28. June 2009

Demographie im Internetzeitalter manchmal lückenhaft

Umfragen sollen valide Ergebnisse liefern. Fragen für Umfragen sollen bewusst so gestellt werden, dass sie den Befragten nicht in seiner Antwort beeinflussen. Zwei (An-)Forderungen, die nicht immer und schon gar nicht zu vollster Zufriedenheit erfüllt werden können. Das Springer-Blatt mit den 4 Buchstaben veröffentlichte heute Ergebnisse einer neuerlichen Umfrage, in denen Fragen zur politischen Stimmung mit demographischen Daten in Verbindung gebracht werden.

Weil die Ergebnisse es hergaben, bekommt Frank-Walter Steinmeier sein Fett weg. Er stürzt laut Bild in den Umfragen ab. Die Leute halten ihn nicht mehr gar so sehr fürs Kanzleramt geeignet. Ob oder ob nicht ist für mich weniger von Bedeutung. Viel interessanter fand ich folgende Feststellungen. Einerseits trauen mehr Leute der CDU zu, die Probleme der Wirtschaftskrise zu bewältigen. Andererseits sei die SPD nachwievor eine Partei, von der viele glauben, dass sie sich um die Belange der Arbeiter kümmere.

Schon Anfang der 90er hat Karl H. Hörning mit anderen zusammen die gesellschaftliche Analyse der Gruppe der Zeitpioniere1 veröffentlicht. Der Beginn der Arbeiten zu der Analyse liegt in den 80er und wird also schon 20 Jahre her sein. Was daran so interessant ist – es gab schon damals die Tendenz dazu, dass sich der Primat der Arbeit auflöst und andere Dinge den Lebensmittelpunkt darstellen können, um den herum man sein eigenes Leben organisiert, bzw. man sich damit identifiziert. Zeit ist der Faktor, der nach Hörning und anderen immer wichtiger wird. Es gibt solche Zeitpioniere noch heute und es gibt sie immer mehr.

Ich möchte betonen, dass analog dazu noch ganz viele andere Gruppierungen in der Gesellschaft von heute anzutreffen sind. Und genau aus diesem Grund sehe ich ein Problem dabei, wenn Umfragen gekoppelt werden mit demographischen Kategorien, die in Teilen wohl nicht mehr zeitgemäß sind. Die SPD wird sich nicht darauf verlassen können, dass Arbeiter ihnen ihre Stimme geben, wenn diese auch nur einen Funken von Technik-Affinität besitzen. Diejenigen nämlich, die sich im Internet zu Hause fühlen, hat die SPD und haben die Volksparteien mit ihren Verbots- und Zensurmaßnahmen und neuerlichen Gesetzen verprellt. Selbst ein Hartz IV-Empfänger kann im Internet surfen und wird sich vielleicht zwei Mal überlegen, ob ihm der Überwachungsstaab Marke Große Koalition so recht ist.

Bei der Europawahl hat die Piratenpartei in Deutschland aus dem Stand knapp 1 Prozent erreicht. Es hat sich in der Folge aber auch gezeigt, dass die Anhänger dieser Partei aus ganz unterschiedlichen Schichten der Gesellschaft stammen. Was nun, wenn die Volksparteien sich darauf verlassen, dass ihre Stammwähler ihnen alles durchgehen lassen? Wolfgang Rudolph und Wolfgang Back vom Computer Club 2 haben in ihrem letzten Webcast ein deutliches Signal ausgerufen, dass AK Zensur oder die Petition von Franziska Heine nicht allein nur von “jungen” Menschen als gut erachtet werden.

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Kategorie Media, Politics · Autor Alexander Trust · Keine Kommentare


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