17. August 2009

Der Mauerfall vor 20 Jahren: Ein anderer deutscher Herbst in Leipzig

Ein anderer deutscher Herbst - die Wendejahre

Ein anderer deutscher Herbst - die Wendejahre

von Heinz-Peter Tjaden

„Dem Menschen wird es nicht in die Wiege gelegt, Widerstand zu leisten. Er muss es lernen.“ Sagt Christian Führer heute. Und ist längst in die deutsche Geschichte eingegangen. Als Friedensbeter. In Leipzig. Nikolaikirche. Als die DDR-Führung zum Abdanken gezwungen worden ist. Mit friedlichen Demonstrationen.

Ich bin in jener Zeit oft in Leipzig gewesen. Als Bürger der Partnerstadt Hannover. Das erste Mal 1985. Damals fragte mich eine junge evangelische Christin, die wegen ihres Glaubens auch in der Schule Probleme hatte, wie lange dieser Staat wohl noch bestehen werde. Ich tippte auf Egon Krenz als letzten Staatsratsvorsitzenden und fühlte mich vier Jahre später wie ein Prophet, als dieser Mann vor laufender Kamera sagte, nun gebe es viel Arbeit. Die war aber bereits erledigt und ich schrieb auf, was ich auf der Straße, bei Gesprächen in Wohnungen und Kneipen hörte.

In jenen Tagen bekam die DDR die ersten Farbtupfer – ein Eiscafé in einer kleinen Stadt war einer davon, eine Lesung west- und ostdeutscher Autoren, die von der „Leipziger Volkszeitung“ angekündigt wurde. Der damalige Oberbürgermeister der sächsischen Messestadt schickte mir ein Grußwort für das Buch, das ich plante. Beim Lesen rieb ich mir die Augen. Auch dieser SED-Mann war in den Strom der Zeit gesprungen, der Volksmund hatte ein Wort für solche Leute: „Wendehals“.

Das Ende der DDR wurde in evangelischen Kirchen eingeläutet, dort traten kritische Liedermacher auf, wurden Diskussionen geführt und in der Leipziger Nikolaikirche betete am 2. Oktober 1989 sogar ein Atheist mit den anderen für alle, die in Haft saßen. Ein anderer fütterte auf der Straße derweil die Spatzen, wurde von einem Auto nass gespritzt und fragte sich: „Wie geht dieser Autofahrer eigentlich mit einem Revolutionär um?“

Nun sind diese Geschichten als Buch erschienen. Titel: „Ein anderer deutscher Herbst“. Ich bin einfach nie dazu gekommen, diese Erlebnisse aufzuschreiben. Aber jetzt – als zeitgeschichtliches Dokument über Hoffnungen und Befürchtungen, über Wünsche und Vorbehalte. Dem DDR-Volk aufs Maul zu schauen – das ist spannend gewesen.

Link zum Buch

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Kategorie Glocal, Media, Politics, Science · Autor Heinz-Peter Tjaden · Keine Kommentare


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