Web 2 Social Dings – wie es die Gesellschaft spaltet
In aller Munde ist das Social Web, das Web 2.0 schon eine Weile (nicht mehr). Semantic Web ist die nächste Stufe der Evolution, die ich persönlich sehr begrüßen würde, weil sie viel mehr mit den Inhalten als mit der Selbstvermarktung zu tun hat. Da gibt es dann schon die Rede von der Gleichzeitigkeit, die Erfüllung von McLuhans Visionen also. Doch was hat uns das Etikett Social eigentlich eingebracht? Viele Leute sagen, es sei positiv, sich zu Gruppen zusammen zu schließen und sich zu verbinden und Brüder im Geiste zu werden.
Es wird nur kompliziert, wenn es um Politik geht. Politik vor 20 Jahren war eine Politik in Hinterzimmern. Das ist sie heute immer noch, doch die Leute haben das Gefühl, dass es auf Personen ankommt. So wie in zwischenmenschlichen Beziehungen aber sind Personen auswechselbar. Es kräht kein Hahn nach ihnen. Sind sie weg, sind sie schon wieder da oder bleiben halt für immer fort. Vor 20 Jahren allerdings hat man die Parteipolitik nicht so sehr auf Lafontaines, Gysis, Walter-Steinmeiers, Merkels, Merz’ und Co zugeschnitten. Damals war vor den Schulen stopp, heute wird aus den Schulen heraus Politik betrieben. Mit Badges werden soziale Netzwerke gepflastert, mit Kreidespray Fußgängerzonen in Aachen und Co. nebst Grundwasser gespült. – SchülerVZ, StudiVZ, Facebook, Twitter und so verfügen über Gruppen, Seiten und andere digitale Objekte, in denen Nutzer anzeigen, welcher Partei sie zugehören.
So viele Vorteile es vielleicht haben mag, sich zu Gruppen zusammen zu schließen, so schwierig wird es, den Vorurteilen der Menschen um einen herum zu begegnen. Als Mitglied der Linkspartei ist es schwer, als Mitglied der rechten Parteien sowieso – wenn man Grüner oder FDPler ist… dann findet man schon irgendwo einen Job. Manche Arbeitgeber haben sich vor 20 Jahren und auch heute, nach der Parteizugehörigkeit erkundigt. Vielen war es jedoch egal. In einer großen Firma arbeiten viele Leute auf einen Haufen, die die ganze Parteienlandschaft abdecken. Je bewusster wir jedoch gerade dieses Attribut in den Vordergrund stellen und jedes Mitglied sich “outet”, einer Volkspartei anzugehören, desto größer wird mittelfristig das Problemfeld.
Ich bin der festen Überzeugung, dass die Aufmerksamkeit bei der Akquise von Personal sich in der heutigen Zeit mehr noch als vor 20 Jahren auf die Parteizugehörigkeit richtet. Und wir selbst sind diejenigen, die es voran treiben. Ich bin mir aber sicher, dass wir durch diese aktive Parteinahme und durch die vielen Gesichter in der “Social”-Öffentlichkeit, die sich für rot, dunkelrot, schwarz, gelb, grün, usf. entscheiden – wir festigen die Fronten. Früher hat man das nur latent wahrgenommen. Es wird in der heutigen Zeit mehr diskutiert werden, und wir werden feststellen, wie gewisse Gruppendynamiken aus demselben Grund, warum sie erst auftauchen ebenso schnell an ihre Grenzen stoßen. Weil der JUSO von Nebenan mit Sicherheit ein bisschen argwöhnisch darauf gucken wird, wenn der “Social”-Partei-Kollege sich dazu äußert, bzw. in einer Gruppe äußert, dass Amnesty oder Greenpeace eigentlich Zeitverschwendung sind, weil die Unternehmungen solcher Gruppen der Meinung des Betroffenen naiv sind.
Eines noch: Wenn man bei der Politik anfängt, dann muss man bei der Religion weitermachen und dort auch nicht aufhören. Zugehörigkeit ist heute scheinbar wichtig geworden. Doch wir werden noch erleben, wie sie uns im Weg steht und die gesellschaftlichen Prozesse zunehmend erschweren wird.
Wir werden Ökonomen erleben, die nichts mit dem übertriebenen Umweltengagement des Kollegen anfangen wollen und wo man vorher nicht drüber gesprochen hat, kriegt man diese Fakten heute auf dem Silbertablett serviert. Ob es einen interessiert oder nicht, unsere Gesellschaft politisiert sich. Bzw. das Web 2.0 politisiert sie. Es gibt Anhänger eines Phänomens oder einer Bewegung gegen z. B. die Zensursula, die von denen gemieden werden, die aus Loyalität zum RCDS, zur Jungen Union oder zur CDU sich nicht gefallen lassen wollen, dass man die weltfremde, konservative Parteikollegin derart stigmatisiert. Es ist übrigens einerlei, ob man nun via Blog, via Twitter, in und um Social Networks herum sich zu seinen Neigungen bekennt. Doch jeder, der das tut, muss wissen, dass er genug Fell mitbringt, um den Gegenwind auszuhalten. Davon gibt es genug, und durch die Öffentlichkeit der eigentlichen Person zwingt uns diese Situation dazu, mündige Bürger zu werden oder doch nur zu spielen?! – Keine Frage, das war ein technokratisches Statement, doch ich bin der Meinung, man sollte zumindest auf Probleme hinweisen. Selbst wenn man persönlich anderer Meinung sei.
Unser Wort kriegt Gewicht – nur ist die Frage, ob jeder weiß, mit den Konsequenzen umzugehen. Amen.
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Tags CDU, FDP, Grüne, Gysi, Lafontaine, Linkspartei, Politik, Semantic Web, Social-Web, Web 2.0
Kategorie Media, Politics · Autor Alexander Trust · Keine Kommentare

