts. Praxislösungen mit YAML 3.0. Bonn, Galileo: 2008. Hier zitiert aus dem Editorial. [↩]
- Ebd. [↩]
- Ebd., S. 16. Falscher Kasus des Adjektivs (dann müsste es umfassende lauten) oder man nimmt den falschen Numerus beim Objekt Hilfestellung an, müsste letztlich Hilfestellungen im Plural benutzen. [↩]
- Ebd., S. 26. Klassischer Rechtschreibfehler. Es sollte “allen Browsern” heißen. [↩]
- Ebd., S. 27. Könnte man ebenfalls als Rechtschreibfehler durchgehen lassen. Es sollte “ein tabellenfreies Layout” heißen. [↩]
- Ebd., S. 33. Rechtschreibung. Sollte heißen “der visuellen Darstellung”. [↩]
- Ebd., S. 61. Rechtschreibung. Es sollte “andere” heißen. [↩]
- Ebd., S. 106. Es gibt den besagten Abschnitt nicht. Zudem hat man auf syntaktischer und semantischer Ebene genug Anhaltspunkte, um davon auszugehen, dass vom Ort des Gelesenen, also S. 106, ein Punkt danach gemeint sein muss. Unmittelbar im Anschluss folgt Kapitel 2.11.4. Es scheidet aber aus inhaltlichen Gründen aus. Einen Abschnitt 2.24 gibt es allerdings auch nicht. [↩]
- Ebd., S. 124. Es sollte Frustrationspotenzial heißen. [↩]
- Ebd., S. 142. Rechtschreibfehler. [↩]
- Ebd., S. 143. Rechtschreibfehler. [↩]
- Ebd., S. 153. In einer Hinweisbox findet sich dieser Rechtschreibfehler. Es sollte “umgekehrt” heißen. [↩]
- Ebd., S. 156. Ein Wortfehler. Es fehlt das Personalpronomen “ich”, das in dem Satz als handelndes Subjekt auftreten würde. [↩]
- Ebd., S. 157. Rechtschreibfehler. [↩]
- Ebd., S. 162. Ein Wortverwendungsfehler. Die Wendung heißt etw. heranziehen aber nicht heranbeziehen. [↩]
- Ebd., S. 164. Grammatikfehler. Margins müsste großgeschrieben werden, dies kann man zudem mit der Konsitenz begründen. Weil es in ähnlichen Fällen zuvor großgeschrieben wurde. [↩]
- Ebd., S. 176. 2 Grammatikfehler. [↩]
- Ebd. Der Satz verfügt über eine Dopplung und verwendet mit 5x. eine nicht-konsistente Schreibweise für die Versionsziffer. Diese wurde zuvor im Text anders notiert. Deren wegen kann man gelten lassen, die Formulierung ist aber ungebräuchlich und wohl der Mundart geschuldet. [↩]
- Ebd., S. 178. Diese Aussage ist irreführend, denn die Abbildung ist natürlich nicht identisch mit der vorhergehenden. Hier hätte eine andere Formulierung mehr Sinn erzeugt. [↩]
- Ebd., S. 180. Rechtschreibfehler. [↩]
Hinzufügen zu del.icio.us, Mr. Wong, LinkARENA, SEOigg
Tags CSS, Dirk Jesse, Framework, Galileo Press, Inhalt, Kohärenz, Lektorat, Struktur, Typo3, xt:commerce, YAML
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